Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 28, Dezember 1967

erlitt der Besuch einen Aufschub. Joseph war schon im Vorjahre zum „römischen" Könige erwählt worden; er nahm nunmehr den Kaisertitel an und wurde von seiner Mutter zum Mitregenten bestimmt. Im Februar *766 wurde der Magistrat von der Landeshauptmannschaft verständigt, daß bei einem Besuche des nunmehrigen Kaisers Joseph II., bei Androhung „der größten Ungnaö" int Nichtbesol- gungssalle, teinerlei Aufwendungen durch die Stadt gemacht werden dürsten?») Solche Besuche des Kaisers sollten als Reisen „al incognito" betrachtet werden. Erst ,77, kam es endlich zum Besuche. Aus diesem Anlasse hatte der städtische Kanzlist Stadler einige „Lhronograsica" zu Ehren Joseph II. versaßt und diesem überreicht. Ejiefür wurde Stadler mit zwei Dukaten vom Magistrate belohnt?») Die sür den Besuch in, Jahre *765 vorgesehenen Laternen wurden an Häusern angebracht, „da man sie auch bei einer Feuersgefahr gebrauchen könnte". Da auch Böller bestellt wurden, beschloß man diese durch verkauf von Alteisen aus dem Zeughause zu bezahlen. Eine stete (Quelle von Verdrießlichkeiten für den Magistrat bildete die Unterbringung des in der Stadt in Garnison liegenden Militärs. In der Stadtkaserne (heute Kreisgericht) konnte nur eine Kompanie Platz finden. Wenn also weitere Soldaten „ach Steyr kamen, mußten diese in Privatquartieren untergebracht werden. Es wurde daher bei der Landeshauptmannschaft angesucht, Militär auch bei der Bauernschaft der Umgebung unterzubringen??) Die Gsfiziere beklagten sich wiederholt beim Bürgermeister, daß den Soldaten Geld geliehen werde und diese dadurch verschuldet würden und daß die „hiesige schlechte Weibs-Persohnen" seine „teith liederlich machen". Ein Hauptmann Feichtinger ging so weit, alle Stadtbewohner als „Schlänckhln und Spitzbuben" zu bezeichnen, was den Rat veran- laßte, ein Protokoll über diese Äußerung aufnehmen zu lassen und dieses der Landeshauptmannschaft einzusenden?») Im August ,765 regnete es lange Zeit hindurch sehr heftig. Der Rat fürchtete, daß dadurch die Ernte Schaden leiden könnte und beschloß, „da sich der vorsichtige Gott um ein schöneres Wetter zu einbringung der Feruug (Fechsung) nicht erbitten lassen will", den „Lyser zu verdopplen". Es wurden die Kapuziner mit ihren Novizen ersucht, an den Gebetsstunden um Besserung des Wetters unter Vorantragung des Drdenskreuzes teilzunehmen?^) Auch im Jahre ,770 befürchtete man neuerlich wegen des ungünstige» Wetters eine schlechte Getreideernte und in der Folge eine Verteuerung der Agrarprodukte. Neben der Abhaltung von Messen, die vom Rate beschlossen wurden, ersuchte man auch den Rektor des Jesuitenordens, „zu Ausheiterung des Lufts" zu den vollen Stunden alle Glocken seiner Kirche läuten zu lassen?») In der Nacht vom 26. aus den 27. Februar *768 erfolgten zum Schrecken der Bevölkerung zwei „gewaltige Lrd-beben stöß", doch wurde glücklicherweise kein Schaden angerichtet. Da es aber geschehen hätte können, „daß deren mehrere mit grossen Schaden erfolgen möchten", ließ der Magistrat am folgenden Tage ein =5) RP 1766,25. RP 1771,349. =7) RP 1766,170,252,277 ; RP 1764,401 ; RP 1765,335. ==, RP 1766,207,277. =») RP 1765,227,266. ■“) RP 1770,108. 52

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