Jörg von Stein, der Herr und Regierer der Herrlichleit Steier

Jörg von Stein, (ler Her'r 11nd Regierer der Ber rIi ch1{ ei t St eIer. Ein Brucllstiick aus der Qeschicl,le tles La1ides ob dm· E1u1s. Von Franz Xave1· Pritz, regulirlem Chorherrn Jcs SliOes SI. Florian, k, k, Professor 2u Linz und correspondirendem l'llilgliede der kaiserlichen Academie der Wissenschaflen zu Wien. Linz, 1S54. Auf Kosten des .Museum, Francisco - Carolinum. Druck von Jos. Wimmer.

In den Zeiten der Verwirrung und inneren Unruhen, in den Tagen des Faustrechtes, wo Gewalt und Frechheit herrschten, tauchten manche 1\Jänner aus dem Dunkel auf, deren Dasein und Thaten in friedlichen Perioden spurlos würden verschwunden sein. Tapferkeit und Glück, Gewandtheit, kluge · Benützung der Umstände und Verhältnisse, selbst Anwendung schlechter l\littel hohen manche zu Ehren, hohen Stellen und zum Reich– thume empor, die sie auch öfters , zur Unterdrückung der Landleute und Unterthanen, zu Fehden gegen Adelige, ja selbst zum Ungehorsame und zur Rebellion gegen den Landesfürsten missbrauchten. Dieses war in verschiedenen Ländern, aber auch in unserem Oesterreich unter und ob d~r Enns der Fall, und vorzüglich zur Zeit Kaiser Friedrichs III. und seines Bruders ·des Erzher– zoges Albrecht VI. - Am 20. November 1457 war Ladis 1aus, Sohn des Kaisers Albrecht 11. aus dem Stamme Habsburg gestorben. Er war König von Ungarn und Böhmen und Herzog von Oesterreich gewesen; sein Tod erfolgte sehr schnell, wahrscheinlich durch Gift, im achtzehnten Jahre seines Lebens , als er eben im Begriffe stand, sich mit l\Iagdalena, einer Tochter des Königs von Frankreich, zu verehelichen. Die Ungarn wählten sich dann am 24. Jänner 1458 den 1\1 a t h i a s Hu n ya d i, Sohn des tapferen Johann Hunyadi, einstigen Statthalters; die Böhmen aber am 2. l\Iärz d. J. den Georg Po die b ra d, damaligen Statthalter, zum Könige, beide schlossen ein Bündniss miteinander. 1*

4 Um Oe s t erreich stritten sich Kaiser Friedrich III. (von Einigen auch der IV. genannt) und sein Bruder Erzherzog AI brecht VI., Söhne des Herzoges Ernst von Steiermark un<l seiner Gattin, der starken CymLurga; ferner der Herzog S_i gmund von Tyrol, ihr Vetter, Sohn Herzog Friedrichs genannt mit der leeren Tasche. Kaiser Friedrich lüitte zwar nach <lern Familien– gesetze a1s d er ~i 1t e s t e allein das Recht zur Regierung über Oesterreich gehabt, da aber dieses Gesetz schon öfters verletzt worden war, so bekümmerten sich die beiden andern wenig darum und begehrten auch ihren Antheil. Endlich nach manchen Streitigkeiten und Verhandlungen untereinander und mit den Ständen von Oesterreich wurde ausgemacht, dass Kaiser Friedrich das Land unter der Enns, Erzherzog Albrecht jenes ob der Enns besitzen und regieren sollten , diesem wurde auch eigens die Stadt und Burg Steier ·zugewiesen ; der Herzog Sigismund überliess die Regierung des ihm zufallenden dritten Theiles an Albrecht, behielt sich aber das Dritt.heil aller Einkünfte von ganz Oesterrcich vor und bestimmte, dass ihm das Einreiten in die Städte, Schlösser und Burgen freistehen sollte -1it). Er bestellte dann am 2. Juli den Rath Rudiger von Stahrem– herg zum Anwalt über diese seine Einkünfte, und wies ihm dafür 300 Pfund Pfennige jährlichen Gehalt an *-1it). - Der all– gemeine Vertrag zwischr.n K. Friedrich und Herzog Albrecht wurde am 21. August 1458 erneuert***). Aber bald entstanden Streitigkeiten zwischen beiden, welche lange genug dauerten, in offenen Kampf ausbrachen, das Unglück vieler Tausende und den Ruin des schönsten Landes verm·sachten. *) Nach Urlmnden II, Sigismunds vom 10, und 11. Mai 1458 im k. k. geheimen Archiv u11d nach einer genaueren Aufteichnung der Ausgleichung der Erbansprüche an l{. Ladislaus Verlassenschafl vom 27. Juni 1458, In Chmcl's )laterialien zur östcrr. Gescbichlc, Wien. 1837, B, 11,, Abth. I., S, 15!, CXXV. Kurz's K. Friedrich IV., B. J, 279, Beilage Nro. XVI. und XVII. **) Lichnowsky's Geschichte des Hauses Habsburg. B, Vll, CCLXX. Regest. Gi, 1458. 2. Juli, Wien. K. k. geheimes Archiv, Und Reg. 65. ***) Kurz- L. c. B. 1. s. 283, Beilage XVIII. Neustadt 21. August 1458.

5 Traurjg, ja fürchterlich war der Zustand von Oesferreich in jener Zeit, innere Kriege, Zwietracht und Kämpfe unter den Edlen, Spaltung in Parteien , Auflehnung und offene Rebellion gegen den Landesfürsten und die gesetzliche Obrigkeit waren schon an der Tagesordnung, als noch Ladislaus unter der Vor– mundschaft des K. Friedrich III. stand, nun aber nahmen sie immer mel1r zu, als die erlauchten Brüder selbst sich fe,indlich gegenüber standen. K. Friedrich war sehr vernünftig und klug, aber oft karg, langsam im Entschlusse und in der Ausführung, standhaft und fest bis zum Eigensinn, sehr muthig in den Tagen der Gefahr, aber immer zu schwach die Parteien zu bändigen, Ruhe und Eintracht im Lande zu erhalten. Daher die tollen Umtriebe in demselben, die Fehden der Ritter gegen einander, Verwüstung wechselseitiger Besitzungen, Erstürmung der Burgen, i\lord oder Plünderung der Unterthanen, Willkühr und Gewaltthätigkeit. Alles dieses wurde vermehrt durch die fremden Söldner, welche raublustig und beutesüchtig, ohne Schonung und Erbarmung waren, und von mächtigen Adeligen, Parteihäuptern , ja von den Landesfürsten selbst, in Sold ge– nommen und zu ihren Kämpfen verwendet wurden. Blieb der Sold aus, was öfters geschah, so ersetzten sie sich denselben aus der Plünderung der unglücklichen Unterthanen, welche immer das Opfer dieser Fehden wurden. Eben so zogen ent– lassene Söldlinge im Lande herum, raubend, brennend und mordend , und nur selten geschah ihnen kräftiger Einhalt, bis sie sich bisweilen untereinander selbst aufrieben. Grösstentheils wareri sie aus Böhmen oder l\Iäbren und standen unter einem Anführer, der mit seiner Bande bei Höheren in Sold trat, aber immer willkührlich handelte, bald diese Partei verliess und zu einer andern überging, wo es nun mehr Aussicht auf Sieg, Eroberung und Be!lte gab. Das damals herrschende Faustrecht unter den Adeligen und Rittern, der Ucbermuth und die Frechheit Mäch– tiger gegen ihre Fürsten gab ihnen Gelegenheit zu steten Kämpfen, oft aber auch zur Erringung grosscn Reichthumcs oder Besitzes.

6 Dergleichen Anführer gab es mehrere schon während der Vormundschaft K. Friedrichs IH. über Ladislaus, und zu den– selben gehörte der beriichtigte Jörg oder Ge o r g v o n Stein (Stain), dessen Treiben und Thaten wir nun schildern wollen. Sein Name ist deutschen Ursprunges, also wahrscheinlich auch sein Stamm, er war von einem adeligen Geschlechte, ver– muthlich aus Schwaben *), wo· auch ein Diepalt ,·on Stein spfüer im Jahre .1528 als Hauptmann des schwäbischen Bundes er– scheint**). Ein Zweig der Familie war ,jedoch nach Böhmen oder l\Iähren gekommen und aus diesem stammte jener Jörg vo n S t e ·i n ab , denn er führte Böhmen an , deren Sprache er also kennen musste, er stand unter dem Schutze des Königs von Böhmen Georg Podiebrad und dessen Sohnes Victorin, der ihm sogar später zu Hülfe kam, von Böhmen zogen ihm öfters neue Soldaten zu, und dort sammelte er selbst dergleichen , wie der Verlauf <ler Geschichte zeigen wird. Endlich ist das Original der Abtretungsurkunde seiner vermeinten Rechte und Besitzungen auf Steier u. s. w. an Ulrich von Boskowitz .vom Jahre 1470 in böhmischer Sprache ausgefertiget, von welcher Urkunde noch weitläufiger die Rede sein wird. Zuerst treffen wir denselben im Lande unter der Enns, im Dienste K. Friedrichs III. , (welcher ihn in den Herren - Stand erhoben haben soll ***), als Commandanten zu Ips. Er war ein tlüitiger, tapferer Krieger und Abentheurer, aber auch beute– lustig, diuberisch, hart und grausam. Er lebte unverehelicht, keine sanfteren Bande hielten ihn von seinen Haubzügen zurück, kein häusliches Glück milderte seinen rauhen Sinn. Schon damals· musste er sich in Fehden und Kämpfen herumgetummelt und viel Geld theils als Sold, thcils wohl auch durch Rauh und Beute gesammelt haben, weil ihm Kaiser Friedrich schon als *) Preuenhuber's Annalen von Steier. S. 372. **) Nach der Chronik des Mönrhes von St. Ulrieh zu Augsburg. In der theologischen Quarlalschrifl von Linz, Jahrgang VI., S, 225, 226. . **~) Preuenhuber S, 372.

7 Commandanten in jenem Orte 13109 ungarische Gulden schuldig geblieben war, .welche er für ihn zu jener Zeit ausgegeben hatte, wie er wenigstens später im Jahre 1470 erklärte. Wie lange er in dessen Diensten gestanden war, ist nicht bekannt, so viel ist aber gewiss, dass er spfüer, sehr wahr– scheinlich im Jahre 1458, als Erzherzog Albrecht das Land ob der Enns zu seinem Antheile erhielt, jene Dienste verliess urid zu diesem übertrat, bei dem er bald zu hohen Ehren und Würden, gelangte, indem er sein Rath und Kanzler wurde und wichtige Geschäfte leitete. Erzherzog Albrecht war ein freundlicher, gütiger l\Jann, sehr freigebig gegen seine Anhänger und Diener, aber auch unruhigen Geistes und kriegerisch gesinnt, der nie mit seinem Besitze zufrieden war, sondern immer weiter strebte und seinem Bruder dem K. Friedrich das Land· unter der Enns selbst mit Gewalt zu entreissen suchte. Dabei war er sehr verschwenderisch, kam in viele Verlegenheiten und hatte immer Geld vonnöthen. Bei einer solchen Gelegenheit wollte er nun im Jahre 1459 oder 1460? die Stadt und Burg Steier, ohne Zweifel gegün eine sehr bedeutende Summe, dem J ö r g v o n S t e i n sogar e r b l i ch übergeben. Die Bürger aber duldeten dieses nicht und widersetzten sich. Albrecht zog nun mit Truppen vor die Stadt, deren Thore jedoch verschlossen waren. Er konnte mit Gewalt nichts ausrichten, schlug nun den Weg der Güte ein, und ersuchte, sie möchten ihn mit wenigen Begleitern in die Stadt lassen , was sie auch thaten. Der Herzog sprach nun: Warum wollt ihr den Jörg von Stein nicht gehorchen und schwören? Sie sagten : Der Ehre wegen , er habe kein Recht eine Stadt oder ein Schloss auf diese ,v eise zu trennen und einem andern zu übergeben, sie leiden es daher auch nicht. Das ganze Land sei in zwei Theile getheilt, einer davon gehöre i h m und auch S t e i er und sie wollen ihm in rechtlichen Sachen gehorchen. Er bat nun , sie möchten ihn in seiner Noth (wahrscheinlich Geldnoth) nicht

8 ganz versinken und zu Grunde gehen lassen , allein sie erfüllten seinen Wunsch nicht und machten ihm zum Vorwurfe, dass er so unklug und gegen die Ehre gehandelt habe. Albrecht zog unverrichteter Sachen ab, jedoch ( so sagt der Erzähler dieser Begebenheit) ,, ·sider her bracht Herr von Stein doch die Stadt in seine Gewalt, aber nicht· er h 1i c h, sondern nur p f an dw e i s, er lieh dem He1·zoge Geld darauf« *). Diess geschah aber erst im Jahre 1463, wie die folgende Geschichte zeiget. 1460 im Juli übergab Albrecht zu Linz, auch gegen Geld, dem N:ibuchodonosor Nankenreuther, einem Anführer von Soldtruppen, Freunde · und Kampfgenossen Jörgs rnn Stein , das Schloss Seusenburg (b,~i Pettenbach) pflegweise **). Jörg selbst erscheint in ·einer Urkunde Erzherzogs Albrecht vom 5. l\Iai, zu Linz aus– gestellt, als Kanzler desselben, er wurde nämlich dem Bernhard Neidecker wegen 3000 ungarischer Gulden als Biirge gesetzt***). Damals sah es im Lande unter der Enns sehr traurig aus, Uneinigkeit und Kämpfe herrschten unter den Adeligen, Ver– sammlungen, Verschwörungen und kriegerische Zurüstungen gegen K. Friedrich fanden Statt, die Unzufriedenheit wuchs und wurde durch ungeschickte Anordnungen , neue Mauthen und Zölle, besonders aber durch die elende Münze, vom Volke die Schinder l ing c genannt, sehr befördert; Theurung, ja wirkliche Hungersnoth, riss ein, wozu auch .die Verheerungen <les Landes durch die Fehden beitrugen. Bei diesem düsteren Zustande suchte Erzherzog Albrecht ( der selbst auch zu Linz eine ähnliche Münze prägen liess und in dessen Lande es wenig besser · aussah ) im Trüben zu fischen und das Land unterhalb der Enns an sich zu bringen. *) Beheim's Buch von dtn Wienern, ein gereimlts Gedicht, herausgegcbrn von Theodor von Karajan. S. 319. Es isl in jener Zeil verfassl, aber nichl vor 1463, weil diese Verpfändung noch darin erwähnt wird. ''") Lichnow!ky's Geschichte des Hauses Habsburg. B•. VII; Reg. -107, Linz den 27. Juli. Chmel 's lllaterialien. B. II, S. 2U. k. k, g•.A. ***) Lichnowsky L, c. Reg. 515. CCCXI,

9 Er erneuerte daher am 18. Februar 1461 das schon früher am 28. December 1459 mit dem Könige von Böhmen Georg Podiebrad abgesch]ossene Schutzbündniss*), welcher sich sogar in einer eigenen Urkunde vom nämlichen Tage verpflichtete, dem Erzherzog Albrecht zum Besitze des ganzen Landes Oester– reich zu verhelfen ·H ). König Georg bevollmächtigte sogar den Erzl;erzog Albrecht, den Herzog Sigismund von Tyrol in das Biindniss mit ihm auf– zunehmen***). Albrecht betrieb aber die Sache noch kräftiger, um diesen ganz auf seine Seite zu bringen, er machte nämlich am ersten April d. J. zu Innsbruck sein Testament, welches er mit eigener Hand unterschrieb, und setzte (da er selbst kinder– los war) den Herzog Sigismund zum Erben des Landes ob der Enns ein, wozu er jedoch kein Recht hattet). Dieser hingegen schloss mit ihm am 9. April einen Vertrag, wodurch er auf sein Drittheil der Einkünfte des Landes ob der Enns Verzicht leistete , dafür ~bei· jährlich 3000 Guhlen oder das Schloss Werfenstcin in der Nähe des Strudels mit allem Einkommen verlangte tt ). Dieses geschah auch, denn am U. September d. J. bekannte Albrecht urkundlich, dass , weil ihm Herzog Sigismund das Drittheil der Einkünfte vom Lande ob der Enns abgetreten , er demselben das Schloss \Verfenstein mit den Einkiinften und Zugchör, das Ungeld unu die Stadtsteuer rnn Linz, zusammen auf 3000 Gulden berechnet, verschrieben habe; Jörg von Stein wurde ihm als Bürge gestellt ttt ). *) Kurz's Geschichle K. Friedrichs IV. B. II. S 218. Beilage Xro. XXV. Eger den 18. Fe– bruar 1461. Lichnowsky ß. VII. Rtg, 4i6. K, k, g. A. H) Kurz L, c. S. 215. 1\'ro. XXlV. Eger den 18, Februar 1461. Lic.hnow~ky Yll. Rt>g. 477. ''"'') Kur, L. c. B. 11. S. 220. Beilage Nro. XXVI, Egrr den W. }'ebruar 1461. Lichnowsky L. c. Reg. 478. K. k. g. A. t) Kurz L. c. B. 11. S. 220. lunsbruck tlen 1. April 1461. Bcila;;c Xro. XXVII. Lichnow~ky L, e. Reg. 495. K. k. g. A. tt) Kurz L. c. B. 11. S. 223. Nro XXVIII. lnn5brnck den 9. April 1461. Lichnowsky L. c. Reg. 507. K. k. g. A. ttt) Chmel's lllalerialien zur öslmeichischen Gtschicble, Wien 1837. B.11. S. 2:'>3. K. k. ;. A. Licbnowsky L. c. Rr.g. 596. Lini den 14. September 1461.

10 Indessen war aber schon .der Krieg Albrechts gegen den Kaiser Friedrich losgebrochen, jener zog mit vielen Truppen von Linz aus hinab nach lps, welches er im Juni eroberte, dann schlug er am 2. Juli sein Lager vor l\Ielk auf, wo er sich noch bis zum 10. befand *), eroberte sp:Hcr Tulln und zog vorw:irts in die Nähe von Wien. Die Bewohner blieben jedoch ungeachtet seiner Aufreit– zungen <lern Kaiser treu un<l nachdem sein Versuch einer Ueber– rumpelnng der Stadt missglückt war, -,zog er sich zurück und hielt sich längere Zeit zu Zeiselmauer auf. Während dessen wurden unter Vermittelung der Abgesandten tles Königs von Böhmens Friedensunterhandlungen gepflogen un<l endlich am 6. September 1461 auf dem Felde bei Laxenburg ein Waffen– stillstand zwischen dem Kaiser, seinem Bruder Albrecht und dessen Verbündeten, den Ungarn und Baiern, abgeschlossen, ,velcher bis zum 24. Juni 1462 dauern sollte**). Erzherzog Albrecht versprach seine ungarischen un<l bairischen Hilfstruppen zu entlassen und sich friedlich in das Land ob <ler Enns zu be– geben, alle Fehden sollten aufhören. Es wurde zugleich bestimmt, dass der König von Böhmen während der Zeit des Waffenstillstandes die streitenden Parteien an einem bequemen Orte versammeln könnte, um einen eigent– lichen Frieden zu vermitteln. Erzherzog Albrecht zog auch wirklich in sein Land zurück, und befand sich am 14. Sep– tember zu Linz, wo er jene oben angeführte Urkunde wegen Werfenstein ausstellte.' Uebrigens behielt er vermöge einer Uebereinkunft alle Städte, Burgen und Schlösser , welche er während des Krieges im Lande unter der Enns erobert und die ihm gehuldiget hatten, während <ler D:mer des Waffen– sti1lstan<les in seiner Gewalt, obwohl in dem Instrumente des– selben keine l\Ieldung davon geschieht***). *) Lichnowsky L, c. Reg. 538, 546. *~) Kurz L. c. B. II. S. 22!. Beilage XXIX. Lichnowsky L. c. Reg. 51H. K. k. g. A. *0 ) Kurz L, c, B. II. S. 2S.

11 Dessen ungeachtet war keine Ruhe im Lande unter der Enns, die Führer · der Söldlinge , die nun keinen Sold mehr bekamen , blieben doch in demselben, verwiisteten, plünderten und mordeten mit ungemeiner Grausamkeit, das Elend stieg auf das Höchste. Auch Albrecht hielt manche Bedingnisse nicht, der Kaiser gab daher Befehl, die von diesen eroberten und besetzten Orte wieder einzunehmen ; so begannen die Feindseligkeiten neuer– dings und_ grosse Gräuel wurden verübt. Endlich kam auf Ver– :mlassung des Königes von Böhmen eine Versammlung in Berch– toldsdorf (bei Wien) am 7. Februar 1462 zu Stande, wobei Abgeordnete des Kaisers untl Albrechts erschienen ; ein eigent– licher Friede wurde jedoch auch da nicht abgeschlossen, sondern nur ausgemacht, dass von beiden Seiten Ruhe sollte gehalten werden und zwar bis zur Sonnenwende ; wer dieses nicht wolle , soll verpflichtet sein, es der Gegenpartei acht Tage vorher bekannt zu machen, und der Friede soll doch bis zum 24. Juni beobachtet werden; Handel und Wandel sei während dieser Zeit ungehindert. Bei dieser Versammlung war Jörg v o n St e i n als Kanzler und Abgeordneter des Erzherzogs Albrecht zugegen und besie– gelte nebst Gr.org von Potendorf, Obersten Schenk in Oesterrcich und dem Hauptmanne Hartmann von Traun,. den über diesen Beschluss niedergeschriebenen Vertrag*). Ungeachtet dieser Bestimmung hörte doch die Uneinigkeit nicht auf, rlie Gesinnungen des Kaisers und Albrechts gegen– einander waren nicht besser geworden , diesen trieb eine un– bezähmbare Sehnsucht immer nach dem Besitze des Landes unter der Enns hin und bald genug ereigneten sich Begebenheiten, welche ihn auch zu seinem Ziele führten und seine Wünsche befriedigten. Die Bürger Wiens waren bisher dem Kaiser treu *) Fonles rerum auslriacarum. Von der kaiserlichen Akademie der Wissenschanen zu Wien herausgegeben, 1853, B, VII. Copeybuch der gemainen Stadl Wien, S, 297, 298.

12 und anhänglich geblieben , allein nun änderte sich die Scene; aufgehetzt von den Anhängern Albrechts, welcher Wien von dem Kaiser losreissen wollte, brach der Pöbel in einen Auf– ruhr aus , <ler braYc Bürgermeister Paltram und der Rath wurden entsetzt und \Volfgang Holzer , einst ein Viehhändler, ein frecher, ehrgeitziger l\Jann , an <lie Spitze des Volkes erhoben . und manche Gewaltthaten fielen vor. Die besser gesinnten Adeligen und Biirger wiinschten nun sehnlichst die Ankunft des Kaisers in Wien , wo er schon über ein Jahr ungeachtet des Aufenthaltes der Kaiserin und seines Sohnes l\laximilian daselbst, nicht gewesen war, man erwartete dann mehr Ordnung und Ruhe. Nach manchen Gesandtschaften an ihn von Seite der Stadt Wien und unangenehmen Auftritten kam er endlich dahin und benahm sich ungemein gütig gegen die Biirger - mehr Ernst und Kraft gegen sie, würde besser gewesen sein. Das gute Verhältniss dauerte auch nicht lange, die Gäh– rung unter dem Volke wuchs wieder, wozu manche unkluge Massregeln des Kaisers selbst beitrugen. Er cntliess voreilig seine Söldner, ohne ihre Löhnung bezahlt zu haben , diese plünderten nun und verwüsteten um Wien und ki.indetcn sogar dem Kaiser die Fehde an. Der Schaden für die Biirger Wiens selbst , welche in der Umgebung manche Besitzungen hatten, wahr sehr gross und der Unmuth derselben nahm zu, da der Kaiser nicht abhalf auch kaum abhelfen konnte , weil er kein Geld besass, die Söldner zu befriedigen. Auch andere Mass– regeln beleidigten die ohnehin aufgeregten und schlechtgesinnten Bürger , an deren Spitze der Büi·germeister Holzer stand, man rüstete sich schon zum ausbrechenden Kampfe. Dem Erzherzoge Albrecht waren diese Ereignisse sehr an– genehm, welche ihn immer näher zur Erfiillung seiner Wünsche brachten. Viele Edle schlossen sich an ihn an und sein Kanzler, Jörg von St c in, welcher in Tulln hauste, leitete dort, mitten in der Provinz des Kaisers, wo aber Albreclit noch viele Orte und Burgen besetzt hielt, die Geschäfte desselben und die

13 .Pläne zum Sturze des Kaisers. Er schickte auch schon am 20. September 1462 aus Tul1n dem Erzherzoge ein Schreiben, worin er ihm von den kriegerischen Anstalten der Wiener be– richtete und demselben meldete, dass zur Nachtszeit ein Bote des Nankenreuther zu ihm gekommen sei 1 welcher einen Brief an diesen , unter Petschaft des Holzers geschrieben, Lei sich hatte, vermöge dessen er (Nankenreuther) aufgefordert wurde, 500 Fussknechte zur Hülfe der Wiener abzusenden, was er auch that. Jörg erklärte ferners, dass auch die Steiermärker in Zwie– tracht mit dem Kaiser sich befinden, und wenn dieser Wien verliesse , würde er schwerlich mehr hineinkommen , endlich zeigte er an , dass er gerüstet und bereit sei, nach Kloster– neuburg und B~rtholdsdorf zu riicken und komme er hinein, so werde er beide auch gewiss in seiner Gewalt behalten*). Bald darnach erfolgte eine Einladung der Wiener an den Erz– herzog Albrecht zu ihnen zu kommen und den Oberbefehl im Kampfe gegen den Kaiser zu Ubernchmen, demsie am 5. Oktober förmlich <len Gehor;;am aufgekündigt und einen Absagebrief zu– gesendet hatten **). Albrecht war gleich bereit dazu , viele Edle seines Landes _zogen mit ihm, am zweiten November war er schon zu Wien und am vierten erliess J ör g v o n Stein als sein Kanzler, den Fehdebrief an Kaiser Friedrich***), was auch andere Adelige an diesem Tage und noch später thaten t ). Der Kaiser hielt sich mit seiner Gemahlin Eleonora und seinem Sohne Maximilian in der Burg auf, verwarf die schlechten AntrUgc und Bedingungen der Rebellen und beschloss sich auf das Aeusserste zu wehren. Die Burg wurde von den Kanonen Albrechts und der Bürger beschossen tt) u~d der Stand der *) Licbnowsky t. c. B. VII. Reg. 686. I{. k. g. A. Kurz L. c. B. II. S. 47. **) Chmel's Materialien. B. II. S. 268. Liclinowsky B. VII. Reg. 691. *H) Lichnowsky VII. Reg. 705. !{. k. g. A. Chmcl's Regesten Nro. 39-19. t) Lichnowsk1 t•• c. Reg. 707,708, 710, 711, 712. tt) Die Belagerung der Burg beschrieb am Besten der damals lebende Ulricus de Slyra, ein Priester des liloslers l\Ielk, g c b o r en in der S&ad & S t e i er. Bei Pez in seinem Werke: Scriptorcs rerum auslriac:trum. Tomus 11. pag. 4-16 elc.

Dinge wurde für den Kaiser wegen des einreissenden Mangels an Lebensmitteln immer gefährlicher. Da rückten endlich· die Böhmen unter ihrem Könige Georg und seinem Sohne Victorin zur Hülfe des Kaisers heran; letzterer bestürmte die Vorstädte Wiens mit seinem Vortrabe am 13. Nov.• jedoch fruchtlos, am folgendem Tage kam der König selbst mit der Hauptarmee in Korneuburg an und lud den · E. H. Albrecht zu einer Unterhandlung ein, bei welcher auch Abge– ordnete des Kaisers erschienen; aber erst am 2. Dezember kam der Friede zu Stande; vermöge dessen Albrecht die Regierung des Landes unter der Enns auf acht Jahre erhielt, dem Kaiser jährlich 4000 Dukaten zahlen und die demselben gehörigen Schlösser zurückgeben sollte*-). Albrecht blieb nun föngere Zeit in der Burg zu Wien und liess sich Treue und Gehorsam schwören, weil er aber die ?roberten, dem Kaiser gehörigen Schlösser nicht zuriickgab , benahm sich auch dieser immerfort als Herr des Landes unter der Enns und theilte Befehle aus , so <lass nun zwei gegeneinander feindlich gesinnte Regenten in dem– selben herrschten. Albrechts Söldner erhielten ihren Lohn nicht ordentlich, daher raubten untl plünderten dieselben im Lande und trieben oft grässlichen Unfug. Er hatte immer l\langel an Geld und vorziiglich in dieser Zeit; er borgte daher von seinem Hathe und l(anzlcr Jörg von Stein die Summe von· 14000 ungarischen Gulden oder Dukaten am 16. l\Iärz 1463 und verpfändete ihm dafür d i e Burg und Stadt St e i er sammt Gewicht, l\Iauth, Zoll und der Schatzsteuer daselbst nebst andern Orten und Schlössern im Lande unter der Enns**). An eben diesem Tage erliess er auch den Befehl an die Bürger von Stcier dem Jörg von Stein Gehorsam ·zu leisten und unterthänig zu sein, bis er wegen seines Darlehens be– friediget sein würde, er hingegen sollte ihre Rechte, Privilegien und Gewohnheiten beobachten und sie dabei beschützen***). *) l{urz L. c. B 11. S, 232. Beilage Nro. XXI. Lichnowsky VII, Reg. 716, K. k. g, A. **) Licbnowsky VII. füg, 756. Wien den 16. März 1463. ***) Preuenhubeu Anu:ilen der Sladl Sleier. S. 1H.

Er setzte auch· die Bedingung, dass Jörg von Stein nach Albrechts Tode mit der Burg und Stadt Steier dem Herzoge Sigismund von Tyrol , als dem er ohnehin das ganze Land ob der Enns vermacht haue, gewlirtig und gehorsam sein solle*)~ Aehnliches war auch mit Freistadt und dem Schlosse Kogel im Attergau der Fall. Die Bürger von Steier jedoch, welche den Charakter Steins gut genug kannten, weigerten sich ihm zu huldigen; daher Albrecht an die Städte Linz , Wels, Freistadt und Gmunden Schreiben erliess, worin er sie aufforderte, sie möchten durch Abgeordnete, besonders durch den Richter in der Freis'tadt, den er über diese Angelegenheit mündlich unterrichtet habe und durch Johann Wiesinger, seinen Schaffner daselbst, die Bürger von Steier ermahnen, dass sie dem von Stein vermöge ihrer Verpflichtung gegen ihn (den Erzherzog) Gehorsam leisten sollten, sonst müsste er mit Gewalt seine Anordnung durchsetzen. Sie sollten bedenken, dass dieses ohnehin nicht lange dauern könne , indem die dargeliehene Summe Geldes bald zurückbezahlt werden würde. . Die Unterhandlungen dauerten aber ziemlich lange und erst in einer Versammlung von AbgeJ ordneten der Stadt Steier und des Jörg von Stein zu Wels am 7. August wurde ein Vergleich abgeschlossen, in dem das Verhältniss jener Bürger zu ihm und seines· gegen dieselben festgesetzt wurde ; dieses sollten die Abgesandten dem Rathe bekannt machen und wenn er den Vorschlag annimmt, so soll es dabei bleiben und darüber Urkunden ausgefertigt werden; wenn aber nicht, so gelte auch der Vergleich nichts. Ferners, wenn· der Rath übereinstimmt, so sollen die Aemter, welche die Stadt bisher mm Erzherzoge Albrecht bestandweise besass, auch noch länger von Weihnachten an bis über Ein Jahr im Besitze der Stadt verbleiben, doch mit eben demselben Bestand– preise, wie zuvor. Später habe Jörg von Stein die Wahl, diese *) Kurz L. c. B. II. S. G6.

16 Aemter ihnen noch ferner zu lassen oder nicht. Der Rath zu Steier nahm diesen Vergleich an und nun trat jener seine P f a n d h e r r s ch a f t B u r g u n d S t a d t S t e i e r wirklich an und fertigte seine Urkunden gewöhnlich mit dem Titel aus: Jörg von Stein derzeit Herr und Regierer der He r r I i c h k e i t S t e i e r. Der Erzherzog verkaufte ihm auch die 1'1iihle zwischen beiden Brücken in Steicr um 1000 ungarische Gulden. Sein Unterpfleger daselbst wa1· bis zum Jahre 1468 der edle Lorenz der Khilchinger*). Am 13. October 1463 verbiirgte sich Jörg von Stein nebst andern für den Erzherzog Albrecht gegen Waczl Wutschek und dessen Genossen für schuldige 4725 Gulden Sold**). In– dessen war schon früher zwischen dem Ifaiser und seinem Brude1· entllich ein Waffenstillstand abgeschlossen worden, welcher vom ersten bis 29. September 1463 dauern sollte***) und am 22. d. M. kam ein sehr zahlreich besuchter Landtag in Tulln zusammen , wo_ besonders der päpstliche Legat die aufgeregten Gemüther zu beruhigen und Frieden zu stiften sich bemühte; Albrecht sehnte sich nun selbst darnach , aber jetzt machten die füithe des Kaisers immer neue Einwendungen und Forderungen. Der Waffenstillstand· wurde jedoch nach und nach bis zum zweiten Februar 1464 verlängert. Albrecht hatte mehrere seiner 1\linistcr entlassen , welche früher dem Kaiser gedient, aber zu ihm übergetreten waren, und zu denen er kein rechtes Zutrauen hatte; diese mächtigen l\fänner unterwarfen sich nun dem Kaiser, der sie ·mit Freuden aufnahm. E1· fühlte sich daher stärker, wollte den Frieden nicht und machte immer grössere Forderungen, und als die Räthe Albrechts am 29. November 1463 nach Neustadt kamen, ver– langte der Kaiser nicht nur die Zurückgabe der von jenem er- *) Nach Preuenhuber S, 114, 115. **) Lichnowsky VII. Reg. 812. S, CCCXLII. *~*) L, c, Reg, 807.

17 oherten Schlösser, sondern sogar die Abtretung des Landes ob der Enns gegen Ersatz von 200000 Gulden ; wegen der Stadt Wien sollte eigens unterhandelt werden*). Diese Bedingungen würde Erzherzog Albrecht schwerlich angenommen haben und es stand ein neuer Krieg in Aus.sieht, allein bevor ihm die– selben in \Yien bekannt gegeben wurden, war er schon eine Leiche. Er starb nämlich plötzlich Abends am 2. Dezember 1463 im 45. Jahre seines Lebens und am 6. wurde er be– graben. Sein Körper war so schnell in Fäulniss übergegangen, dass er nicht einmal einbalsamirt werden konnte. Daher glaubte man auch, dass· er vergiftet worden sei und nach der Aussage eines Dieners desselben warf man einen grossen V_erdacht auf J ö r g v o n S t e i n. Aber es ist nicht erwiesen, dass er an Gift gestorben sei**) und es ist diese That nicht sehr wahr– scheinlich von Seite Jörgs, denn er war , so weit wir wissen, mit dem Erzherzoge immer im guten Verbältnisse, der ihm seh1· geneigt war; er müsste nur durch dessen Tod sich Hoffnung auf e i g e n t h ü m1i c h e n Besitz von Steier gemacht haben , wozu jedoch wenig Aussicht war; auch ist zu bemerken, dass er sich in Betreff seiner Pfandschaft nicht etwa nun an K. Friedrich hielt , sondern nach dem Willen Albrechts an Herzog Sigismund und <lesswegen vielen Verdruss hatte. Der Kaiser, ohne Zweifel rechtmlissiger Erbe des Landes ob der Enns, machte alsogleich seine· Ansprüche geltend, aber auch Sigismund vernachlässigte die seinigen nicht. Er hatte schnell nacl.!_ dem Tode Albrechts von Edlen und Bürgern Wiens Nachricht darüber erhalten*H), am 10. Dezember meldete ihm dasselbe aus Linz Ortolf Geumann, Pfleger zu Kogel im Atergau, und bat ihn um Hülfe, damit er dieses ihm anvertraute Schloss vor Gewalt- für ihn bewahren könntet) ; am folgenden Tage *) Lichnowsky Vll. S, 79. Chronicon auslriac, p. 248 - 254. **) Kurz 1. c. U. S. 63, 64. ***) Lichnowsky Vll. Reg, 838. t) Lichnowsky Vll, Reg, 834. K, k. g. A. 2

18 schrieb an den Herzog Hilprand Rasp , Landmarschall t.ler ohern Länder, in seinen Diensten stehend. in Betreff des Drittheiles seiner Einkünfte v_on Oesterrcich. Der Herzog ertheilte dann auch am 15. d. l\I. dem Ulrich von Frcundsberg, Lorenz Plumnau (Blumauer) und <lern Balthasar von Lichtenstein, seinen Räthen, die Vollmacht zur Wahrung seiner Hechte, und s:mdte sie in <las Land ob -der Enns * ). Hilprand Rasp, de,· für seine Sache sehr thUtig war und am 26. December 1463 vom Herzoge eigens dazu bevollmlich– tiget wurde, und als sein Anwalt auftreten konnte **), machte auch einen weitläufigen Bericht über die Ereignisse und den Stand der Dinge im Lande ob der Enns seit dem Tode Albrechts. Er meldete demselben, dnss der Kaiser jetzt Alles aufbiete um jenes Land mit allen Schlössern und Burgen an sich zu bringen ; es sei zu Linz am 13. December ein Landtag abgehalten wor<len, auf dem der Kaiser durch seinen Abgesandten Georg von Vol– kenstorf die Huldigung der Stände dieses Landes verlangt lrnbc, und zwar solle sie bald erfolgen, damit dasselbe keinen Srhaden leide. Er (Rasp) habe von den Rechten Sigismunds gesprochen und von einer Vcrschreibung, die er habe ***) , mehrere Ritter waren auch für ihn gestimmt, <ler Herzog möge daher so bald c1ls möglich hieher kommen. Es sei auch ein Bote des Kaisers aufgefangen worden, der einen Brief von ihm an Jörg l{ainacher hatte , dem derselbe auftrug, sich nach Steier zu begeben und die Huldigung von den Bürgern zu fordern; wenn sie diese nicht leisten wollen, so solle der Ncudecker Truppen sammeln, um die Stadt zu erobern und in seine Gewalt zu bringen, Jörg ,·on Stein und die Bürger haben sich an die Stände um Hülfe gewendet, es sei aber das Aergste zu besorgen t ). ir) L. c. Reg. 836. H. I!. g, A. **) J •• c. Reg. 851. ***) Wahrscheinlich das Teslamenl Erzherzog Albrechts, oder vielleicht die Verpfiiudung von Sleier. t) Chmel's ltlateria!ien zur österr. Geschichte. B, 11., Ahlh, 11., S, 276, 277,

19 Es neigten sich wirklich manche Ritter und Mächtige des Landes ob der Enns auf die Seite Sigismunds hin , so der Graf Wilhelm von Tierstein mit der Pfandherrschaft Freistadt, mit· welcher er demselben nach Ableben Erzherzogs Albrecht ge– horsam zu sein· gelobt hatte, und an den sich nun auch die Räthe des Herzoges wandten * ). Er schrieb an sie am 22. December 1463, dass er demselben unterthänig sein wolle, aber sich noch mit den Bürgern von Freistadt darüber be– sprechen müsse *'~ ). Ortolf Geumann , Herr von Tratteneck (in dem schönen Trattnach-Thale), Pfleger von Kogl oder Neu-Attersee, blieb ebenfalls dem Herzoge treu, welcher ihm dafür in einem eigenen Schreiben vom 22. December aus Innsbruck dankte. Geumann berichtete aber auch den füithen und Bevollmlichtigten Sigismunds zu Linz, <lass er nicht zu ihnen kommen könne, weil er einen Angriff auf die Burg besorge***). Auch Sigismund von Schaunberg erklärte, dass er willig sei, die Befehle des Herzoges anzu– nehmen t ). Es hatte auch schon früher, am 16. März 1462, Wolfgang von Walsec demselben gelobet, mit seiner Haupt– mannschaft ob der Enns und dem Schlosse zu Linz gewärtig oder gehorsam zu sein , wenn der Erzherzog Albrecht sterben würde tt ). Er scheint aber nun ganz auf die Seite des Kaisers ge– treten zu sein , weil dieser ihn als Landes - Hauptmann ob der Enns bestätigte ; er trug wahrscheinlich noch Vieles dazu bei, dass die Sfünde in Linz sich zum Kaiser hinneigten und noch in diesem Jahre 1463 beschlossen, sich demselben zu unterwerfenttt). In ein sonderbares Verhältniss kam nun auch J ö r g von S t e i n mit jener Pfandherrschaft S t e i e r, er hatte gelobt *) Lichnowsky \11, Reg. 859. **) L, c. Reg. SH. K. k. g, A, ***) L. c. Reg, 8-15 und 847, +) L. c. Reg, 652, Aus Eferding am 28. December 1463, tt) L. c, Reg. 6!4. K, k. g. A, ttt) L. c, Reg, 860, Linz, ohne Datum, K, k, g, A, Chmel's Regeslen Nro, 4015. 2*

20 nach Albrechts Tode mit derselben dem Herzoge Sigismun<l gehorsam zu sein, dieser aber hatte versprochen, ihn bei ~einem Pfände zu schfüzen. Jörg blieb ihm auch treu , und am 24. December schrieb <ler Ritter Thüring von Ilallwyl, eigentlich Landvogt von Elsass, welcher aber damals in GeschHtcn des Herzoges im Lande ob der Enns sich aufhielt, aus Steier an die BevollmUchtigten desselben , die zu Wels sich befan<len, dass er mit Jörg von Stein, und dieser mit den Bürgern von Stcier geredet und unterhandelt habe, und dass man si~ willig in die Stadt aufnel1men werde, wenn sie dorthin kommen wollen -x· ). Und am 30. December sandten er und Jörg von Stein dem flitter Ulrich von Frcundsberg und dem Lorenz Plumauer, R:ithen des Herzoges, ein Schreiben <les Grafen Wilhelm von Tierstein, dor Freistadt besass, dessen Inhalt aber nicht angegeben ist, aber wahrscheinlich über seine Pfandherr– schaft handelte ** ). Die Sache gestaltete sich aber bald anders, eben am zweiten Januar war ein grosser Landtag zu Linz, wobei auch Abgeordnete Sigisrnun<ls sich einfanden, um dessen Interessen zu wahren und sogar das Land ob der Enns für ihn zu erhalten*H· ). Es wurde auch weg·en Stcier unterhandelt, allein das Begehren der Ab– gesandten wurde verworfen, die Sfände erkannten den Kaiser Friedrich als alleinigen Herrn im Lande ob der Enns und be– schlossen ihm zu huldigen. - Die Abgeordneten Sigismunds hatten sich an ihn g·cwen<let, um Verhaltungsbefchle zu bekommen, er schrieb ihnen aber unterm fünften Januar 1464, das er ihnen keine wcitc1·e Weisung geben könne, weil er nicht wisse, was der Landtag beschlossen lrnbe t ). Sie woJlten nun wegen solchen Angelegenheiten mit dem Landes - Hauptmanne Wolfgang von Walsee in der Stadt Linz miindlich verhandeln, er aber erklärte, *) I.ichnowsky L. c. lleg. 819. I{. k, g, A. **) L. c. Reg. 8:i3. I{. k. g. A. ***) Kurz L. c. 11. s. 67, nach «Jen noch ungedrucklen Annalen S1reins bei dem Jahre HfH. t) Lichnowsl1y Vll, Reg. 861, lnmbnick,

21 er könne unter den jetzigen Umsfänden das Schloss nicht ver– lassen, sie sollen ihm ihr Anliegen schriftlich bekannt machen * ). Am folgenden Tage, den achten Januar, meldeten die kaiserlichen Rfühe aus Linz jenen Sigismunds, die sich zu Steier befänden, die bevorstehende Huldigung ller Stände ob der Enns*·*). Nach jenem Landtage scheinen die Bürger von Steier und Freistadt sich auf die Seite des Kaisers geneigt zu haben; schon am 22. Januar meldete nlimlich Graf Wilhelm von Tierstein dem Herzoge, dass die Biirger von Freistadt sich dem Kaiser unterworfen haben , er aber mit ihnen uneinig sei, und sogar eine Belagerung von Seite der Stände erwarte***). Die Bürger von Stcier waren auch in einer schwierigen Lage wegen ihres Verlüiltniss zu Jörg von Stein , dem Herzog Sigismund und dem Kaiser, der sie öfters aufforderte ihm zu huldigen und von dem sie feindlich behandelt zu werden fürchten mussten. Daher schrieb auch Jörg am 6. Februar 1464 an Herzoi Sigismund und klagte, dass die Bürger dieser Stadt ihm feindlich gesinnt seien und sagen: »Der Herzog bekiimmere sich nicht um sie und Jörg möchte das Schloss gerne für sich behalten. « Der Kaiser schicke immer Boten und drohe. im Falle der Ver– weigerung des Gehorsames keinen Bürger am Leben zu lassen. Der Herzog möge also dass Schloss selbst übernehmen; er hoffe zwar sich halten zu können, ersuche aber um Hülfe und Rettun{! , uenn die Steirer haben böse AnschHige gegen ihn gefasst und auch schon früher Abgeordnete nach Linz zum Landtage geschickt t ). Als er später hörte , dass Georg von Volkenstorf nach Steier kommen sollte, um die Huldigung der Bürger im Namen ...) L. c. Reg. 862. Linz den 7. Januar 1i61. K. k. g. A. *"') L. c. Reg. 863. l{. k. g. A. «ll*) L. c. Reg. 866. K. k. g. A. t) Fonlt!s rerum austr., herausgegeben von der historischen Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Zweite Abtheilung: Diplomataria et acta, B. 11. 1850. Diplom. Habsburgense von Chmel, S. 18!J. XYIII.

22 des Kaisers aufzunehmen , schrieb er an sie aus Salzburg, wo er sich damals befand, am dritten Sonntage in der Fasten, sie möchten ohne sein Wissen Niemanden Huldigung leisten, wie sie ihn gelobt hätten und schuldig wären. Er habe ohnehin schon dem Kaiser wegen Ablösung seiner Pfandherrschaft ein Angebot gemacht und er hoffe, derselbe werde es annehmen*). Und wirklich wurde am 25. April zwischen dem Kaiser und ihm ein Vcrgleich geschlosseri, vermöge dessen jener dem Jörg von Stein am St. Johannestage 6000 ungarische Dukaten erlegen und zugestehen sollte, dass dieser das Schloss und die Stadt Steier mit allem Einkommen und Zugehör von Pfingsten an noch ein ganzes Jahr ohne Verreclmung der Gefälle besitzen solle, doch dürfe er die Lehen nicht vergeben. Nach Verlauf dieser Zeit gehöre beides glinzlich dem Kaiser und die Pfandherrschaft habe aufzuhören. Jörg von Stein stellte auch darüber einen Revers aus, welchen nebst ihn sein Schwager Christoph von l\Iesperg aus– fertigte. Dieser Vergleich wurde auch den Bürgern von Steier bekannt gemacht und ihnen befohlen , dem Wolfgang von Walsee anstatt dem Kaiser Friedrich die Huldigung zu leisten, was aber damals noch nicht geschah**). Am 16. Juli sagte Jörg von Stein aus Steier sogar dem Herzog Sigismund seine Dienste, Gelübde und seinen Eid auf und erklärte ihm künftig nicht mehr dienen zu woJlen ***), und am folgenden Tage be– klagte er sich gegen ihn über die Verläumdungen und Anklagen Bilgrins von Hödorf, vertheidigte sich und bat ihn Lauffenberg zu übernehmen , weil er nicht mehr dafür gutstehen könntet). Herzog Sigismund benahm sich überhaupt in dieser g:rnzen Sache unthfüig, zweideutig · und wankelmiithig , wodurch Jörg von Stein oft in sehr unangenehme Lagen gerieth ; .so war bc- *) Preuenhuber S. 116. 0 ) L. c. S. 116. Lichuowsky VII. Reg. 887. K. k. g. A. ;,*~) Fontes rerum austr. (wie oben) S. 190 Nro. 19, t) L, c. Nro. 20,

23 stimmt worden, dass der Herzog ohne Wissen und Zufrieden– stellung Jörgs keinen Vertrag mit <lem Kaiser eingehen und wichtigere Geschlifte, die auch ihn betreffen, nie Yollen<len sollte, allein Sigismund hielt sich wenig daran und lieferte sogar die. Verschreibung Jörgs von Stein (die Pfandherrschaft Steier oder die Uebergabc an Sigismund?) dem Kaiser aus, woriiber er sich in einem Schreiben an jenen vom 7. August 1464 bitter bckJ:1gtc, indem er dadurch in die Ungnade des Kaisers und der St:inde gekommen sei·, wo er mm keine Aussicht habe , sein Pfandgeld zu erhalten; er verlange daher vom Her– zoge die 6000 ungarischen Dukaten Pfandield auf Steier und noch dazu 3000 Gulden Schadenersatz*). Aus diesem geht zugleich hervor, dass der Kaiser dem von St.ein am St. Johannes– tage das Geld nicht aüsbezahlt habe , wie es dem Vergleiche zu Folge hätte geschehen sollen, welches übri~ens auch aus anderen Nachrichten hervorgeht. So hatten sich auch der Kaiser und der Herzog vereiniget und einen Vertrag abge– schlossen, vermöge dessen letzterer seinem Drittbeile der Ein– kiinfte von Oesterreich und seinen Anspriichen auf die Erb– schaft von Cilly entsagte. In diesem Vcrgleiche ist ,auch von Jörg von Stein keine Erwähnung gemacht. Die Erklärung und Annahme dieses Vertrages erfolgte von Seite des Herzogs am 4. Juli 1464 *"* ). Er befahl auch seinem Pfleger zu Werfenstein an der Donau diese Feste dem Kaiser zu übergeben**:l), und entsagte allen Ansprüchen ~uf Wien und Oesterreich. Kaiser Friedrich erliess Gegenerklärungen iiber die Auf– hebung aller l\Iisshelligkeiten mit Herzog Sigismund am 2. und 20. September 1464 aus Neustadt t). *) L, c, Nro. 21. n) Lichnowsky \"II. S. 91, 92. Reg, 900. K, k. g. A. Innsbruck den 4. Juli 1,j6f, Kurz L. c, II. S. 210. Beilage XXXIII. *H) Lichnowsky L. c. R. 902. K. k. g, A. Chmel's Reg. Fried. III. chronol. diplomalica. Wien 18tO, Nro. 4091. t) Lichnowsky L. c. Reg. 914 und 924. K. k. g. A. Kurt L, c, II. S.-68.

24 Unter diesen Umständen hatte Jörg von Stein Schloss un<l Stadt Steier für sich behalten und vergab sogar die Lehen (am 2. September), aber wie er wenigstens vorgab , vermöge einer Vollmacht vopi Kaiser*). Er verkaufte auch in diesem Jahre die l\Iühlc zwischen den Bri.icken in der Stadt Steier an Sigismun<l Kappcnfuss, einen Bürger derselben**). Es scheinen sich nun auf einige Zeit die Verhältnisse zwischen ihm und dem Kaiser besser gestaltet zu haben ; sonst wäre es nicht begreiflich, wie der Kaiser aus Neustadt .am 23. October 1465 dem Herzog Sigismund melden konnte, dass sein Pfleger zu Steier Jörg von Stein gegen ihn klage, weil er keine Zusage halte und keine Forderung befriedige, er solle sich also mit ihm vergleichen , sonst wolle er dem Rechte seinen Lauf lassen***). Jörg musste sich also ihm unterworfen_ haben, .weil. er als sein Pfleger erscheint , und der Kaiser für ihn thätig ist; er bekam wahrscheinlich auch damals die Verschreibung rnn Steier aus dessen Händen zurück, aber noch kein Pfandgeld zur Ablösung. Dieses bessere Verhältniss hörte jedoch bald wieder auf, denn schon am 21. Jänner 1466 erklärte Jörg von Stein in einem Schreiben an die Räthe Sigismunds , dass rlieser sein Herr und Landesfürst sei ; e r h ab e all e V e r– s c h r e i b u n g e n bei sich, er möchte sich also in Güte mit ihm vergleichent ). Die Unterhandlungen mit dem Herzoge 9auerten auch immer fort, und am 1O. März d. J. schrieb Jörg von Stein neuerdings an jene Räthe, die jetzt auf den Tag gegen Constanz zusammenkommen wollen. *) Chmel"s Reg. Nro. 4180, 418! u. s. w. **) Preuenhubrr S. 150. ***) Fonles rerum austriacarum. L. c. Nro. 23. t) L. c. Nro. 26.

25 ,1 Sie ·werden wissen , dass er nach Erzherzog Albrechts Tode dem Herzog Sigismund mit der Burg und Stadt Steier gehorsam gewesen sei und desswegen viele Noth gehabt habe, der Herzog und seine Räthe versprachen ihm mit dem Kaiser keinen Vertrag einzugehen ohne sein Wissen und seine Befrie– digung, diess sei aber nicht geschehen. Er möchte daher nun thun, was er mit Recht fordere, sonst müsste er dasselbe weiter suchen*).« Nun endlich erliess der Herzog am 14. April 1466 aus Innsbruck eine Vorladung an ihn auf künftigen Bartholomäus– tag vor ihm zu erscheinen , wo seine Räthe über dessen An– forderungen sprechen sollten**). Ob er sich dort einfand und was etwa bestimmt wurde, ist unbekannt, aber schwerlich kam Alles in Ordnung , denn Steier war im Verlat!fö dieses Jahres stets im Besitze <lcs Jöl'g von Stein und wichtige Ereignisse - fielen nun vor, welche diese Sache anders gestalteten. Es waren nämlich wieder grosse Unruhen im Lande ob der Enns ausgebrochen, viele Fehden der Adeligen gegen einander tobten, geistliche Güter und solche , welche dem Landesfürsten gehörten, wurden gepliindert, nur Gewalt und Stärke herrschten. Die Bürger von Steier selbst wurden in solche Fehden verwickelt; Thomas Pürchingcr, von Adel, Besitzer des Schlosses Zierberg, schickte ihnen e·inen Absagebrief und nahm mehrere Bürger gefangen ; es kam zwar durch Wolfgang von Walsee, den Landeshauptmann, ein Vertrag zu Stande in Linz im Anfange des Novembers 14 65, allein neue Streitigkeiten begannen und die Söldner der Bürger Yon Steier nahmen mehrere Bauern, Unterthanen des Pürchinger, gefangen, die sich um schweres GeJd lösen und Urphede schwören mussten. Eben so kündigte Heinrich Geumann, Besitzer des Schlosses Schiffereck, (zwischen *) L. c. Nro. 27. **} Lichnowsky VII. Reg 1035. K. k. g. A•.

26 Enns und Kronstorf), den Steirern die Fehde an, sie eroberten aber dasselbe und jagten die Vertheidiger in die Fluchi *). Bei diesen Wirren im Lande, wo fast jeder that, was er wollte und konnte, und neuerdings das Faustrecht herrschte, trat nun auch J ö r g von St e i n gewalt.samer und kühner auf, suchte im TrUben zu fischen , sich in Ansehung seiner Pfand– herrschaft Steier unabhängig zu machen, untl sie als Eigenthum an sich zu bringen. Yon Abtretung derselben an den Kaiser war ohnehin rnn seiner Seite keine Rede mehr. Er begab sich sogar unter den Schutz des Königes Georg Podiebrad von Böhmen und suchte von ihm Hiilfstruppen zu erhalten. Es hatten sich ohnehin schon im Juni 1466 Krieger in Böhmen und Mähren gesammelt, welche in Oesterreich einfallen wollten, welches K. Friedrich in einem Schreiben vom 16. d. l\I. aus Neustadt den obderennsischen Ständen meldete**). Jene 1200 l\Iann aus Böhmen, welche in diesem Jahre bei Mauthhausen über die Donau setzten , um dann im Lande ob der Enns zu plündern, und von denen die Brüder von Schaunberg jenen ,·on Polheim um den 24. November die An– zeige machten, und gegen welche sie um Hülfe baten, waren sehr wahrscheinlich solche , die zu Gunsten Jörgs von Stein heranzogen und grösstentheils in seinen Sold traten, mit denen er nun seine Räubereien und Kämpfe begann. Zugleich trat er in ein Bündniss mit Wilhelm von Pucheim, einem frechen Raubritter, dem Besitzer der Burg Rauhenstein bei Baden; er oder doch seine Leute hatten in diesem Jahre 1466 die Kühn– heit, den Tross der Kaiserin Eleonora im Helenenthale zu plündern, welcher Raub ihnen jedoch wieder. abg·ejagt wurde, zur Strafe wurde dann jene Burg erstürmt und zerstört*~*). Darüber erg1·immte Pucheim, erklärte dem Kaiser den Krieg und verband sich nun mit Jörg von Stein zu Gewaltthaten und *) Preuenhubcr S. 117, 118, ~*) Lichnowsky VII. Reg. 10!9. Aus dem Archive von Riedeck. Chmers Reg. Nro. 4;,26. h*) Lichnowsky VII. S. 100. Chron. auslr. 314, 315.

27 Pliinderungen. Er zog im l\lachlande herauf, raubte und brannte, eroberte das Schloss Sarmingstein an der Donau bei Grein und p1iinderte dann das Chorherrnstift Waldhausen*). Nach einer alten Aufschrift, die einst in der Stiftskirche vorhanden war, soll diess am 28. August 1465 geschehen sein**), es ist aber ein Irrthum in der Jahreszahl. Jörg von Stein, sein Bundes– genosse, machte Streifzüge in der Umgegend von Steier, im· Lande ob und unter der Enns, besonders gegen di<J Besitzungen des Kaisers und der Klöster, aber manche Adelige schickten auch ihm Fehdebriefe zu. Die Bürger der Stadt Steier waren jedoch grösstentheils gut gegen den Kaiser gesinnt., der ihnen sogar am 25. Juli 1466 ihre Privilegien bestätigte***). Die Verwüstungen Jörgs, welcher dem Kaiser ordentlich die Fehde angekiindiget hatte, müssen nicht unbedeutend ge– wesen sein, weil dieser aus Gratz am 8. December dieses Jahres an Albrecht und Wolfgang von Schaunberg schrieb, sie möchten in Verbindung mit den Ständen ob der Enns trachten , den Krieg, welchen Jörg von Stein begonnen, beizulegen t ). Dieses gelang aber nicht, daher sagte der Kaiser einen Landtag auf Linz an, der am 6. Januar 1467 gehalten werden sollte, und wobei er selbst erscheinen wollte, um Ruhe und Frieden im Lande herzustellen. Allein er musste auf den 15. Februar verschoben werden, weil der Kaiser erst am 20. Januar nach Linz kommen konnte. Nun erliess er aber an seine Hauptl~ute Befehle, dass sie Truppen sammeln sollten, um diesen Raubziigen und Fehden ein Ende zu machen. Hans von Stahremberg sollte ,·on Freistadt aus nach Baumgartenberg und in die dortige Umgebung gegen Wilhelm von Pucheim ziehen, aber der Hauptschlag wurde gegen *) Kurz's Beiträge zur Geschichte des Landes ob der Enns. B. IV, S, 482. Nro. XXX. **) Preuenhuber S. 119, 1120. *"'*) Original von Steier. Neustadt dtn 25. Juli 1466. t) Licbnow~ky \'II, _Reg. 1125. Archiv von Willirrgau.

28 Steier versucht, wo man von der guten Gesinnung der meisten Bürger versichert war. Der Kaiser schickte nämlich nach der l\Iitte des Januar den Herzog Albrecht von Sachsen, seinen Neffen, mit 400 Reitern und ohne Zweifel auch mit Fussvolk gegen diese Stadt. Unter ihm waren als Befehlshaber Graf Wolfgang von Schaunberg, Heinprecht von Walsee und Georg von Volkcnstorf, sie sollten die Stadt besetzen und von den Bürgern die Huldigung fordern. Jörg von Stein war damals abwesend von Steier und be– fand sich zu Aschbach im Lande unter der Enns (nicht weit von Seitenstetten) , welche ... Ortschaft zu den ihm verpfändeten Besitzungen gehörte , und wo er viele böhmische Söldner in seinem Dienste hatte. Die Burg zu Steier war ebenfalls von seinen Truppen besetzt. Dessen Abwesenheit benfüzend kam der Herzog Albrecht mit seinen Soldaten wirklich in die Stadt, die Bürger leisteten die Huldigung, obgleich manche sich da– gegen aussprachen und dem Jörg von Stein Treue und Gehorsam schuldig zu sein glaubten ; die Burg blieb aber in Jörgs Gewalt. Seine Anhänger meldeten ihn1 alsogleich diesen Vorfall und er schickte ein Schreiben an den Herzog_, worin er erklärte, der Kaiser habe vermöge seiner Verschreibung kein Recht auf Steier, doch wolle er persönlich oder schriftlich darüber Rede stehen. Allein diess war nur eine List den Herzog sicher zu machen, denn er hatte schon einen UeberfaJI auf Steier beschlossen. Diess meldeten auch die treuen Bürger dem Herzoge und riethen ihm und den Edlen, sich wegzubegeben, weil er gegen die heranrückende Macht zu schwach sei. Nach langem Wieder– streben gab er nach und entfernte sich , Volkenstorf übernahm den Oberbefehl über die Truppen und Bürger. Jörg von Stein rückte Anfangs in die am rechten Ufer der Enns liegende Vorstadt Ennsdorf und wolHe von dieser Seite über den Fluss setzen , um zu den Seinigen in das Schloss zu gelangen, aber er zog sich wieder zurück, setzte weiter unter– halb ungehindert über die Enns und rückte 2m 29. Januar mit

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