Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 28, Dezember 1967

Heft 28 Dezember 19s? Gründungsjahr 1998 Veröffentlichungen des fiulturamtes der Stadt Steyr Schriftleitung - Dr. Lrlefried Arobath Dr. Lrlefried Arobath: Die Bürgermeister der Stadt Steyr und ihre Zeit (U- Fortsetzung) Johann Gotthard Yayberger (1759 — 1769) Der Bürgermeister Der BaumeisterBauten in Steyr Planung und Umbau des Rathauses in SteyrJohannes Simon Carl Angerholzer (1769 — 1770) Bernhard Großrucker (1771) Johann Reichard von paumgartten (i?72 — 1781) Dr. Josef Gfner : Aunstchronik der Stadt SteyrArchitektur, Bildhauerei und Malerei (9. Fortsetzung) Dr. Lrlefried Arobath: Steyr nach dem zweiten Weltkriege

Br. Erlesried Krobath Die Bürgermeister der Stadt Steyr und ihre Zeit Ersetzung) Johann Gotthard payberger ((759—(764) Joannes Simon Earl 2lngerholzer ((76^—(770) 2^ernhard Großrucker ((77)) Johann Reichard von paumgarttcn (1(772—(78() Johann Gotthard lzaybergec (1759 — 1764) Der Bürgermeister Johann Gotthard payberger wurde am 28. 21pril 1095 als fünftes von sieben Kindern des paul payberger und seiner Gattin Maria, in peuerbach, Bezirk Grieskirchen, geboren.') paul payberger, der aus der Ortschaft Bruck nach peuerbach zuwanderte, war dort Maurermeister und Bürger. Bis zuin Jahre (720 schweigen alle urkundlichen (Quellen über die Tätigkeit und Lehrzeit Gotthards. Im 2tpril des erwähnten Jahres richtete er ein Ansuchen an den Magistrat Steyr, in dem er u. a. schreibt: „ ... habe auch das Maurer pand- werch erlehrnet und ausgelehrnet vndt mich darinnen seithero solchergestalten per- sectionieret, das ich dermalen die Stöll eines Maurer palliers versehe"?) €s kann angenommen werden, daß payberger das pandwerk bei seinem Pater erlernt und wahrscheinlich auch einen Teil seiner Gesellenjahre im väterlichen Geschäfte verbracht hat. Der Pater muß ein tüchtiger Maurermeister gewesen sein, da er, obwohl er erst nach peuerbach zuwanderte, Bürger dieses Ortes wurde. Sein Fleiß und seine Tüchtigkeit ermöglichten es ihn: trotz der großen Familie, die er zu ernähren hatte, ein paus zu erwerben, was bekanntlich eine Daraussetzung war, um Bürger zu werden. Bald nach seiner beruflichen Ausbildung, also vor (720, scheint Gotthard payberger nach Steyr zugezogen zu sein. Als Maurerpolier fand er hier Gelegenheit, die tvitwe des Maurerpoliers Matthias Gallbrunner, eines Berufskollegen und ') Taufbuch des Pfarramtes Peuerbach, 0. 0., Bd. III, 8. 205. — Die Geschwister waren : Matthias, geb. 10. 1. 1678 ; Magdalena, geb. 17. 3. 1679; EvaRosina, geb. 11. 11. 1680; Anna Regina, geb. 11. 10. 1686 ; Franz, geb. 30. 9. 1697 ; Anna, geb. 17. 2. 1703. Die Eltern starben rasch hintereinander : die Mutter am 16. 12. 1729, der Vater am 10. 12. 1729. 2) St. A. Steyr, B. V., K. 11. L. 9, ad 3718. 5

Untertanen der Stiftsherrschaft Garsten, kennenzulernen und zur Braut zu gewinnen. Die Witwe Margaretha Gallprunner war eine Tochter des Stadtmaurer- meifters panns prandstetter fauch prandstötter genannt), die sich am 17. jeher 1?16 mit Gallbrunner vermählt hatte. prandstetter, als künftiger Schwiegervater paybergers, versprach diesem, ihm sein paus am Kirchweg (heute pfarrgasie :) „in billigem werth neben dem pandwerch" zu überlassen. Gestützt auf diese Zusage war dem Bräutigam die Möglichkeit gegeben, sich um das Bürgerrecht der Stadt zu bewerben. So lag nun dem Magistrate am ly. jeher 1721 das Ansuchen des noch nicht 26jährigen „Maurer palirergeföU" Gotthard payberger um Erteilung des Bürgerrechtes zur Entscheidung vor. Dem Ansuchen war eine Erklärung des panns prandstetter beigefügt, die besagte, daß er die Absicht trage, feinem angehenden Schwiegersöhne sein paus und sein pandwerk zu übergeben. Der Rat beschloß vorerst, die Stellungnahme des Maurer- und Steinmetzhandwerkes zu diesem Ersuchen eiitzuholen. Die Zech- und jürmeister dieses pandwerkes gaben in ihrem schriftlichen Berichte bekannt, daß sie gegen die Aufnahme des Bewerbers in den „Bürger- und Meisterstand" keine Bedenken hegten. 2tuf Grund dieser Stellungnahme richtete payberger am 15. März 1721 ein „wiederholtes gehorfambes an- rueffen und Bitte", chm das Bürgerrecht zu erteilen und auch ein „leydentliches burgergelt" festzusetzen. 2lls er um Stadtarbeit ansuchte, wandte sich der bürgerliche Maurermeister Michael Zachhueber an den Magistrat, der das zuständige pairdwerk veranlassen sollte, payberger, ehe er nicht sein Meisterstück geliefert hätte, nicht zum Meister zu ernennen. Das Maurer- und Steinmetzhandwerk un« terbreitete hierauf dem Rat die payberger und Zachhueber als Meisterstücke aufgegebenen „zwei Riß oder Visierungen" zur Einsichtnahme?) Nachdem in der Zwischenzeit auch die pausübergabe durch prandstetter erfolgt war und payberger die um 12 Jahre ältere IDitme geheiratet hatte, sah der Rat in seiner Sitzung vom 18. April fein pindernis mehr, dem Ersuchen zu willfahren. 2lls Bürgergeld hatte payberger q Reichstaler zu entrichten, weiters wurde ihm der 2lnkauf einer „ jlin- ten Musqueten" und die Eintragung in die Musterrolle des Stadthauptmannes vorgeschrieben. Am io. Juni 1721 legte er vor dem versammelten Rate den Bürgereid ab?) Es sind kleine und untergeordnete Arbeiten, mit denen payberger seine Meistertätigkeit begann, daneben handelte er auch in kleinem Umfange mit Baumaterialien. versuche des Konkurrenten Zachhueber, die Stellung paybergers zu untergraben, mißlangen. Da sich auch die Stadt in immer größer werdendem Ausmaße der Arbeit paybergers bediente, wandte sich Zachhueber an die Landeshauptmannschaft, die tatsächlich den Magistrat ausforderte, auch diesem Stadtarbeiten anzuweisen?) Sie wurden jedoch weiterhin an payberger vergeben, der 1751 die Ausbesserung der Wallmauer um 128 Gulden 24 Kreuzer durchsührte und 1756 das Dach der damaligen Taborstiege erneuerte?) Auf ein neuerliches Ansuchen Zach- huebers um Zuteilung von Arbeiten für die Stadt, erklärte der Magistrat, daß seit Juni 1729 diese von payberger durchgeführt würden?) Im Jahre 1735 war durch natürlichen Abgang eine Reihe von Ratsstellen vakant geworden. Unter den neuen, vom kaiserlichen pof bestätigten Mitgliedern des3 * * * 7 3) RP 1721,66,152. n RP 1721,42,48,60,62. 5) RP 1721,130,306. «) RP 1731,123. 7) RP 1737,15. 4

Äußeren Rates befand sich Gotthard payberger, dessen Ansehen in der Stabt schon so gestiegen war, daß er in die Gemeindevertretung berufen wurde?). Fünf Jahre später, (738, wird der Raume ist er in den Protokollen der Stadt als Stadtfähnrich und *752 als Stadthauptmann erwähnt?) Seine vielseitige Verwendungsfähigkeit ermöglichte es dem Rat, ihn mit der verantwortungsvollen Stelle eines Brücken- und Brunnenverwalters zu betrauert und als Kommissar zu den Jahrestagen der Schiff- und Floßleute, des Müllerhandwerkes, der Feilhauer, der Bäcker, der Zeug- und Leinenweber u. a. zu entsenden. Auch in allen Baufragen und bei allen Baukommissionierungen bediente sich der Magistrat seiner wertvollen Ratschläge. Nach dem Tode des Stadtkämmerers Caspar Wilhelm wurde ihm, über eigenes Ersuchen, im Jahre 1 74 T dieser Posten und nach einigen Jahren der eines Gberstadtkämmerers verliehen?") Den viertelmeistern der Stadt wurde am *4- Dktobcr 1755 die „ksaiserlich 1 k(önigliche) Wahlresolution" vom 30. September desselben Jahres kundgemacht, nach der Gotthard payberger zum k.k. Stadtrichter ernannt wurde. Nach altem Brauch begleiteten die Mitglieder des Äußeren Rates den neuen Stadtrichter, das Iustizfchwert vorantragend, zu seinem Pause.") „Nach der vorgeschriebenen Norm vom Jahre 1755" wurde am 9. August 1758, im Beiseiit des Kreishauptmannes von Eckhard, eine Ratswahl vorgenommen.8 9 10 * 12 13) Aus ihr ging payberger als Bürgermeister hervor, er hatte damit die höchste Würde, die ein Gemeinwesen zu vergeben hat, erklommen. Allerdings langte die kaiserliche Bestätigung der Wahl erst im Juni (750 beim Magistrate ein, so daß der zurückgetretene Vorgänger, Fraitz Silvester paumgarttner, noch bis 2 v Juni im Amte verbleiben mußte. Zusätzlich wurde dem Bürgermeister payberger von der landesfürstlichen Vertretung, der Repräsentation und Kammer in Linz, mittels Dekretes am 18. Juni 1759 aufgetragen, auch das Stadtrichteramt provisorisch weiter auszuüben. Die versammelten Räte beschlossen zwar, dem Befehle Folge zu leisten, sie verfügten jedoch, daß payberger bei den Sitzungen einen Stadtrichter „substituieren" solle, damit bei Abstimmungen in den Sitzungett keine Stimme fehle („ratione voti"). Für den Ratssitzungstag am 14. Juli wurden, da „nach der alten Grdnung" nicht nur das gairze Kanzleipersonal der Stadtverwaltung, sondern auch die Advokaten und Prokuratoren dem neuen Bürgermeister ein Gelöbnis abzulegen hatten, diese vorgeladen, um ebenfalls ihrer Pflicht nachzukommen?") paybergers Ansehen bei den Berufskollegen führte auch zu seiner Nominierung als Vorsteher des Maurerund Steinmetzhandwerkes in Steyr?4) Er wirkte bei religiösen Institutionen mit, so war er Rektor der Corporis Christi und der Iosephi Bruderschaft und Vorsteher der St. Johannis Baptista-Bruderschaft im Bruderhaus. 8) RP 1733,302. — Hayberger war Mitglied des Äußeren Rates von 1733 bis 1747, Mitglied des Inneren Rates von 1748 bis 1755. 9) RP 1752,179. 10) Im März 1756 legte er diese Ämter zurück, da er Stadtrichter geworden war.'Der Rat verlangte jedoch, daß er „bis zur Ersetzung mit all-vorigen Eyfer" weiterhin als Oberstadtkämmerer und Brückenamtsverwalter tätig sein solle. Die „Repräsentation und Kammer“ in Linz nahm erst im Mai den Rücktritt von diesen Ämtern zur Kenntnis (RP 1756,143,201,208). ") RP 1755,586. 12) RP 1758,384,401. — Bei den Wahlen der Jahre 1761 und 1763 ging Hayberger wieder als Bürgermeister hervor (RP 1762,2 ; RP 1763,415). 13) RP 1759,121,407. "1 RP 1759,249; RP 1736,271, RP 1764,277. 5

Wappen des Bürgermeisters Johann Gotthard Payberger Gezeichnet nach einem Siegel auf einer Empfangsbestätigung im Stadtarchiv Steyr (Faszikel Pfarrkirche 1759 — (757, K. XI, 'S. 27). Im Schild steht auf einem Dreiberg ein wenig belaubter Baum (Linde?). Dem offenen gekrönten Pelm entsteigt ein Mann mit Kapuze und Leibbinde. In seiner Rechten hält er einen nach oben göffneten Zirkel, die linke pand hält sich an der Leibbinde fest. Farben unbekannt. Am 51. Jänner 1765 erließ die Landeshauptmannschaft ein Rundschreiben, in dem die „Abstellung der mit Schild und Pelm bcy burgers und anderen leithen (Leuten) führenden Wappen" mitgeteilt wurde (Rp 1765,66). 6

Der Ehe Haybergers mit der Witwe Margaretha Gallprunner entsprossen vier Kinber.'5) Im Alter von 75 Jahren verschied im Juni (760 die erste Gattin des Bürgermeisters.'^) Bei der Verlassenschaftsabhandlung kam es mit den Schwiegersöhnen, dem Lebzeltermeister Simon Hierninger und dem Lhirurgen Johann Baptist Koller aus Windischgarsten, zu Unstimmigkeiten. Diese und seine Kinder beschuldigten Hayberger der „Vermögens Vertuschung." „Schmerzlich berührt" wegen dieser Unterstellung, ersuchte der Bürgermeister beim Magistrat um Festsetzung eines von amtswegen bestimmten Termines für eine Vergleichsverhandlung mit den Erben. Sie fand am 30. Juli (762 statt und Hayberger erklärte, er wolle unter Eid seine Aussage über die Vermögensverhältnisse machen, „um sodann zu einer Ruhe zu gelangen und seine geschmöllerte ehre und credit dz (daß) er kein Untrerer (untreuer) Datier fcye, erhalten zu können." Ifayberger erklärte sich schließlich auf „vieles Jusprechen" bereit, seinen beiden Töchtern „über die sich ergebende Mütterliche legitimam jeder (000 Gulden ganz zu machen", also einen Betrag, der unter (ooo Gulden wäre, auf diese Summe zu erhöhen. Außerdem versprach er, auch die Erbschaftssteuer („Hcebgeldt") bezahlen zu wollen. Dieses Abkommen ratifizierte der Rat und verzichtete auf die Ablegung des Eides, da ein solcher „auf einen leiblichen vattern zu misreputation stehet." Da schließlich jeder Tochter ein Erbbetrag von (555 Gulden 36 Kreuzer zufiel, schrieb der Bürgermeister an seine „Wohl Edlen Besonders vül geehrten" Schwiegersöhne, um ihnen mitzuteilen, daß er diesen Betrag aus eigener Tasche um (55 Gulden erhöhen wolle.'?) Der 67jährige Witwer heiratete nochmals am 27. September (762 die „wohl Edle Jungfrau Maria Theresia Soelhamerin", eine Tochter der einflußreichen Steyrer Schiffineister- und Wirtsfamilie Seelhammer.'") Doch diese Ehe sollte nur mehr von kurzer Dauer sein. Nach kurzer Krankheit verschied Hayberger am 7. März (76-(. Noch am (4. Jänner führte er im Rate den Vorsitz. Unter dem Geläute aller Kirchenglocken wurde der berühmte Baumeister zu Grabe getragen.'9) Im Beisein der Witwe, des Stadtschreibers Ferdinand Michael Knab und des Mitgliedes des Äußeren Rates Maderer, wurde Haybergers letztwillige mündliche Verfügung („testamentum nuncupativum") geöffnet. Dieses Dokument ist leider nicht mehr vorhanden, auch über den Inhalt desselben vermerken Sie Ratsprotokolle nichts. Die Witwe bat, ihr zur Fortführung des Handwerkes einen tüchtigen Maurerpolier zur Verfügung zu stellen. Diesem Ersuchen gab der Magistrat nach und verfügte, daß der von der Haybergerin gewünschte Maurerpolier Paul Hautzenberger, der beim Maurermeister Hueber beschäftigt war, mit Einverständnis des Handwerkes und seines Arbeitgebers der Witwe „zugeteilt" wurde?") Wegen der „guten Dienste", die der verstorbene Bürgermeister Hayberger der Stadt leistete, ließ der Rat für fein Seelenheil bei den Kapuzinern (2 Messen lesen und hiefür sechs Gulden bezahlen?')15 16 17 18 19 20 21 15j Taufbuch 1719 — 1732, Bd. IV, Stadtpfarramt Steyr. — Ignaz, geboren am 7. Juli 1722 ; Regina Theresia, geboren am 10. Oktober 1725 ; Johann Richad, geboren am 5. Februar 1728. Die Geburt der zweiten Tochter ist in den Taufbüchern des Stadtpfarramtes nicht vermerkt. Beide Söhne starben in jungem Alter. 16) RP 1760,174. ‘ 17j RP 1762,252,261. Erbschaftssachen im Stadtarchiv Steyr 1729—1762, K.11, L.21. 18) Totenbuch III, S. 497, Stadtpfarramt Steyr. RP 1764, 3. 19) Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Oktober 1953, S. 28. 20) RP 1764,87. — Zu Verlassenschaftskuratoren wurden die beiden Mitglieder des Inneren Rates Reichard von Paumgartten und Bernhard Großrucker bestellt. 21) RP 1764,452. 7

fjayberger war es nicht möglich irdische Reichtümer zu sammeln. Die materielle Entschädigung für seine Tätigkeit in der Stadtverwaltung, die den größten Teil seiner Arbeitszeit beanspruchte, war gering. Es ist daher verständlich, daß z. B. in der Ratsversammlung vom Juli |760 sich beide Amtsvorsteher der Stadt, kayberger als Bürgermeister und Stadtrichter Angerholzer, zu der Anfrage veranlaßt sahen, ob sie nicht auch, wie die anderen Mitglieder des Ratskollegiums, ein Weindeputat erhalten könnten, oder ob eine „erprehse poche Verordnung" dies verbiete. Sie glaubten aus diese Zuwendung seitens der Stadt ebenfalls Anspruch zu haben,da die „Salaria refpectu anderer Stätten so Klein (ihre Gehalte, im vergleiche zu denen, die andere Städte ihren Vorstehern zahlten, niedrig feiert)".22) So ist auch zu erklären, wenn irrt Jahre 1704 irrt Rathaus festgeftellt werden mußte, daß „es mit dem godthardt paybergerischen vertnögett zu einer 0 h n- vermeidentlichen crida komme.. ,23 24 25 * 27 ) Im Nachlaß fanden sich nur 740 Gulden Bargeld, denen höhere Passivposten gegcnüberstanden.2^) Der Magistrat setzte eine Gläubiger-Tagsatzung bei Strafe des Anspruchverlustes für den 9. Juli J764 fest. Bis zu diesem Tage, der dann auch als der Zeitpunkt bestimmt wurde, an dem das paybergerische fjab und Gut versteigert wurde, beließ der Magistrat der Witwe noch die „Stadtarbeit".23) Die aus der Konkursmasse eingehenden Beträge wurden beim Erpeditor des Magistrates verwahrt. Zwei Jahre nach dem Tode des Bürgermeisters sah sich jener genötigt, dem Rate zur Kenntnis zu bringen, daß er lausend wegen Bezahlung der Begräbniskosten gemahnt werde. Mit Einverständnis des Rates gedenke er diese und die Steuerrückstände aus den Geldern der Konkursmasse zu begleichen. Der Magistrat hatte keine Bedenken diese Schulden abtragen zu lassen, „doch wenn die Kreditsparteien in die Ausgabe des großen Geläutes beim Kondukt nicht einwilligen" würden, sollte dieses von der Witwe, der wiederverehelichten Frau pueberin, bezahlt werden.23) payberger trat das Bürgermeisteramt in der Zeit an, da der Siebenjährige Krieg zwischeit Österreich und Polen wütete. (Obwohl sich der Kriegsschauplatz aus an« dere Länder erstreckte, blieben doch auch im Lande ob der Enns Vpser nicht erspart. Die Kriege, die Kaiserin Maria Theresia zur Behauptung und mitunter Wiedererl angung ihrer ererbten Rechte und Besitzungen führte, bildeten durch Dezimierung der männlichen Bevölkerung und durch große Ausgaben (Kriegsbeisteuer u. a.) die Schattenseiten jener Tage. Ju Beginn des Jahres J758 erhielt payberger als damals amtierender k. k. Stadtrichter, den Auftrag, „ohne regard (Ansehen) einer Person", für den Soldatendienst Taugliche auszubringen, da die Stadtväter der Ansicht waren, daß bei Nichtbefolgung dieses Befehles „sogar die (Obrigkeiten in gröster gesahr stehen mit der gelb und Leibstrass angegangen zu werden."22) Die Lösung dieser Schwierigkeit war daher Gegenstand einer Ratssitzung, als der Bürgermeister im November desselben Jahres berichten konnte, daß es ihm gelungen sei, gegen Verabreichung eines Pandgeldes von 6 Dukaten einen freiwilligen Rekruten stellig zu 22) RP 1760,177. 23) RP 1764,300. 24) RP 1764,171. 25) RP 1764,205. 2‘) RP 1765,80. 27) RP 1759,3,268, RP 1760,6,428. 8

machen.23). Ein Bürger, namens Höß, war von sich aus bereit, der Stadt für diesen Rekruten 70 (Bulben zu geben, was die Räte sehr begrüßten. Um die Ausbringung der Rekruten auf jeden Fall zu sichern, wurde Hayberger in folgenden und auch in späteren Jahren zum „Rekrutierungskommissar" ernannt.2 * * * 9) Die häufig durchziehenden Truppen bereiteten viele Ungelegenheiten, da für sie Brot bereitgestellt werden mußte, das „jedoch nicht in vollem Wert bezahlt" wurde. Der Magistrat beantragte daher bei der Repräsentation und Kammer und bei der Ständischen Verwaltung in Linz, nach Steyr Mehl zu schicken oder einen Vertragsbäcker („entrepreneur") die Brotlieserung zu übergeben, damit die Stadt „nicht den Schaden tragen" müsse, ©ft übernachteten auch Einheiten in der Stadt, für die Schlafgelegenheiten vorzubereiten roaren,30 *) ebenso war für deren Pferde Futter beizubringen. Sehr häufig geschah es, daß umständliche und langwierige Vorbereitungen getroffen werden mußten, die sich im nachhinein als überflüssig herausstellten, da man sie nicht beanspruchte. So hatte z. B., eine durch die Landeshauptmannschaft angekündigte Einquartierung bayrischer Soldaten nicht stattgesunden, aber in der Stadtkaserne viel Mühe verursacht. Die Gastwirte der Stadt wurden aufgefordert, Strohsäcke, Matratzen, Bettücher oder „Leilacher" zur Verfügung zu stellen. Als in der damals kleinen Stadt, 145 Betten aufgestellt waren, erhielt der Magistrat die Verständigung, daß die Truppe doch nicht nach Steyr käme und es mußte alles rückgängig gemacht werden. Für die in Böhmen operierende östereichische Armee hatte die Stadt Gespanne für den Lebensmitteltransport zur Verfügung zu stellen. So wurden im August f758 50 vierspännige Wagen zur Proviantzuführung für die k. k. Truppen in Böhmen verlangt?') Im Plautzenhof (Annaberg q) mußten kranke Soldaten untergebracht werden.32) „Da bei diesen Kriegszeiten, um Gott zu versöhnen, Gebete notwendig sind und nicht Lustbarkeiten zu gestatten, wodurch sich sündhafte Gelegenheiten ereignen könnten", ließen die Stadtväter eine in der Stadt anwesende Schauspielertruppe ausweisen.33 34) Auch die Taborstiege gab den Räten Anlaß zu Ärger. Da diese oft „in der spattn nacht" unoersperrt blieb, ergab sich, nach Meinung der Stadtväter, „gelegenbeit zu Sünd und Laster". Dies könnte ebenfalls den Zorn Gottes erregen und es wurde daher der Wächterin am Taborturm anbefohlen, unter Androhung der Entlastung bei Nichtbefolgung des Ratsbefehles, bei Dunkelheit die Stiegentüren zu sperren.33) über sächsische Vermittlung war am 15. Februar 1675 zwischen Österreich und Preußen der Frieden von Efubertusburg geschlossen worden. Auf Befehl der Lan- deshauptmannfchast sollte aus diesem Anlasse in der Stadt ein Hochamt gehalten werden, der Magistrat ordnete überdies an, alle in Steyr vorhandenen „schwäre Geschütz" abfeuern zu lassen. Als Festtag wurde vom Rat der v Sonntag nach 2S) RP 1759,246. 29) RP 1759,300, RP 1760,56. Alle Viertelmeister wurden vorgeladen, um mitzuteilen, wer tauglich wäre. Der Rat selbst beschloß, den Schulmeister im Aichet, falls er entspräche, als Rekruten abzustellen. (RP 1759,328,329,331). „Feuerarbeiter“ durften ohne Bewilligung des Eisenobmannes nicht eingezogen werden (RP 1760,6). 30) RP 1760,137,300,303. 3') RP 1758,381,407. 32) RP 1763.163. 33) RP1759,118. 34) RP1760,199. 9

Gstern bestimmt, der „nach der Art wie Linz feiert" begangen werden sollte. Stadtschreiber Dr. Knab wurde beauftragt, sich bei seinem Amtskollegen Dr. Greis in der Landeshauptstadt diesbezüglich zu erkundigen?-) Wieder einmal waren die Stadtkassen leer. Man sah sich daher im Jänner <759 gezwungen, ein kurzfristiges Darlehen von 5000 Gulden bei der Innerberger Gewerkschaft aufzunehmen. Trotz dieser Ebbe in den Rassen wurden weiterhin verschiedene Forderungen an die Stadt gestellt. Im landschaftlichen patent vom fi. September <760 wurde sie aufgefordert, eine mit 5 % zu verzinsende „Kriegs» beysteuer" von 6250 Gulden bis Ende des Jahres zu erlegen. Außerdem schrieb die Landschaft vor, daß Abgabenrückstände in der Höhe von 2000 Gulden innerhalb von acht Tagen eingezahlt werden sollten. Auch hier mußte wiederum bei der Gewerkschaft Geld geliehen werden?^) Sehr häufig wird in dieser Zeit über den hohen preis des Holzes geklagt, dessen Ausbringung immer schwieriger wurde, da es, zu Holzkohle verarbeitet, der Eisenbearbeitung diente und die Wälder der nähergelegenen Gebiete schon stark gelichtet waren. Die Stadtverwaltung sah sich daher veranlaßt, „zu abwendung der Holztheuerung" in den Häusern und Stadeln der Stadt, vorzüglich aber bei den Bräuern und Färbern, die Holzvorräte durch städtische polizeikommissare erheben zu lassen. Wäre bei den Parteien in entsprechender Menge Holz vorhanden, sollte ihnen im Namen des Magistrates ein weiterer Ankauf verboten und eine Abfuhr zu Wasser oder Land aus dem Bereiche der Jurisdiktion der Stadt untersagt werden??: Ilm dem Holzmangel abzuhelsen, verordnete der Eisenobmann einige Jahre später, daß alle Handwerker, die bei ihrem Arbeitsprozesse Holzkohle brauchten, dieser ein Drittel Steinkohle beimengen müßten. Diese Anordnung erregte den Widerspruch aller „Feuerarbeiter" der Stadt. Sie erschienen vollzählig beim Magistrat und klagten hier „wehmütig", mit dieser Kohlenmischung nicht arbeiten zu können, viele von ihnen seien „von diesen üblen Geruch (der Steinkohle) schon er- krancket", auch ihre Gesellen wollten nicht mit ihr arbeiten. Einige Handwerker führten neben dieser Beschwerde über den Gestank an, daß durch die Verwendung des Gemisches das „Zeug" (bearbeitete Eisen) zu mürbe werde und außerdem auch zu rasch die Hitze verliere, so daß man ein Arbeitsstück öfters erhitzen müsse und dadurch weniger unfertigen könne. Manchmal wieder entstehe eine zu jähe Hitze, die sich ebenfalls ungünstig auf das Material auswirke. Da sie alle fürchteten, durch die Vermengung der Holzkohle mit Steinkohle „an den Bettelstab geraten zu müssen", baten sie um Hilfe. Der Rat verschloß sich dem in bewegten Worten vorgebrachten Ansuchen nicht und bestimmte eine Kommission, der neben dem Stadtschreiber, dem Stadtrichter und einem Mitgliede des Inneren Rates auch einige Handwerker anzugehören hatten. Diese sollten dann beim Eisenobmann die Aufhebung der ergangenen Verfügung erwirken. Im Gefolge von Kriegen stellten sich damals fast immer Seuchen und Krankheiten ein. So brach in Steyr <765 eine Ruhrepidemie aus, von der „viele Menschen hinweggerissen" wurden. Da die Ruhr meist „arme Leute ansalle und diese kein35 * 37 35) RP 1763,76. — Österreich mußte Preußen den Besitz Schlesiens bestätigen und die besetzte Grafschaft Glatz räumen. König Friedrich von Preußen versprach auch der Wahl des Kronorinzen Joseph, des ältesten Sohnes Maria Theresias, zum Kaiser zuzustimmen. 3Ö) RP 1759,300 ; RP 1760,343,428. 37) RP 1762,228. 10

Geld haben die Medikamente oder den Arzt zu bezahlen und daher weiter um sich greift", beschloß der Rat, die Behandlungskosten aus städtischen Mitteln zu tragen. Ebenso ließ man, „zu Abwendung dieses Übels", einige Messen lesen, da ein solches „Unheyll dz gemeinschaftliche Messen und bedürfstigkeit in eine sxörung bringen möchte". Es bestand also die Gefahr, daß es zu fallweisem Schließen von Geschäften und Merkstätten, somit zu einer Störung des Erwerbs- und Mirt- schaftslebens käme. Der „physicus Ordinarius" Dr. Streb zeigte dem Magistrat an, daß man in der Stadt auch Kranke „wider die Ordnung" behandelte. Deshalb sah sich der Magistrat veranlaßt, den Badern und ihren Gesellen „in kritischen Fällen" die Ausgabe und Verschreibung von Medizinen zu verbieten und den „Klein Bader Gesellen", unter Androhung des Personalarrestes, gänzlich zu untersagen. Der Eigentümerin des „Klein-Bades", wurde außerdem vorgeschrieben, binnen sechs Wochen einen dem Magistrate genehmen tüchtigen Gesellen anzustellen. Sollte sie diesem Befehle nicht Nachkommen, würde nach Ablauf der erwähnten Frist, von Amts wegen ein Verkaufszettel „auf Paris und Gerechtigkeit" angebracht werden. Das Mitglied des Inneren Rates und bürgerliche Apotheker Wilhelm Kintz legte im November *765 eine Rechnung über 21 * Gulden 55 Kreuzer für unentgeltlich abgegebene Medikamente vor, doch erklärten feine Ratskollegen, ihm nur 200 Gulden bezahlen zu wollen. Dem Stadtphyfikus Dr. Streb wurden für feine „angewandte mühe" bei Bekämpfung der Seuche drei kaiserliche Dukaten gegeben.38) Pestige Regengüsse im August 17(> \ ließen Enns und Steyr über die Ufer treten. Die Maffermasfen rissen am *g. desselben Monates die drei Stadtbrücken weg und verursachten Schäden an Gebäuden.^) Die Verbindung mit dem Lnnsdorfe wurde bis zur Reparatur der Brücken mit Zillen aufrecht erhalten. Der Baumeister Das Schaffen paybergers als Baumeister fällt in einen Zeitabschnitt, in dem Steyr eine zweite Blüte des Bürgerhausbaues erlebte mtb die „um die Mitte des 18. Iahrhundertcs ihren Pöhepunkt erreichte."43) Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges setzte sich im deutschen Kulturbereich der Barockstil durch. Im süddeutschen Raum, besonders in Österreich, drückte sich die überquellende Lebensfreude nach den Siegen über die Tiirken und die damit verbundene religiöse Erneuerung im Barock, in Form und Farbe, recht sinnfällig aus.41) Ls wurden in dieser Epoche weniger Neubauten geschaffen, sondern bestehende Fassaden mit verschwenderischer Fülle neu gestaltet. Neben dem Rokoko, das um das Jahr 1750 einsetzte, blieb auch die spätbarocke Bauart erhalten.43) Die Meister dieses Baustils waren sehr schöpferisch, selten ähneln bestimmte Motive an den Fassaden oder waren gar gleich. Dies macht ein sicheres Erkennen der von einem bestimmten Baumeister durchgesührten Bauten sehr schwierig oder fast undurchführbar. Daher ist ein genaues Bestimmen aller von payberger durchgesührten Bauten kaum mög3S) RP 1763,256,262,296,364. ®) LV 14,345. «) LV 3,206. M LV 12,14. 22) LV 3,206. u

lich. Bei ihm ist man versucht anzunehmen, daß nur gewisse immer wiederkehrende kleine Details an verschiedenen Häusern seine Arbeit verraten. Im Archiv der Stadt Steyr sehlen die Stadtrechnungsbücher dieser Jahre, die wertvolle Ausschlüsse hätten geben können; die Bauarten dieser Zeit wurden nach dem ersten Weltkriege vernichtet.^) In der modernen Literatur wird hayberger, nach Joseph Emanuel Fischer von Erlach, als bedeutender Vertreter der klassizistischen Richtung in der theresianischen Epoche bezeichnet. 2tls „Vollender von St. Florian und Erbauer der Bibliothek von Admont" wird er besonders genannt. Das (öfter- rsich-Lerikon stellt fest, daß die von hayberger geplanten Bauten „mit kontrastreicher Dekoration den Übergangsstil oom hoch- zum Spätbarock (Rokoko)" bilden.") Die Baumeister dieser Richtung sind darauf bedacht, durch färben- und sinnenfrohe Malerei und ausgewogene Plastik die überlegene Rolle des architektonischen Elementes besonders hervorzuheben. Es bleibt jedoch nicht erst der Nachwelt Vorbehalten, das Können haybergers, den man mit Recht den bedeutendsten Baukünstler seiner Zeit nennt, in das richtige Licht zu setzen. Auch die Zeitgenossen und Berufsfreunde wußten um die Bedeutung des Genannten. In der im Städtischen heimathause verwahrten Innungslade des Steinmetz- und Maurerhandwerkes befindet sich ein reich geschmückter gedruckter Glückwunsch, der anläßlich eines Namenstages für den „tvohl-Ldlen-vesten und Kunstreichen Herrn Herrn Johann Gotthard hayberger" verfaßt wurde. In diesem heißt es u. a. : „ .. . (Er ist der Meister der allhier Der Kunst sehr hoch beflissen, Der Sie ausschmückt mit bsondrer Zier Wie j e d e r m a n n thut wissen : Der Sie emporbringt, und stets mehr Thut meisterlich aufputzen, Ihme zur Ehr, andern zur Lehr, Zum Flor des gmeinen Nutzen..." In dieser bausreudigen Zeit beschloß Abt Antonius II. von Mainersburg das Stift Admont neu erstehen zu lassen, hayberger wurde beauftragt, einen Gesamtplan zu entwerfen, dieser kam aber wegen seiner gewaltigen Größe nicht zur Ausführung. Nach ihm wäre Admont räumlich eines der größten Stifte des deutschen Sprachraumes geworden. Wie der Stiftsbibliothekar p. Jakob Wichner berichtete, sollte das Stift nach dem Entwürfe haybergers ein Rechteck bilden, dessen Längsseiten $90 Klafter (360,54 m) und die Breitseiten 98 Klafter (185,86 m) betragen sollten. Der Bau hätte vier Stockwerke und in der Vorderfront zwei pavillons mit je fünf Stockwerken erhalten, von den in Aussicht genommenen sechs Höfen des Baues war ein Hof zur Aufnahme der Stiftskirche bestimmt. Diese sollte ihren platz etwas zurückgesetzt in der hauptfront findend) Die Errichtung eines so riesigen Bauwerkes überstieg die Finanzkraft des Stiftes. Zudem hätten auch einige Häuser des ©rtes Admont aufgekauft und abgetragen werden müssen, um platz zu schassen. Nach einem „modifizierten" plane wurde43 * 45 43) Lt. Mitteilung des H. Archivars Amtsrat Koller. ") LV 27. 45) LV 20. 12

um (734 mit item Bau und Umbau unter Leitung ßaybergers begonnen. i£s entstand nun, unter Einbeziehung älterer Gebäude, das neue Stift ; im ©fiteil wurde die neue Bibliothek errichtet. Der Abt wollte diese mit Darstellungen aus der ^eiligen Schrift geschmückt wissen und dachte dabei „die Königin von Saba in der selben vorzustellen". Zu diesem Zwecke beauftragte er Efayberger schon anfangs Feber >747 mit dem Linzer Freskomaler Bartolomeo Altomonte das Einvernehmen zu pflegen. Dieser war der Ansicht, daß man bei dem gewünschten Thema auch einen Palast darstellen müsse und man bei Gemälden, „alroo sich ©ebey befinden... über die pehe zu mallen . . . meiden solle, den Gebey in Eifften vors erste wider die Natur, vors andere dem Aug kein Contento geben kan. . ,"46) Die Bibliothek, in ihren Ausmaßen kaum der Nationalbibliothek in Wien nachstehend, stellt eine Spitzenleistung der österreichischen Barockarchitektur dar. Sie wird vielfach als eine der schönsten ihrer Art in der Welt bezeichnet. Kayberger hat zwar mt ihr nicht neue Raumformen geplant, wohl aber verstand er es meisterhaft, mit den bestehenden eine vollendete Wirkung zu erzielen. Namhafte Kenner bezeichnen die Bibliothek als eine „Verklärung des Schaffens der großen Meister, denn in ihre dekorativ orientierte farbige und plastische Gesamterscheinung geht das Werk Prandtauers und gehen Züge der Architektur bfildebrands und Fischer von Erlachs ein."47 48 49 ) Als im April (865 im ©rte Admont eine verheerende Feuersbrunst ausbrach und auch aus das Stift Übergriff, blieb die Bibliothek als Zeuge der Pracht des Admonter Barock erhalten. Deckengewölbe und Netzgitter vor den Fenstern hatten sie vor dem Feuersturm bewahrt. Dr. Dr. Adalbert Krause ©.5.3. berichtet, daß man dem Bibliotheksbau im (8. Jahrhundert nachstehenden lateinischen Spruch widmete: „Iactarunt oeteres feptem miracula murtbi, oetavo noftra est, Bibliotcheea loco. Zu deutsch: Die Alten zählten sieben Weltwunder, das achte ist die Admonter Stiftsbibiiotlyef’".4S)> Erwähnt sei, daß nach dem Tode £)aybergers der Steyrer Maurermeister Johann Wolfgang Efucber die Bauaufsicht übernahm. Ein weiteres Denkmal der Baukunst Efaybergcrs ist uns mit dem im Jahre 1754 erbauten Pfarrhofe in Mölln erhalten geblieben. Nach Ansicht von Kennern bildet er heute den künstlerischen Mittelpunkt dieses ©rtes. Der zweigefchoßige Bau hat ein Mansardendach. Seine Vorderseite ist mit flachen Doppelpilastern und Stuckverzierungen ausgoftattte. „Kühnheit und Geschmack in einer selten anzu- treffenben Synthese"47) zeichnen das Bauwerk aus. Josef Mungenast, dem das Benediktinerstift Altenburg feine jetzige prachtvolle Form verdankt, begann (7(9 den Neubau des Stiftgebäubes Seitenstetten nach eigenen Plänen. Nach feinem Tode im Jahre (744 übernahm Gotthard fgayberger 46) Brief Bartolomeo Altomontes an den Abt von Admont (im Stiftsarchiv Wilhering). — LV 23,81. 47) LV 25,19. 48) LV 10. 49) LV 26,143. Io

Ullfrjchtiger MÜL-Wunsch/ Din? Wohl-Wc«, besten und Kunstreichen WARN, iilll lohannGoiihard Des fSnnera Raths, und wohl geordneter Ober« Stadt- Lammercr,^ rvik auch Bürgerlicher Baumeister / in der fat)f.Sv6mal. LandesFürstlichen Stadt Steyer. rv-llrGin ergebener Freund/ mit nachstehenden Zeilen Keinen Mchgcchrtcn Sierra Hottern Crgrbnest beehren. ... {»*•**»•«»**«■******#*•***•*«**•*•****#*##»»#****»**#«#*»0*^5 '' i lUAAutnrlster wegen Ihrer Kunst, iO Be» allen stynd in Ehren» Ö#' Sie finden über allen @un|l, . gumabl bes grossen Herren ; h Ihr Wlssenschnff! dal gross- Macht» < S>e lhut dl! Well ja zieren, 1 Sie Uhrl, Sir leig!, mit roaä bot Gstalt ! Man muß Paläste zieren. ) Dann d>e der Kunst stond zugethan, < Seynd Männer fast roie Eitler, Und unter diesen zedlet man i Besonder- auch Herrn Vötter. / kr ist der Meister der aühier, ^^»VmlVndrer Ziest | Wir jedermann thut wissen t (Drr Sie rmpor bringt, und stets mehr * Th»! meisterlich aufputzen» ihm- zur Ehr, andrrn zur Lehr» ^ Ais Glück und Hepl beschehren. '£■ Zn vollen Licht, vollkomniner Flamm» 'i In vollen Schein, und Fackel, E> Soll giänhen Seine Edr- undNam, eS-0 Beständig ohne Mackel. S, Ja Seine wohl herbdmie Kunst, M Sein Hauß lhul reichlich nähren, M> Und diese soll auch ohne Dunst, /g. An Künsten sich stets mehren. ™ Mit frohen Chor ruffe empor H Darum ich fa zusammen, 6S& Er lebt viel Jahr, Esund immerdar: A Das werd so wahr, als Amen. W Nun Wille ich wie es soll seyn, tx<i Den, Mund mit Hertz verhäfften, JL Ruff ich zusamm Herr Wirers» Nam " Vivac, füll immer Lebenl Ih e r r, er iurL-hr, pglliLf" iS!i$öE::”,e" ©ol'Mrtl» Fest vvr a-.n dann, hF Zur Gesundheit Dero Frauen, BchK? iu ^rat>mir..i. ^ @ßn wolle Ihm, Lebens - Lauf Herr Gotthard ich dann ,a zusamm, j- @,funS un5 ^-r6|t bebauen. Wünsche: E« foD altj-n-n „ # Das Drill« fol zur Gsundhei, segn Herr VStterEr.y« -und Lhrvrr, Asm ^ Dero erivachsnen Jugend, Sich m der Welt ausdr-lt-n! * " ' ' - Dem grossen Gotthard machegleich O ÄLlt zu all-u Tög-n, Diesem Gotthard an Mittlrn reich Durch deinen reichen Scegen; Die leben fort gsund» fromm , und fein ^ In Jahren und an Tugend, D> D # # ©biges Gedicht wurde Ejaybcrger anläßlich eines Geburtstages gewidmet und befindet sich in der Innungslade der Steinmetzc und Maurer im Städtischen Musemn Steyr.

die Leitung des gesamten Stiftsneubaues, den er bis l?47 im Rohbau zu Ende führte. Unter ihm wurde der EDesttrakt mit dem pauptportal ausgeführt. Der Sübtrait des Stiftes mit der Bibliothek war schon (741 erbaut, da im gleichen Jahre das Deckengemälde hergestellt wurde. Doch ist es sicher, daß der Schmuck der Außenfront (Fensterumrahmungen, Pilaster und Gesimse) unter payberger vollendet wurde, paybergers Ruf als bedeutender Baukünstler muß in dieser Zeit schon sehr groß gewesen sein, da man ihn mit der Vollendung des von Mungenaft begonnenen Bauwerkes betraute.50) Das hübsche barocke posrichterhaus in Seitenstetten (heute Nr. 4) entstand ebenfalls nach einem plane paybergers, es wurde von ihm 1752 erbaut. Die Harmonie des Baues wurde durch den späteren (Einbau- eines Geschäftes im (Erdgeschoß empfindlich gestört.5P Die Baulust hatte in der zweiten pälfte des Iahrhundertes das ganze Land ob der (Enns erfaßt. Auch prälat David Fuhrmann von St. Florian wollte fein Stift nach einem einheitlichen plan in italienischem Barock aufführen lassen. Der berühmte Baumeister Jakob pranötauer wurde beauftragt, den plan zu erstellen. So kam es zum Bau, doch das Werk war zu gewaltig, um in der Regierungszeit eines propftes vollendet werden zu können. (Erst unter dem Nachfolger prälat Fuhrmanns, Johann Georg EDiesmayr, wurde die (Ostfront des Klafters, in dem die Unterbringung derBibliothek vorgesehen war, in Angriff genommen. Dem umsichtigen und sparsamen propfte erschien jedoch die volle Ausführung der prandtauerfchen (Entwürfe zu kostspielig. (Er ließ (744 mit dem Bau des Bibliothekssaales beginnen und schloß am <). Mai desselben Jahres einen Vertrag mit payberger, nach dem dieser den angefangenen Bau von Zeit zu Zeit zu inspizieren hatte. Sollte „ain oder anderer Riß (plan)" nötig fein, hätte er diesen zu machen oder auch Änderungen am pauptplan du-rchzuführen. Käme -es vor, daß der am Lau arbeitende Maurermeister „abgiertge", hätte payberger Sorge zu tragen, einen anderen wohlerfahrenen polier ausfindig zu machen. Über Wunsch des propftes verfertigte Gotthard payberger noch im gleichen Jahre einen „Riß" zu dem Gebäude. (Er vereinfachte den plan pranötauers und ließ, dem Aufträge des propftes EDiesmayr entsprechend, die (Errichtung einer Durchfahrt unter der Bibliothek, gegenüber dem paupttore, fallen. Dachgliederung und die Aussätze sind feine Ideen, die Feuermauern und deren Formung gehen ebenfalls auf payberger zurück. Somit hatte er an der Gestaltung des Bibliotheksbaues bedeutenden Etnteil genommen. Der Rohbau wurde $745 beendet.5P Für feine Tätigkeit wurde payberger eine Pauschalsumme von jährlich 50 Gulden, Kost und (Quartier für sich und seine pserde, solange er sich beim Bau in St. Florian aufhielt, zugesichert. In diesem Betrage waren auch die EEeifeun« kosten inbegriffen, payberger behob, „wegen Ansehung bei dem (Sebäu" noch >746 sein im vertrage festgesetztes ponorar von 50 Gulden. In den weiteren Baurcch- nungen des Stiftes scheint fein Name nicht mehr auf, er mußte also 1746 seine Tätigkeit in St. Florian beendet haben. 5") LV 7,76. 5') LV 2,322. 54 „Bstallungs Brief" 1744,9/5, im Stiftsarchiv St. Florian. LV 8,30 ; LV 1,151 ff. — Prandtauer hätte das Dach ebener gehalten. 1745 wurde der Dachstuhl vom Steyrer Zimmermeister Lorenz Radlgruber und seinem Polier Barthmä Pichler aufgesetzt.

Unterschrift und Siegel paybergers auf dem Pertrage mit dem Stift St. Florian (9. Mai (744). Gezeichnet nach dem (Original. Für den Umbau des Schlosses Wagrein bei Pöcklarnarkt wurden ebenfalls von payberger plane erstellt. Diese befinden sich heute im oberösterreichischen Landesarchiv verwahrt??) " In Großraming war im Jahre (707 die (Ortskirche um ein Drittel verlängert worden. Der alte Turm war nun zu niedrig geworden. <£r wurde nach einem plane paybergers, der auch die Ausführung besorgte, um fast 5 Meter (9 Schuh) erhöht und erhielt eine schöne barocke Kuppel, die in einer kunsthistorischen 21b= Handlung als ein Ergebnis volkstümlichen Barocks bezeichnet wird. Dieser Kirchturm kann heute als der schönste des Ennstales bezeichnet werden. An dem Bau wirkten auch die Steyrer Zimmermeister Lorenz Rodlmayr und „Klampfermeister" Joses Fündt mit. (739 wurde vom Steyrer Großuhrmacher peißkammer eine Turmuhr um 90 Gulden gekauft und montiert.53 4) 53) Lt. Mitteilung des Herrn Landesarchivdirektors Hofrat Dr. Sturmberger. 54) LV 13. 16

(755 wurde Gotthard hayberger vom Vberpfleger zu Küppach, Johann Mar Mayrhofer, eingeladen, den baufälligen Kirchturm des Gotteshauses in £?of= kirchen an der Trattnach zu besichtigen und einen „zuverlässigen" Kostenvoranschlag für den Neubau desselben zu machen. hayberger zeichnete einen plan und verfaßte eine „Specification der Uncosten" von rund 2429 Gulden. Da von Linz bereits die Genehmigung des Baues erteilt worden war, teilte hayberger dem Pfarrer Josef Jakob Lengauer von hoskirchen mit, daß es ihm nach der am 26. Juni (755 in Steyr stattfindenden Bürgermeister- und Stadtrichterwahl seine Aufwartung machen werde. Der Auftrag wurde an hayberger vergeben, der den Bau >754 fertigstellte.55 56) Bauten in Steyr Lin furchtbares Großfeuer hatte am 29. August (727 ungeheuren Schaden in der Stadt angerichtet. „. . . das ganze Lnnsdorf, die Hälfte der Stadt, das Schloß, das Frauenkloster mit mehreren Häusern am Berg und die (Ortschaft Vogelfang, sowie die untere Lnnsbrück und Steyrbrück brannten ab, . .." berichtete der Magi f. ratsrat und Justiziär Ignatz Schroff über diese Katastrophe. Line weitere Feuersbrunst vernichtete am 9. Mai (749 am Wieserfeld und in der Bruderhausgaste 55 Häuser und das Bruderhaus mit der Kirche.55) Nach diesen Bränden wurde den Betroffenen, die ihre Häuser wieder aufbauten, eine Anzahl von Steuerfreijahren gewährt. Sicher war hayberger am Wiederaufbau der abgebrannten Stadtviertel beteiligt. Die erst nach dem ersten Weltkrieg eingestampften Baualten dieser Jett könnten uns darüber berichten. Leider sind auch die Stadtrechnungsbücher nicht mehr vorhanden, die ebenfalls wertvolle Aufschlüsse gegeben hätten. Ls können daher die nachstehend angeführten von hayberger in der Stadt errichteten Gebäude keinen Anspruch aus Vollständigkeit erheben. Zu den vielen wegen ihrer architektonischen Schönheit bemerkenswerten Gebäuden Steyrs zählt auch das im volksmund „Siebenstern-Haus" genannte Gebäude Stadtplatz 50. Das im Steuerbuch des Jahres (695 als „ohne Aigenthomber (Eigentümer)" bezeichnete Haus gotischen Baustiles wurde anr 4. August (695 vom Magistrate dem Stifte Kremsmllnster um den Betrag von (200 Gulden verkauft. hayberger erwarb es vom Stift und gestaltete das Gebäude in den Jahren (754 bis (757 um. Er setzte dem Hause eine sechsachsige barocke Scheinsassade auf, die er nach oben horizontal abschloß. Um die scharfe Kontur des langen Abschlusses abzuschwächen, wurden als Schmuck sieben steinerne achtzackige Sterne mit dem Zeichen der Planeten angebracht. Bis zum Ausbau des Dachgeschoßes im Jahre (052 deckte die Scheinfassade auch seitwärts die Giebel ab.57) Im Jahre (755 ersuchte hayberger den Magistrat ihm die Brandstatt des Messerers Johann Lnglachner (Lngellahner, Engelachner) zu überlassen. Ls handelte sich hier um die Brandruine des Hauses, das der Genannte vom Schermesserer Matthäus Jägerhuber erworben hatte. Er baute dieses Haus auf, doch ist die Schauseite heute modernisiert und zeigt nichts mehr vom alten Schmuck (jetzt Sierninger Straße ss).58) 55) Specifikation über das höchst Nothwendige Thurn gebäu zu HofKürchen, von Gotthard Hayberger. Actum Stadt Steyr 15. Febr. 1753. (Akten im Pfarrarchiv Hofkirchen). 56) LV 18. 57) Stift Kremsmünster, Kammerrechnung Nr. 2590. LV 11,63 ; RP 1738,173,268. Steuerbuch 1738. 58) RP 1753,133 ; LV 4,32. \7

Der Magistrat ratifizierte am 6. Juli >754 den verkauf eines Hauses, das Hayberger dem Martin Dopf, papierergefellen aus Kempten im Allgäu, übereignet hatte. Am 7. September desselben Jahres verkaufte er das von ihm auf dem Grund des plauzenhofstadels erbaute Haus dem Feilschmiedschlager Andre Kaz- berger aus Neustist?^) Jakob Maurer, Zimmermann und Stöckelschneider, kaufte $750 vom Tischlermeister Michael Fridl eine Brandstatt am (Ölberg (heute Schulstiege i). Sicher hat Hayberger dieses ganz einfache Haus neu gebaut, denn er bat (757 um Freigabe des bei der Stadtkasse deponierten Hauskaufschillings von 238 Gulden so Kreuzer?") Das Mitglied des Äußeren Rates Johann Michael Menhart, Stadtmaurer und Gewerkschaftskassier schenkte Hayberger 1731 einen Gartengrund in der Schönau, wo Hayberger einen Stadel erbauen wollte. Zwei Jahre später überließ ihm die Stadt einen nicht näher bezeichneten Stadel und Grund in der Schönau um 65 Gulden. Hier erbaute er ein „Stöckl", das samt dem von ihm angelegten Garten, nach seinem Tode, 1765, vom Gberkanzlisten Ignaz Stadler erworben wurde, (heute Schifsmeistergasse n)61) (738 erbot sich Hayberger, die Brandruine des Benefiziatenhauses in der Berggasse wieder aufzubauen, wenn ihm der Magistrat, als Eigentümer, diese unentgeltlich überließe. Stadtschreiber Dr. Knab war der Ansicht, man müsse, ehe man diese Übereignung durchführe, den früheren Stadtpfarrer p. Eberth konsultieren. Das Antwortschreiben des Genannten ist nicht mehr erhalten. Der Baustil, wie er sich heute darbietet, läßt jedoch schließen, daß auch dieser schöne dreigliedrige Barockbau, der ein Mansardendach trägt (heute Berggasse 26), von Hayberger errichtet rourbe.62) Als Werk des vorgenannten kann auch das schöne Haus Haratzmüllerstraße 4 angesehen werden. Ähnlichkeit des Dekors und sich wiederholende Elemente sind unverkennbar. Über den Fenstern im Giebelfeld befindet sich ein von barockem Rankenwerk umgebenes Rautenmuster, das Hayberger auch anderweitig verwendete?2) Noch bei manchem Gebäude der Altstadt, wie zum Beispiel dem schönsten profanen Barockbau des Stadtplatzes, dem Haufe Nr. (2, ist man geneigt, den Umbau der Hausfront Hayberger zuzuschreiben, doch können hiesür leider keine Unterlagen beigebracht werden. Aber nicht nur im Stadtkern ist man versucht, an mancher prächtigen Hausfront die Arbeit des heimischen Baukünstlers zu bewundern, obzwar hiesür nicht die geringsten archivalischen Bestätigungen aufzuspllren sind. Im Ratsprotokoll vom 24. März (746 wird festgehalten, daß Hayberger dem Magistrate einen plan zur Reparatur und Barockisierung des schadhaft gewordenen Stadtpfarrturmes und dazu einen Kostenvoranschlag über 5044 Gulden (0 Kreuzer vorgelegt hatte. Wegen Geldmangels schritt man erst (756 an den Bau. Der Turm wurde erhöht, das schadhafte Mauerwerk abgetragen und das Dach neu herge- »} RP 1754,210. «) RP 1730,192 ; RP 1737,171. 6I) RP 1731,269 ; RP 1765,188. «) RP 1738,148,175,199. 63) Mitteilung des Herrn Oberbaurates Dipl.-Ing. Otto Ehler. 18

Nach einem Aquarell von Iosepl

richtet. (Ein schöner barocker Eselin schmückte von nun an den Turm. Am (S* April (757 wurde das Turmkreuz ausgesetzt und in Dem Knopf desselben eine Urkunde hinterlegt, in der payberger als Erbauer genannt roirD.64) Ter Steyrer Bürger Bernhard Großrucker stiftete (75g zu Ehren der heilige» Anna eine Kapelle beim plauzenhof, deren plan payberger entroarf.65) Planung und Umbau des Rathauses in Steyr Im laufe der Zeit waren am alten Rathaus Gebäudeschäden ausgetreten, die immer nur notdürftig behoben werden konnten, da es der Stadtverwaltung an Geld fehlte. (7 20 war es so weit, daß die polzkonstrukticm des Rathausturmes baufällig wurde, (LM drohte auch der Dachstuhl seinen Dienst aufzusagenAH Das Ratskollegium nmjte sich nun ernsthaft mit dieser Angelegenheit beschäftigen, da der bauliche Zustand des Gebäudes schon bedrohlich war. Die Aufgabe, bei den gegebenen Möglichkeiten, ein repräsentatives Gebäude in= mitten der reichgezierten päufer des Stadtplatzes zu entwerfen, erforderte großes Können und Einfühlungsvermögen. Am 26. November (757 legte der damalige kaiserlich-königliche Stadtrichtcr und bürgerliche Stadtbaumeister payberger seinen Ratskollegen einen „g r u n d r i s, auf was arth das Rathhaus erbauet werden fönte", vor. Der plan fand einstimmige Billigung, doch wurde payberger ersucht, auch einen Kostenvoranschlag beizubringen. Nach dessen Vorlage sollte sich eine noch zu bildende Kommission „zusammensitzen und das weitere vorkheren"AI Jur damaligen Sprachgebrauch wurde der Ausdruck „Grundriß" für das planliche Gefamtkonzept, also die Grundrißsorm, angewendet, während unter „Riß" die Anfertigung von Detailzeichnungen oder Grundrißteilen verstanden wurde.^) Dieser Erkenntnis zufolge stammt das Gesamtkonzept des Umbaues von pav= berger, da die bezügliche Eintragung im Ratsprotokoll des Jahres (757 ausdrücklich vom „grundris" spricht, den der Genannte im Rate unterbreitete. In weiterer Folge werden nur mehr „Risse" erwähnt, die von pueber vorgelegt wurden. Dieser besorgte demnach die Ausführung. Mit voller Berechtigung kann angenommen werden, daß sich der vielbeschäftigte, durch seine zahlreichen öffentlichen Lhrenstelleu und Ämter sehr in Anspruch genommene Stadtbaumeister payberger zur Ausarbeitung des Kostenvoranschlages, der Einteilung der Innenräume und für andere Details, Ergänzungen des Bau- plaites betreffend, einer piffe bediente, die er in dem aus Sierning stammenden Maurermeister Johann Wolfgang pueber fand. Der Beginn des geplanten umfassenden Umbaues verzögerte sich mangels der erforderlichen Mittel. Die Stadt hatte noch im Jahre (7g6 allein einen Rückstand an Steuer- und Gefällsfchulden von mehr als 57.000 Gulden. Auch (759 mußte sie wieder Geld borgen. Der Siebenjährige Krieg f (75:6—1765), Verteidigungsmaßnahmen gegen die Bayern, die Ausweitung des lvaidhofener Eifenhandels “) RP 1746,187; RP 1751,349 ; LV 14,344. “) RP 1754,44 ; RP 1755,282. «) LV 31. ") RP 1757,428. 68) Lt. Mitteilung des Herrn Dipl.-Ing. Ehler. 21

zu Ungunsten Steyrs und andere Ereignisse hatten die Finanzkraft der Stadt sehr geschwächt. Ein gewichtiges Wort in allen Vorhaben, und im besonderen in jenen, die Geld kosteten, hatte die „Wirtschaftskommission" mitzusprechen?') Alle Beschlüsse des Rates wurden ihr zugeleitet, damit sie dann die endgültige Durchführungsanweisung erteile oder dem Rat ihre Bedenken bekanntgebe. So war ihr auch über dieses Bauvorhaben Mitteilung gemacht worden, denn am 22. Februar t763 lag dem Rate ein von ihr verfaßtes „pro memoria, die Formierung des Riß von payberger und puebcr wegen erbauung des Rath Dauses conform der Städtischen administrations mainnung" vor. Auf diese Zuschrift hin entschieden die Stadtväter, daß „nochmals der augenscheinn, mit genauer Überlegung von der löbl(ichen) würthschaffts-coon. (Wirtschaftskommission), mit beyziehung des p. Reichard von paumgarttm und Herrn petzens (Mitglieder des Inneren Rates der Stadt) zu dem endte vorgenommen werde, damit der Riß ohne weit- herer abänderung geschlossen werden fömre".69 70 71) Ls wurde also von der Wirtschaftskommission eine Stellungnahme zu den von der Stadtverwaltung gewünschten Abänderungen des ersten Bauplanes von hayberger unterbreitet, an denen auch puebcr mitwirkte. Um den Bau so zu errichten, daß er seinem Zwecke als Verwaltungsgebäude entspräche, entschied der Rat in dieser Sitzung, nochmals eine Baukommissionierung gemeinsam mit der Wirtschaftskommission vornehmen zu lassen, um dann ohne weitere Abänderungen den Baubeschluß fassen zu können. Auch diesmal kam es noch nicht zum Baubeginn. Vielleicht wurden weitere Änderungen des planes gefordert, doch läßt sich dies nicht mehr feststellen, da die Ratsprotokolle darüber nichts berichten. Erst am 15. August (764, rund fünf Monate nach dem Ableben paybergers, legte der zuständige Berichterstatter im Rate, Vberstadtkämmerer und Gastgeb Johann Mayrhofer, einen vom „pueber, Maurermeister, entworfenen Rathhauß-Riß und Überschlag (Kostenvoranschlag)" vor.7') Dieser Vermerk in den Sitzungsprotokollen könnte zu der Annahme verführen, daß die plane paybergers gänzlich außeracht gelassen wurden und der Maurermeister pueber einen neuen Bauplan entworfen hätte. Ls kann jedoch mit voller Sicherheit behauptet werden, daß zumindest die Fassade des Rathauses den Entwurf paybergers zur Grundlage hat. Ls ist auf keinen Fall anzunehmen, daß die Stadtverwaltung Einfluß auf die Fassadengestaltung nahm. Den Stadtvätern dürfte vielmehr nur eine entsprechende Raumgestaltung und Raumaufteilung wichtig erschienen sein, die, wie schon erwähnt, von pueber im Sinne der geäußerten Wünsche des Magistrates ausgeführt wurde. Weiters sei hervorgehoben, daß payberger als bedeutender Baumeister nicht nur weit über den örtlichen Bereich hinaus bekannt war, sondern auch mit bedeutenden Künstlern dieser Epoche, wie Bartolomeo Altomonte, in Verbindung stand, während wir Johann wolfgang £7ueher nur in Zusammenhang mit dem Rathausbau, als Bauaufsichtsorgan in Admont und beim Bau der Michaelerkirche erwähnt finden. Ausschlaggebend für die Betrauung puebevs mit der Bauleitung beim Umbau 69) Ende 1750 erhielt der Bürgermeister und der Magistrat ein Dekret von der Landeshauptmannschaft wegen des „künftig einzurichtenden Wirtschafts-Collegy.“ Diesem waren die „Juraments- formel und Instruktion“ angeschlossen. Die Wirtschaftskommission hatte jeden Monat ein Protokoll anzufertigen, dem ein Verzeichnis der Ausgaben des Magistrates beigefügt war. Beides wurde dem Magistrat zur Stellungnahme vorgelegt. Wurden keine berechtigten Einwände vorgebracht, übersandte die Stadtverwaltung Protokoll und Ausgabenverzeichnis der Landeshauptmannschaft (RP 1750,272 ; RP 1764,248). 70) RP 1763,44. 71) RP 1764,305 ; LV 31 : An die Landesregierung wurde am 28. August der Plan mit dem Kostenvoranschlag eingesandt und um die Erlaubnis zum Umbau des Rathauses gebeten. Diese wurde im September erteilt. 22

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