Previous Page  16 / 20 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 16 / 20 Next Page
Page Background

Urkundlich wird die „Styrapurch" 985 erwähnt. Die Burg wurde durch

Ottokar III. aus dem Geschlechts der T r a u n g a u e r, der späteren Nt a r k-

grasen von S t y r a, die in Steiermark große Besitzungen hatten, um 980

errichtet, zweifellos als Bollwerk gegen die Magyaren. 1056 erfolgte die Be­

lehnung der „Mark" (Steiermark) durch den Kaiser. Die Stadt war im

11. und 12. Jahrhundert die Residenz- und Dingstadt der (Markgrafen. Kaiser

Friedrich I. (Barbarossa) erhob 1180 den letzten des Geschlechtes, Ottokar VIII.,

zum Herzog. 1183 übergab dieser seine sämtlichen Länder an Herzog Leopold V.

von Österreich, wodurch auch Steyr unter die Herrschaft der Babenberger

gelangte. Von den Ottokaren stammt das Stadtwappen: Feuersprühender

weißer Panther im grünen Feld. Albrecht I. von Haböburg verlieh 1287 Steyr

das Stadtrecht (älteste Urkunde im städt. Archiv) mit eigener Gerichts­

barkeit über die Bürger, einem vom Landesfürsten bestätigten Gtadtrichter, einem

eigenen Stadtrat (anfangs zumeist Adelige), Stapelrecht, Einhebnng von Steuern,

Mautgebühren usw. In der Folge entwickelte sich ein streng geregeltes Zunft­

wesen, insbesondere jenes der Messer-, Nagel-, Bohrer-, Ahl- und Waffen­

schmiede. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurde Steyr fast ganz protestantisch;

zu dieser Zeit bekannten sich nur mehr 16 Bürger der Stadt zum katholischen

Glauben. Die Gegenreformation schlug Steyr blutige (Wunden und verursachte

zahlreiche Auswanderungen der protestantisch gesinnten Bevölkerung. Große

Brände, mehrmalige Hochwasserkatastrophen und auch die Pest brachten die Stadt

wiederholt an den Rand des Abgrundes; die blühende Eisenindustrie verfiel, Handel

und Wandel stockte; erst nach dem Dreißigjährigen Krieg kam wieder ein Auf­

schwung, bis im Osterr. Erbfolgekrieg (1741) und in den Napoleonischen Kriegen

(1800, 1805 und 1809) abermals empfindliche Rückschläge erfolgten. Die edle

Kunst des (M eistersanges fand auch in Steyr eine gute Pflegestätte: 1590

werden 12 heimische Meistersänger, darunter ein Messerer, ein Ahlschmiod und

ein „Schuhknecht" aufgezählt. Durch die Gründung der Waffenfabrik, die in

das 4. und 5. Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts fällt, erhielt Steyr Weltruf.

Seit 1867 >st Steyr eine autonome Gemeinde und sein (Magistrat hiedurch

die politische Behörde für den ganzen Stadtbezirk.

Wirtschaftliche Bedeutung der Stadt.

Von jeher war die „alte Eisenstadt" mit ihrem Gewerbe für die nähere und

weitere Umgebung von ganz besonderer Bedeutung. Wie in den früheren Jahr­

hunderten, wo Steyr noch der ausschließliche Stapelplatz für das am Erzberge

in Obersteiermark gewonnene Eisen war und wo zahlreiche Messer-, Nagel-,

Bohrer-, Ahl- und Waffenschmiede ihre Erzeugnisse in alle Welt versandten und

das Wohl und Wehe der Stadt von dem Geschäftsgänge dieser eisenindustriellen

Unternehmungen abhing, so ist auch heute das ganze Wirtschaftsleben der Stadt

mit der von ihrem genialen Schöpfer Josef W e r n d l ins Leben gerufenen

Osterr. Wafsenfabrik, der gegenwärtigen Automobilfabrik aufs innigste ver­

knüpft; in der Tat verleiht dieses großartige Unternehmen der Stadt das eigene

Gepräge. Wie sehr jede Krise in diesem Industriezweig sich auch auf die

16