Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 16, Dezember 1956

an beut Verfalle der Religion mib ber Ausbreitung neuer Lehren Schuld trüge, ba er nebst Duldung ketzerischer Predigten den Geistlichen tiieht den nötigen Beistand leiste.17 *) Am Sonntag Trinitatis 1531 veranstaltete der Rat „zur besonderen Knrtz- weil" der Bürger einen Glückshafen, bei dem 20 Gulden, und ein Freischießen, bei betn 24 Gulden zu gewinnen waren. Im selben Jahre mußten Kleinodien und Gelder der Kirchen unb Bruderschaften neuerdings nach Linz gebracht werden.'G Der Erlös atis den Kirchenschätzen und die Kirchengelder sollten zur Befestigung Wiens verwendet werden, da man wieder einen Einfall ber Türken fürchtete. Tatsächlich rückte Sultan Solimatt 1532 an der Spitze eines großen Heeres über Ungarn vor. Streifende Türkenscharen erreichten die Umgebung Steyrs und brandschatzten Dietach, Gleink, Wolfern und Stadelkirchen. Losensteinleiten blieb durch den listigen Einfall eines Jägers vor der Zerstörung bewahrt. Der Rat ließ Die vorhandenen Lebensmittel in ber Stadt aufnehmen; die Bürger mürben aufge­ boten, jedes Haus mußte einen Mann stellen. Als die Steyrer die brennenden Ge­ höfte jenseits des Ramingbaches beobachten konnten, wurden alle Bürger unter die Waffen gerufen. Sie wurden, zusammen mit einer Anzahl bewaffneter Untertanen Der Herrschaft und einigen angeworbenen Soldaten, zur Furt an der Enns geschickt, um ein übersetzen des Feindes über den Fluß zu verhindent. Etliche Steyrer, ver­ stärkt durch 40 kärntnerische Reiter unter Hans von Himmelberg, rückten gegen die am Ramingbach plündernden unb sengenden Dämmten, mußten sich aber zurück­ ziehen, da sie dem Feinde, der eine Stärke von 10.000 Mann hatte, nicht gewachsen waren. Der mit 1000 geharnischten Reitern durchziehende steirische Landeshaupt­ mann Hans von Ungnab lehnte die inständigen Bitten des Bürgermeisters und einiger Ratsmitglieder tun militärischen Beistand mit den Worten: „Lieber Herr Bürgermeister, seyd frölich, was Gott schickt, das ist gut, sehet zu den Toren", ab.19 *) Auf dem 1534 in Linz abgehaltenen Landtage wurden die Städte aufgefordert, eine Anzahl von Pferden zu unterhalten, damit sie für einen eventuellen künftigen Türkeneinfall für die Bewaffneten zur Verfügung stünden. Die Städte erklärten, sie seien nicht in der Lage, solche Auslagen zu tätigen, da sie durch die Kriegsläufte verarmt seien. Der Delegierte Steyrs legte dar, daß die Stadt nur mehr ein Jahres­ einkommen von 2000 Pfund Pfennig habe."9) Zu dieser Zeit wurden in der Pfarrkirche schon Predigten im Sinne der Lehren Luthers gehalten. Der katholische Burggraf Hoffmann, der auch Dbersthosmeister des Kaisers war, forderte 1536 den Bürgermeister und vornehme Räte der Staat auf, die Bürger zu beeinflussen, nicht mehr solche Predigten zu besuchen. Er glaubte auch aufmerksam machen zu müssen, daß bei Weiterbeharren in der Duldung der neuen Lehren die Stadt beim Landesfürsten in Ungnade fallen könne, was unter Umständen zu einem Verlust der der Stadt von den Landesfürsten gewährten Privi­ legien führen könnte. Diese Privilegien der Landesfürsten, besonders das große Pri­ vilegium Herzog Albrechts I. vom 23. 8. 1287,21) hatten die wirtschaftliche Blüte Steyrs begründet. Ihr Verlust hätte eine schwere wirtschaftliche Sanktion bedeutet. l7) 1529 kam es zu einem Vergleich zwischen der Stabt und dem Garst»er Abt in dieser Angelegenheit. Die Steyrer anerkannten den Abt als obersten Priester, er hingegen versprach, geeignete Seelsorger einzusetzen. Die Stadt sollte weiters für einen ent-- sprechenden Unterhalt der Pfarrer und für ein genaues Verzeichnis der Stiftungen, Das bisher nicht vorhanden war, Sorge tragen, damit die gestifteten Messen abgehalten werden könnten. «) 2.35. 1. S. 247. — 19) 2.35. 1, S. 249. — -°) 2.35. 1, S. 255. n) Alles nach Steyr gebrachte Holz unb Eisen mußte den Bürgern drei Tage lang feil­ geboten werden. Die eisenverarbeitenden Handwerker konnten sich so das beste Roh­ material für ihre Erzeugnisse aussuchen. — 1347 erteilt« Herzog Albrecht VI. der Stabt ein Jahrmarktsprivilegium und 1356 das Recht, daß niemand im Umkreise einer Meile Wein ausschenken dürfe. Herzog Albrecht III. bewilligte der Stadt im Jahre 1378 einen eigenen Stadtrichter. 17

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