Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 37, Juni 1986

All diese Pläne stützten sich auf eine entsprechende Ausweitung des Arbeitskräftepoten­ tials und brachten eine ständige Zunahme der Bevölkerung mit sich. Auf Befragen der Reichsstellen legte der Generaldi rektor der Steyr-Werke, Dr. Meind l , dar, daß Steyr eine Siedlung von mindestens 2.000 - 4.000 Wohnungen benötigte, eine Ziffer, die für ostmärkische Verhältnisse phantastisch schien, die aber eine unabweisliche Not­ wendigkeit fü r die im steten Ausbau begriffenen Steyr-Werke war.7) Am 9. 9. 1 94 1 erreichte Steyr bereits die 50.000 Einwohnerg renze. Da die Bevölkerungs­ ziffer von offiziellen Stellen bereits vor Kriegsbeginn mit 70.000 kalkuliert wurde und Steyr somit zu einem I ndustriezentrum ersten Ranges in Oberdonau werden sollte, waren die Stadt und die Werke an einer umfangreichen Ausdehnung sowohl ihrer Anlagen als auch der Schaffung von Wohn raum bemüht.B) Um nun »ihrer um das vielfache gestiegene Gefolgschaft so rasch als möglich gesunde und würdige Wohnungen zu schaffen, entschlossen sich die Steyr-Werke ( . . .) zum Bau der Großsiedlung in Münichholz, einem der g rößten Wohnungsbauprog ramme in der Ost­ mark.«9) Das »neue« Steyr, wie es von den Machthabern propagandistisch genannt wurde, sollte Wohnraum für 20.000 - 30.000 Menschen bieten und sollte den »fremden« deutschen Ar­ beitskräften, die »unmittelbar oder mittelbar du rch die Steyr -Werke Arbeit und B rot« fan­ den und i h ren Nachkommen zur Heimat werden. 10 ) M it der Planung und Du rchführung wu rde die Wohnungsaktiengesellschaft der Reichswer­ ke »Hermann Göring« betraut, deren wichtigstes Ziel es war, diese außergewöhnl ichen Siedlungsaufgaben im Zuge des kriegsbedingten Ausbaues der Schwerindustrie zu über­ nehmen. 1 1 ) 1 ) vgl. Heimatblatt, amtliches Blatt der NSDAP, Kreis Steyr, Das nationalsozialistische Arbeitsbe- schaffungsprogramm unserer Stadt - Steyr erhält ein neues Gewand, vom 30. 10. 1938 2) ebenda 3) Slapnicka, Harry, a.a.O., S. 140 4) vgl. Heimatblatt, Die Steyr-Werke bauen das neue Steyr, Nr. 42, vom 18. 10. 1940 5) Tabelle nach Slapnicka, a.a.O., S. 151 6) Slapnicka, Harry, a.a.O., S. 137 - 150 7) vgl. Heimatblatt, Die Steyr-Werke bauen das neue Steyr, N r. 42, vom 18. 10. 1940 Der Steyrer Stadtbaudirektor Schüller sprach am 27. 9. 1940 sogar von einer Zahl von 10.000 benötigten Wohnungen. 8) vgl. Heimatblatt, Das nationalsozialistische Arbeitsbeschaffungsprogramm unserer Stadt, vom 30. 10. 1938. 9) Jahrbuch des Kreises Steyr 1942, a.a.O. , S. 271 und 279 1 0 ) vgl. Heimatblatt, Die Steyr-Werke bauen das neue Steyr und Tagespost, ein neuer Steyrer Stadt­ teil - die Großsiedlung Münichholz wächst heran, vom 25. Juni 1940 S. 4 1 1 ) vgl. Daheim bei der WAG, Informationen für Mieter und Wohnungseigentümer, 1938 - 1 984, Die »Geschichte« der WAG, N r. 32/1984, S. 377 22

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