Das Kloster der Karteileiter. Gmunden jährig, jubiläum 1828—1928. von Florian Oberchristl. Gmunden, 1928. Verleger: Karmelitinnen=Kloster in Gmunden. Drucker: Salzkammergut-Druckerei, Gmunden.
Das Kloster der Karteileiter. 1 Gulden Zum 100jährig, Jubiläum 1828—1928. Von Florian Oberchristl. Gmunden, 1928. Verleger: Karmelitinnen=Kloster in Gmunden. Drucker: Salzkammergut=Druckerei, Gmunden.
-- Die Wege Gottes sind unerforschlich. Dies zeigte sich auch bei der Grundung des Klosters der Karmelitinnen in Gmunden. Eine Konvertitin aus Livland (Rußland) war ausersehen, die Anregung zu dieser Gründung zu geben. Aloisia Petro¬ witsch, die Tochter armer evangelischer Landbewohner in Livland, hörte einst eine Aeußerung, daß die Katholiken bei Gott bes¬ ser stünden als die Protestanten. Sie fühlte seit dieser Zeit ein großes Verlangen, den katholischen Glauben kennen zu lernen. Bald darauf kommt sie nach Riga in Stel¬ lung, dort lernt sie den katholischen Glauben kennen, erhalt von Jesuiten gründlichen Unterricht und wird Katholikin. Sie macht von ihrem Herzensglück ihrer Mutter und ihren Geschwistern Mitteilung und führt auch diese dem katholischen Glauben zu. Nach einiger Zeit hörte sie von der be¬ gnadeten Anna Katharina Emmerich und erfuhr, daß es in Deutschland auch Frauen¬ klöster gebe. Von dem Wunsche beseelt, Ka¬ tharina Emmerich kennen zu lernen und wenn möglich in ein Kloster eintreten zu können, machte sie sich Ende Winters mit ihrer Schwester auf und wanderte zu Fuß nach Deutschland. Sie kommen wirklich zu Katharina Emmerich, erbauen sich an dieser
heiligmäßigen Seele und finden dann auch Aufnahme in dem Kloster La Trappe bei Münster in Westfalen, und zwar als Laien¬ schwestern=Kandidatinnen. Leider mußten die zwei Schwestern sowie auch die anderen Kandidatinnen, die noch nicht die Profeß ge¬ macht hatten, nach ungefähr einem Jahre die¬ se Stätte des Friedens und inneren Glückes über Weisung der Landesregierung wieder verlassen. Die Schwester der Aloisia, die krank war, blieb zuruck und starb bald dar¬ auf. Aloisia aber wallfahrtete mit einer an¬ deren Konvertitin aus Livland, namens Au¬ gustina, zu Fuß nach Rom, der Ewigen Stadt, und besuchte auf dem Wege dorthin auch Loretto und andere Wallfahrtsorte. In Rom konnte sie zweimal mit dem Hl. Vater Pius VII. sprechen. Nach mehreren Jahren tam sie nach Gmunden, wo ihr stiller Wunsch, in ei¬ nem christlichen Hause unterzukommen, in Erfüllung ging. Sie tam in das Haus der drei Geschwister Andreas, Johann und Magdalena Traweger. Der Vater Traweger hatte einen gut gehen¬ den Leinwandhandel in Gmunden. Die drei Geschwister waren ledig, bereits ziemlich be¬ tagt und lebten in gutem Frieden mitsam¬ men. Aloisia Petrowitsch erwarb sich durch ihre treue Dienstleistung und echte Frömmigkeit so sehr die Liebe der drei Geschwister, daß diese sie sogar als Erbin ihres Vermogens einsetzen wollten. Aloisia ging aber auf die¬ sen Wunsch nicht ein, sie machte vielmehr den Vorschlag, die drei Geschwister sol¬
len ihr Haus (das Herverstorffsche Frei¬ haus in der Vorstadt Traundorff samt Garten, einer Wiese und kleinem Waldgrund und ihr Vermogen zur Grundung eines Frauenklo= sters in Gmunden verwenden. Dieser Vorschlag gefiel aber den sonst so frommen Geschwistern Traweger nicht; be¬ sonders Johann Traweger war dagegen. Ja er außerte sogar: solange er lebe, werde sein Haus kein Kloster werden. Nun geschah es, daß den Geschwistern auf ungerechte Weise ihr Haus genommen wurde. Damit schien auch die Grundung eines Frauenklo= sters endgültig erledigt zu sein. Johann Traweger war durch das Unglück, das ihn und seine Geschwister durch den Verlust und das erlittene Unrecht getroffen, so erschüt¬ tert, daß er das Versprechen machte, wenn er und seine Geschwister wieder in den Besitz des Hauses gelangen sollten, es sogleich zu einer Klostergrundung herzugeben. Und wirklich bekamen sie wieder ihr Haus und trachteten jetzt darnach, ihr Versprechen zu erfüllen. Doch gab es noch viele Schwierigkeiten. Zunächst fanden sie niemand, der sich um die Grundung annahm. Da wendeten sie sich an den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Linz, Gregorius Thomas Ziegler, der freudig auf das Anerbieten einging. In seinem Auftra¬ ge müßte Pater Jldephons, der damalige Prior der Karmeliten in Linz, wegen einer Neugrundung in Gmunden mit den Kar¬ melitinnen in Prag in Unterhandlung tre¬ ten. 5
Nach längeren Verhandlungen sagten die Schwestern in Prag zu. Bischof Gregorius Thomas erwirkte die Zustimmung des Kai¬ sers Franz I. zur Grundung des Karmeli= tinnen=Klosters in Gmunden am 12. Febru¬ ar 1828 (am 60. Geburtstage des Kaisers). Fursterzbischof Wenzel Leopold von Prag hatte vier Karmelitinnen aus dem Prager Kloster auf dem Hradschin für die Neugrün¬ dung in Gmunden bestimmt, und zwar: Als Priorin Mutter Maria Leopol¬ dina Josepha vom hl. Michael, Schwester Maria Eletta von Jesus. Sie wurde vom Bischof Gregorius Thomas zur Supriorin von Gmunden er¬ nannt; Schwester Maria Stanislaa vom heiligsten Herzen Jesu; Schwester Johanna Josepha von den fünf Wunden Christi. Außerdem die Kandidatin Fräulein An¬ tonia Seutin. Am 29. Juni 1828 erfolgte die Abreise aus Prag. Der Fürsterzbischof hatte für diese Reise gesorgt, indem er genau den Weg und die Raststationen, die er schon infor= miert hatte, vorschrieb. Die Schwestern soll¬ ten meist in der Nacht fähren, um alles Auf¬ sehen zu vermeiden. Die Reiseauslagen (mit Ausnahme der Wagenfahrten übernahm der Fürsterzbischof, welcher noch am Vortage ins Kloster der Karmelitinnen kam, um den Schwestern Gottes Segen für die Reise und für ihre Tätigkeit in Gmunden zu wünschen. Als Begleiter wurden bestimmt Pater Wenzel Hugo Seytora vom Pramonstraten¬ 6
serstift Strabow=Prag und der Klosterie¬ ner Wenzel Muß. Die Reise selbst war für die Klosterfrau¬ en eine sehr anstrengende; die Priorin M. Leopoldina stand im 73. Lebensjahre. Die Schwestern waren die Wagenfahrt nicht ge¬ wohnt, sie tamen durch die Reise aus ihrer gewohnten Lebensweise, die Nachtruhe war durch die Fahrt behindert. Am 29. Juni 1828 um 9 Uhr abends ver¬ ließen die Schwestern das Kloster. Als sie beim bischöflichen Palais vorbeiführen, er¬ teilte ihnen der Erzbischof vom Balkon aus noch einmal den Segen. Gegen 3 Uhr früh tamen sie in Beneschau, der ersten Sta¬ tion an, wurden vom Dechant freundlich aufgenommen, erhielten ein Frühstück und setzten um 4 Uhr früh die Reise fort nach Mitschin. Dort wohnten sie der hl. Mes¬ se bei, konnten sich dann im Pfarrhofe aus¬ ruhen, um die Weiterreise abends fortzu¬ setzen. Die Ruhezeit verbrachten sie meist in der Kirche vor dem Tabernakel, wo sie auch ihr Breviergebet verrichteten. Um 9 Uhr abends setzten sie die Reise fort bis So¬ bieslau, wo sie um 2 Uhr früh vom De¬ chant begrüßt und mit einem Frühstück für die Weiterreise gestärkt wurden. Um 4 Uhr morgens setzten sie die Fahrt wieder fort bis Budweis, als Gäste des Bi¬ schofs, der aber auf einer Firmungsreise sich befand, konnten sie in der bischöflichen Hauskapelle der hl. Messe beiwohnen. Den Ruhetag verbrachten die Schwestern meist in der Hauskapelle.
Abends um 9 Uhr wurde die Fahrt nach Kaplitz angetreten, wo sie am 2. Juli ge¬ gen 3 Uhr morgens ankamen. Nach kurzer Rast im Dechantshofe führen die Schwe¬ stern um 4 Uhr weiter nach Freistadt, wo sie noch einer hl. Messe beiwohnen und die hl. Kommunion empfangen konnten. Hier blieben sie bis 3 Uhr früh des nächsten Tages. Die Fahrt im geschlossenen Wagen ermüdete die Schwestern, besonders die be¬ tagte Priorin litt darunter sehr, so daß sie von Freistadt weg in dem offenen Wagen des Pater Beichtvaters fahren mußte. In Linz langten die Schwestern am 3. Juli gegen 10 Uhr an; sie fanden bei den Elisabethinen liebevolle Aufnahme. Zwei Tage blieben sie in Linz. Am 4. Juli tamen auch Fräulein Magdalena Traweger und Aloisia Petrowitsch von Gmunden nach Linz, um die Schwestern zu begrüßen und sich mit ihnen zu besprechen; sie führen so¬ gleich wieder nach Gmunden zuruck, um die nötigen Vorbereitungen zum Empfang zu treffen. Im Auftrage des Linzer Bischofs Grego¬ rius Thomas Ziegler begrüßte Kanonicus Schwerdtling die Schwestern und ord¬ nete ihre Weiterreise. Auch die Patres Kar¬ meliten begrüßten die angekommenen Schwestern mit großer Freude und luden sie für den nächsten Tag zur hl. Messe und Kommunion in ihre Kirche ein. Die Schwe¬ stern besuchten auch die Ursulinen in Linz, wo sie ebenfalls freundlichst aufge¬ nommen wurden. Hier trafen sie eine alte Schwester, die noch im aufgehobenen Kloster
der Karmelitinnen in Linz (jetzt Kloster der Barmherzigen Bruder ihre Profeß gemacht hatte und nach der Aufhebung zu den Ur¬ sulinen übergetreten war. Wie glücklich war diese alte Schwester darüber, daß in der Di¬ ozesse Linz wieder ein Kloster ihres Ordens gegründet werden konnte. Sie gab den Gmundner Schwestern ein kleines Fesu¬ kindlein aus Wachs mit, das sie selbst sehr verehrte. Die Ursulinen und Elisabethinen gaben den Gmundner Schwestern praktische Ge¬ schenke für das neue Kloster mit, am meisten aber halfen die Karmeliter=Patres, die ei¬ nen ganzen Wagen voll verschiedener Ge¬ brauchsgegenstande nach Gmunden schickten. Die liebevolle Aufnahme und Mithilfe an der Neugrundung war für die Schwestern ein großer Trost. Am 5. Juli fruh reisten die Schwestern nach Wels, wo Pater Hugo zelebrierte und den Schwestern die hl. Kommunion reichte. Der Vorstadtpfarrer Ozelsberger lud die Schwestern zum Frühstück ein, nach kurzem Aufenthalt führen sie nach Lambach weiter, wo ihnen im Stifte ein Mittagmahl bereitet war, über Ersuchen des Bischofs. Hierauf führen sie dem Ziele zu und tamen gegen 5 Uhr in Gmunden an. In Gmunden erwartete die Schwestern eine große Volksmenge, welche das Haus so sehr umstellte, daß die Schwestern kaum aus dem Wagen steigen konnten. Als die Leute, welche schon voll Freude auf die Schwestern warteten, sahen, daß diese verschleiert aus den Wagen stiegen, sagten sie: die Schwestern
mussen sich sehen lassen, die Mutter Gottes hat sich ja auch sehen lassen. An der festlich geschmuckten Pforte des Hauses empfingen der Dechant von Gmun¬ den, Franz Wailig, im Vespermantel, nebst seinen beiden Kaplanen, der Kapuzinerkon¬ vent mit Pater Guardian Odilo Schlung und Pater Vitar Fidelis Sartori die Schwe¬ tern, reichte ihnen das Weihwasser und führ¬ te sie ins Haus. Hier begrüßten die Schwe¬ stern eine große Menge Schwalben, die auf dem eisernen Gitter saßen, mit lautem Ge¬ zwitscher. Im Saale des Hauses übertrug Pater Hugo im Auftrage des Erzbischofs von Prag die Sorge für die Schwestern dem Dechant von Gmunden, welcher dann den Schwestern den Pater Fidelis, Vitar des nahen Kapu¬ zinerklosters, als Beichtvater vorstellte. Auf Bitten der Schwestern, daß sie die Klausur auch zur Anhörung der hl. Messe nicht mehr verlassen dürfen, wurde der Saal für die hl. Messe hergerichtet und Pater Hugo er¬ klärte sich bereit, am nächsten Tage die yl. Messe hier zu zelebrieren. Der Dechant weihte noch die einzelnen Raume des Hau¬ ses ein, dann entfernten sich alle. Die Schwestern hatten die Stifter des Klösterleins erst nur flüchtig begrüßen kön¬ nen, jetzt begrüßten die Stifter und Fräulein Aloisia Petrowitsch mit großer Ehrfurcht und unter Freudentranen die Schwestern in ihrem neuen Heim. Die folgende Nacht ver¬ brachten die Stifterin Magdalena Trawe¬ ger und Aloisia in einer Hütte des Gartens, die beiden Bruder Traweger hatten sich in 10
das kleinste Stubchen des Hauses zuruckgezo¬ gen. Die Schwestern hatte hievon keine Ab¬ nung und ließen es natürlich später nicht mehr zu. Schon in den nächsten Tagen wurde der Saal zur Kapelle hergerichtet und die Schwe¬ stern begannen sogleich mit dem Chorgeber und den klösterlichen Uebungen nach ihren Ordensregeln, soweit dies durchführbar war. Bis zum 25. Juli 1829 wurde in diesem Saa¬ le die hl. Messe für die Schwestern zelebriert. Mit den Schwestern war von Prag auch die Kandidatin Fräulein Antonia Seutin nach Gmunden gekommen. Nach 14 Tagen tam ihr Vater, Med. Dr. Seraphin Sentin, von Wien, um den Schwestern mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Dr. Seutin, der größte Wohltäter der Karmelitinnen in Gmunden, erklärte sich bereit, die Kosten des Umbaues des Klosters zu tragen. Weil aber für den Bau noch nichts vorgesehen war, mußte auf das nächste Frühjahr gewartet werden. Inzwischen wurden durch spanische Wande im Hause einzelne Zellen hergerich¬ tet und die notwendigsten Aenderungen vor¬ genommen. Bereits am 15. August 1828 fand die erste feierliche Einkleidung statt, zu welcher der Dechant von Gmunden vom bischöflichen Ordinariate in Linz ermächtigt worden war. Eingekleidet wurden: die Stifterin Magda= lena Traweger, welche den Namen Maria Magdalena Josepha von Jesus erhielt, dann Antonia Seutin (Emanuel Maria vom hl. Joseph) und Aloisia Petrowitsch (Maria Aloisia vom hist. Herzen Jesus. Der 11
Feier wohnten die Angehörigen bei sowie die Angesehensten der Stadt und viele Men¬ schen, soweit der Raum sie fassen konnte. Die Feier machte auf alle einen tiefen Eindruck. Noch im September 1828 besuchte Bischof Gregorius Thomas Ziegler die Schwestern in ihrem neuen Heim und erlaubte ihnen auf ihre Bitte die Aufbewahrung des heilig¬ sten Altarssatramentes in ihrer Kapelle, so¬ bald sie einen entsprechenden Tabernakel hatten. Pater Jldephons, Prior der Karme¬ liten in Linz, übersandte auf die dringende Bitte der Schwestern sogleich einen Taber¬ nakel. Seit 28. September 1828 wohnen die Schwestern im Karmel zu Gmunden mit dem Heiland unter einem Dache. Schwester Maria Magdalena Traweger machte nicht die Profeß, sondern lebte (als Stifterin) im Kleide einer Laienschwester im Kloster. Maria Aloisia Petrowitsch, die durch ihr Tugendbeispiel bei den Schwestern sehr geachtet war, mußte wegen Kränklichkeit, die im Kloster immer mehr zunahm, schlie߬ lich austreten. Die Schwestern bewahrten dieser frommen Seele immer große Dank¬ barkeit. Ste starb am 15. August 1835, am Feste Maria Himmelfahrt, in Rom als Vor¬ steherin eines Institutes. Am 5. Jänner 1829 trat Eleonore Stig¬ ger, Kaufmannstochter aus Haiming in Ti¬ rol, ein, bald darauf Maria Friedl, Bauers¬ tochter aus Ostermiething. Als die Klosterfrauen die Stiftung von den Geschwistern Traweger übernahmen, fehlte es fast überall am Notigsten. Die Ar¬ 12
mut war oft sehr drückend und groß. Die Chronik berichtet nur einige Tatsachen. „Gleich anfangs, nachdem man die den Schwestern geliehenen Strohsacke wieder zu¬ rückbegehrte, mußten die Schwestern durch längere Zeit auf offenem Stroh ihre Nacht¬ ruhe nehmen; dann hatten sie nur so viele Sesseln als Schwestern waren, sie mußten daher die Sesseln von einem Gemach ins an¬ dere tragen, vom Chor= ins Speisezimmer. Zu manchen Zeiten gebrach es ihnen so an allem, daß sie nicht einmal so viel hatten, wo¬ mit sie einen Brief (Briefmarke, bezahlen oder eine Kerze hatten kaufen können. Ja selbst an Nahrungsmitteln litten sie oft be¬ deutenden Abgang". — Doch der Herr half immer wieder der größten Not ab, beson¬ ders auch durch kleine Almosen. Bekannte und Angehörige der Schwestern bemühten sich, dem Kloster beizustehen. Zur großen Armut kamen noch Verfol¬ gungen und Beschimpfungen aller Art. Außerdem litten die Schwestern durch die Beschränktheit des alten Hauses, in dem sie wohnten, sowie durch das Ungeziefer usw. Eine Folge dieser Verhältnisse war, daß in kurzer Zeit mehrere Schwestern erkrankten und starben. Die Räumlichkeiten im Hause waren so beschränkt, daß nur zehn Schwestern drinnen wohnen konnten. Als eine Kandi¬ datin antam, mußte sie eine Zeitlang bei ihrer leiblichen Schwester außerhalb des Klosters übernachten. Im April 1829 tam Dr. Sentin von Wien nach Gmunden und nahm den Bau¬ meister Joseph Kornhaußl mit, der die 13
Pläne für den Umbau machte. Es war das Streben, vom übernommenen Hause so viel als möglich stehen zu lassen, um dadurch die Adaptierungen zu verbilligen. Zunächst wurde am 23. Mai 1829 mit der Garten= und Klausurmauer begonnen, welche noch in die¬ sem Jahre vollendet werden konnte. Dann wurde der Kapellenbau in Angriff genommen, wozu die Einfahrt des Hauses verwendet wurde. Am 25. Juli 1829 konnte der Stadtpfarrer von Gmunden Franz Wai¬ lig die Kapelle einweihen. Am 29. August 1829 legte Schwester Ema¬ nuela Maria vom hl. Joseph (Seutin) die hl. Ordensgelübde ab. Hiebei war auch ihr Vater, Dr. Seutin, anwesend. Im Herbste 1829 wurden noch die Funda¬ mente zum Klosterbau gelegt und im April 1830 mit dem Um= bezw. Neubau der Kirche und des Klosters begonnen. Am 5. August wurde im Garten ein gro¬ pes Kreuz durch Dechant Warlig feierlich geweiht. Mutter Leopoldina, die von Prag nach Gmunden gekommen war, um hier die neue Stiftung durchzuführen, sollte nun wie¬ der nach Prag zuruck. Die Reise ware für die kränkliche 77jährige Frau wohl sehr be¬ schwerlich gewesen. Ueber Bitten der Schwe¬ stern durfte sie zur Freude aller in Gmun¬ den verbleiben. Sie hatte bereits vier Jahre als Priorin in Gmunden segensreich ge¬ wirkt. Nach den Statuten der Karmelitinnen mußte die Wahl einer neuen Priorin vorge¬ nommen werden. Im Auftrage des Bi¬ schofs nahm Dechant Wailig von Gmunden 14.
im Beisein des Pfarrers Jakob Brunner von Altmünster die Wahl vor: Schwester Maria Elekta (Hoßner, wurde am 11. Juli 1832 zur Priorin gewählt. Suopriorin wur¬ de Schwester Emanuela Maria (Seutin). Am 13. September 1832 legte der Hoch¬ würdigste Herr Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz im Beisein der Stadt¬ gemeinde-Vertretung und der Honoratioren feierlich den Grundstein für das Kloster und die Kirche. Der Grundstein der Kirche liegt unter dem Hochaltare. Im Jahre 1833 kamen zwei Turmglocken an, welche der Bischof in Linz geweiht hatte, die größere erhielt den Namen Maria Jo¬ sepha, die kleinere Maria Theresia. Sie waren eine Spende Seutins. Dr. Sentin kam auch in diesem Jahre wie bisher alle Sommer nach Gmunden und bezahlte wieder die schon lange auf ihn wartenden Rechnungen des Baues. Im April 1834 wurde der Bau fortgesetzt. Es wurde dabei besonders darauf Rücksicht genommen, daß die Kirche bald ausgebaut werde. Der fertige Teil des Klosters wurde bezogen, leider zu früh, wie die Erkrankun¬ gen und mehrere Todesfalle zeigten. Durch diese schweren Heimsuchungen des Klosters fand sich Bischof Gregorius Thomas veranlaßt, die Strenge des Ordenslebens in etwas zu mildern, indem er das gemein¬ same Chorgebet bei Tag und Nacht einstellte. Die Schwestern sollten, soweit sie nicht durch Krankheit verhindert waren, das Brevier¬ gebet einzeln verrichten. 15
Am Feste der hl. Theresia, am 15. Oktober 1834 wurde das Kirchlein vom Dechant Wai¬ lig benediziert (geweiht, und das Hochwür¬ digste Gut von der bisherigen Kapelle über¬ tragen. Sehr viel Volk nahm teil daran. Darauf war feierliches Hochamt mit Tedeum. Die Schwestern erhielten auch wieder die Erlaubnis, das Brevier gemeinsam zu beten. Der Bau war der Hauptsache nach voll¬ endet. — Am Feste Maria=Schnee, 5. August 1835, nahm der Hochwürdigste Herr Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz die feierliche Einweihung der Kirche vor, und zwar zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und der hl. Elias, Albertus, Theresia und Johannes vom Kreuze. An der Feier nahmen auch General August Freiherr von Wöber, Dr. Sentin, die beiden Bruder Tra¬ weger, mehrere Priester und viel Volk teil. Die Schwestern wohnten im Chore der Feier¬ lichkeit bei. Dr. Seutin, der große Wohltäter des Klo¬ sters, gab für den Bischof, die Honoratioren und die Geistlichkeit eine Tafel, desgleichen auch eine für die Burger und eine eigene für Arme und Kinder. Die Stadt Gmun¬ den ehrte ihn durch Musik, Feuerwerk und Pöllerschießen. Am 10. August 1836 starb der alte Stif¬ ter Andreas Traweger an Alters¬ schwäche. Ein schwerer Verlust für das Kloster war der Tod der Stifterin und Priorin Leopol¬ dina Josepha vom hl. Michael aus Prag, die am 6. September 1837 im Alter von 82 Jah¬ ren verschied. - 16 -
Am Gründonnerstag des Jahres 1838 starb Johann Traweger unter prie¬ sterlichem Beistand. Die ganze Einrichtung der beiden Bruder Traweger löste Dr. Sen¬ tin dem Kloster ab und schenkte sie den Ar¬ men. Im Jahre 1839 traf der Bischof die Ver¬ fügung, daß die Schwestern die Verwendung von Oel zur Bereitung der Speisen (in der Fastenzeit) aus Gesundheitsrücksichten ver¬ meiden dürfen. Am 2. Mai 1841 starb Schwester Emanu¬ ela Maria vom hl. Joseph im 39. Lebensjahre. Sie war die Tochter des Dr. Seurin, des großen Wohltaters des Klosters. Der Verlust seiner geliebten Tochter ging dem Vater sehr nahe; dieses Jahr kam er im Sommer auch nicht nach Gmunden. Am 8. Juni 1841 gab es bei den Schwe¬ stern nicht geringe Aufregung. Nachmittags um 2 Uhr sprang Josepha Wirsch, welche schon die Zusicherung der Aufnahme ins Kloster hatte, über die Gartenmauer, setzte sich drinnen vor die Türe und bat um Auf¬ nahme. Sie war erst 17 Jahre alt und hatte viele Schwierigkeiten seitens ihrer Angehö= rigen zu leiden wegen ihres Wunsches, ins Kloster zu gehen.Rasch entschlossen führte sie diesen merkwürdigen Schritt aus. Am 15. Oktober erhielt sie mit drei anderen das Ordenskleid. Große Freude bereitete den Schwestern eine schöne, große Krippe mit Wachsfiguren, welche ihnen der Seilermeister Danzer in Gmunden schenkte. 17 —
Im Jahre 1843 besuchten das stille Kloster der Bischof von Konstantinopel sowie der Bischof Fürst Alexander von Hohenlohe. Dechant Franz Wailig von Gmunden, ein großer Gönner der Schwestern, starb in die¬ sem Jahre. Am Dienstag vor Christi Himmelfahrt 1843 brach abends in dem nahen damaligen gro¬ ßen Brauhause ein Feuer aus, wodurch auch das Kloster in große Gefahr kam. Der Beichtvater gab mit dem Hochwürdigsten Gute den Segen über das Feuer, das dann nachließ. Die Schwestern waren schon in banger Sorge, etwa ihre stillen Mauern verlassen zu müssen. Im Jahre 1844 wurde an die Priorin des Klosters das Ersuchen gestellt, in Würz¬ burg ein Kloster der Karmelitinnen zu stiften. Nach den notwendigen Verhandlun¬ gen wurde die Ausführung der neuen Stif¬ tung beschlossen. Schwester M. Gertrudis sollte als Priorin nach Würzburg ziehen und Schwester M. Josepha als Supriorin und Schwester Josepha Theresia sowie eine welt¬ liche Laienschwester, Kandidatin Josepha Rau, mitnehmen. Am 12. September 1844 reisten sie in Begleitung des Beichtvaters Jakob Kellerer in aller Frühe unter dem Klange der beiden Turmglocken von Gmunden ab. Die guten Schwestern in Gmunden gaben für das neue Kloster viele brauchbare Ge¬ schenke mit. Als Schwester Elia Theresia (Eleonora Bockh aus Preßburg) im Jahre 1845 ihre Profeß machen sollte, wurde auch ihre Mit¬ ter zu dieser Feierlichkeit eingeladen. Diese 18
Einladung hatte aber einen Sturm herauf¬ beschworen. Ihre Mutter, Frau Böckh, setzte alle Hebel in Bewegung, um ihre Tochter wieder aus dem Kloster herauszubringen. Zuerst wendete sie sich an den Bischof in Linz, der die Profeß verschob, um die Ange¬ legenheit zuerst noch prufen zu konnen. Dann kam Frau Bockh selbst mit ihrem Sohne, der Medizin=Doktor war, und noch drei Aerzten nach Gmunden ins Kloster. Die Mutter lebte in der übertriebenen Sorge, ihre Tochter sei so trant, daß sie das Opferleben im Kloster nicht aushalten tonne, auch habe sie keinen wahren Beruf, es sei nur Strohfeuer, und sie konne im Kloster nicht glücklich werden. Die arme Schwester Elia wurde von den Aerzten zwei¬ mal verhört und ausgefragt, sie sagte aber, daß sie schon großjährig und freiwillig ins Kloster gegangen sei und im Kloster bleiben werde. Ihre Mutter drohte, daß sie ihren Kinde ins Kloster nichts vermachen werde also eine Enterbung: Am nächsten Tage sprachen sie nochmals vor, als sie aber sa¬ hen, daß sie nichts ausrichten, reisten sie ab. Am 10. Juli 1845 legte Schwester Elia nach diesem harten Kampfe die Profeß ab und er¬ hielt am 16. Juli den Schleier. Sie fühlte sich jetzt so glücklich, nachdem ihr Beruf auf eine so schwere Probe gestellt worden war, auch ihre Mutter beruhigte sich später. Am 9. Mai 1846 erhielt das Kloster einen lieben Besuch. Karmelitinnen aus Prag, welche in Innsbruck ein neues Kloster grundeten, stiegen auf ihrer Reise in Gmun¬ den ab und rasteten hier zwei Tage. 19 -
Dr. Seutin, der auch nach Gmunden fah¬ ren wollte, mußte in Wels seine Reise in¬ folge eines Unwohlseins abbrechen und wieder nach Wien zuruck. Am 25. Mai 1848 traf das Kloster ein schwerer Verlust: Dr. Seutin, der größte Wohltäter, starb an Altersschwäche im 84. Jahre. Sein Porträt wurde dem Kloster vermacht, wo es heute noch in dankbarer Verehrung aufbewahrt wird. Dr. Seraphin Seutin war in Ath (Niederlande, geboren, studierte Medizin und Chirurgie, wurde Militararzt und königl. Württembergscher Hofrat. Er brachte es bald zu Ansehen und Reichtum. Er selbst außerte sich, daß ein ganz unbegreiflicher Segen Gottes seine Tätigkeit begleitete. Er lebte in glücklicher Ehe mit Philippine Lotz, einer einfachen, schlichten, aber arbeitsamen Frau, die Protestantin war, er hatte sie in Calw in Württemberg geheiratet. Von sei¬ nen drei Kindern starb der Sohn im Jugend¬ lichen Alter in Rußland, die eine Tochter (in Riga geboren) trat in das Kloster der Karmelitinnen in Gmunden ein (Schwester Emanuela), die zweite Tochter Augustina vermählte sich mit dem Oberbergrat Edlen von Ferro. Dr. Sentin war in seinen späte¬ ren Jahren ein eifriger Katholik; er hatte nur den einen Wunsch, daß auch seine Frau katholisch werde; die Kinder wurden alle katholisch erzogen. Den Reichtum, den er sich im Laufe der Jahre erwarb — von zu Hause verwendete er zum war er ganz arm großen Teil für gute Zwecke, wobei seine Frau ihm nicht die geringsten Hindernisse 20
in den Weg legte. Die Frau selbst hatte große Verehrung gegen die Karmelitinnen, sie sagte ihnen ofter: „Wenn Sie sechs Per¬ sonen von meinem Glauben haben, so kom¬ me ich auch, um Klosterfrau zu werden.“ Dr. Sentin war den Schwestern gegen¬ über wie ein Vater, er wurde auch nur der „Papa genannt. Die Schwestern sahen in der Mithilfe, die ihnen besonders durch Dr. Seutin wurde, das Walten Gottes, der „unter so großen und vielen Widerwärtig¬ keiten und Sturmen und bei so druckender Armut (so heißt es in der Chronik) dennoch das Haus zustande kommen ließ. Dies soll uns alle ermuntern, seiner Göttlichen Ma¬ jestät eifrigst zu dienen. Wir, die wir jetzt gegenwärtig augenscheinliche Zeugen sind sprechen oft zur Ehre Gottes unterein¬ ander, was uns der liebe Gott für große Gnaden erwiesen har und wieviel Mühen, Unruhen und Beschwerden wir bei Ent¬ stehung dieses Hauses und lange Jahre hin¬ durch ertragen mußten. Am Schlusse des Jahres 1848 heißt es in der Chronit: „So ist im Namen des Herrn dieses schwere und verhängnisvolle Jahr beschlossen. Vor vielen Uebeln hat uns Gott in diesem Jahre bewährt, sein Name sei ge¬ priesen. So manche schwere Stunde und druckendes Kreuz hat es wohl gebracht, aber auch viele geistliche, bleibende Freuden. Im Sommer 1849 besuchte ein Bischof aus Amerika das Kloster und erzählte den Schwestern von der Armut und Hilfsbe¬ dürftigkeit der Priester in seiner Diözese. Trotz der eigenen Armut gaben die Schwe¬ 21
stern dem Bischof 100 fl. und zwei Meßklei¬ der mit. — Waren nicht die Spenden, welche nach dem Weltkrieg von den Katholiken Amerikas dem notleidenden Oesterreich zu¬ flossen, eine Art Heimzahlung empfangener Wohltäten mit Zinseszins? Am 13. Oktober 1849 besuchte Kardinal Fürst Schwarzenberg von Wien, der für den erblindeten Bischof Gregorius Thomas Zieg¬ ler von Linz im Lande firmte, das Klo= ster und hielt auch einmal zur Freude der Schwestern die Konventmesse. Am Schutzengelsonntag 1850, nachts, brach im Hafnerhause gegenüber dem Klo¬ ster Feuer aus, das Kloster war in großer Gefahr. Die Schwestern beteten im Chor und machten das Versprechen, vor dem Pra¬ ger Jesukindlein ein Licht zu brennen, wenn die Gefahr abgewendet werde. Auch schick¬ ten sie die Pfortenmagd mit Reliquien hin¬ über, sie solle dieselben ins Feuer werfen. Sie tat es und das Feuer wurde auffallend ruhiger, so daß die Magd auf der Stelle ge¬ fragt wurde, was sie denn ins Feuer gewor¬ fen habe, indem man die schnelle Verande¬ rung wahrnahm. Sie antwortete: „Reli¬ quien aus dem Kloster. Es waren die Re¬ liquien von den zwei heiligmäßigen Mut¬ tern, deren Leiber im Kloster verwahrt werden. Die eigentliche Stifterin des Klosters Magdalena Traweger hatte am 15. Au¬ gust 1828 das Ordenskleid erhalten, hatte aber die Profeß nicht abgelegt. Erst im Al¬ ter von 83 Jahren legte sie am 11. Mai 1851 22
die Profeß ab. Am 27. Dezember starb sie an Altersschwäche. Im Jahre 1852 erhielten die Karmelitin¬ nen im Friedhofe ganz bei der Kapelle einen eigenen Beerdigungsplatz, in welchem alle Schwestern beigesetzt wurden. Am 15. April 1852 starb Bischof Grego¬ rius Thomas Ziegler von Linz, der stets ein besonderer Gönner der Niederlassung in Gmunden war. Auch in seinem Testamente hatte er dem Kloster noch ein Legat ver¬ macht. Im Sommer 1853 besuchte der neue Bi¬ schof von Linz Franz Joseph Rudiger das Kloster. Ende des Jahres litten die Schwestern druckende Not, dazu sollten mehrere Rech¬ nungen beglichen werden — und kein Geld. Die Schwestern beteten recht innig. Da kam ein Brief mit 800 fl. von einem ungenann¬ — wie dankten die Schwe¬ ten Wohltäter, stern für das so handgreifliche Walten der gottlichen Vorsehung Am 10. Juni 1854 tam der Primas von Ungarn, Kardinal Johann Scitowsky von Gran, als Apostolischer Visitator nach Gmunden, zelebrierte in der Klosterkirche die Konventmesse und visitierte hierauf das Kloster. In der Kirche wurde der Josephi=Sei¬ tenaltar aufgestelt und vom Pater Pro¬ vinzial der Karmeliten Pater Gregorius (früher Prior in Linz) geweiht. Durch die Priorin der Karmelitinnen in Wilten bei Innsbruck erhielt das Kloster eine kleine Wiege für das Jesutind zur Weihnachtszeit. 23
Im Kloster ist noch der schöne, poesievolle Brauch, zu Weihnachten das Jesurindlein zu wiegen und dabei schöne Weihnachtslie¬ der zu singen. Im Jahre 1856 entschloß sich die Zeug¬ fabrikantenstochter Anna Seyer in Linz nach dem Tode ihres Vaters, ihr Haus in Linz (Nr. 644) samt kleinem Garten für eine neue Niederlassung der Karmelitinnen herzugeben. Am 1. November stellte der Provinzial der Karmeliten an das Kloster in Gmunden das Ersuchen, zur Grundung in Linz vier Schwestern zu schicken. Im Kloster zu Gmunden wurde diesem Ersu= chen zugestimmt, worauf die näheren Ver¬ Ueber handlungen gepflogen wurden. Wunsch der Schwestern sollte das neue Klo¬ ster zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Maria geweiht werden. Fräulein Seyer tam nach Gmunden zu einer Besprechung. Als Priorin für Linz wurde die Gmund¬ ner Priorin Mutter Emanuel bestimmt, ür Gmunden wurde einstweilen eine Vita¬ rin bestellt, und zwar Schwester Elia The¬ resia, die bisher Subpriorin war. Am 26. September 1857 fuhr die Priorin mit drei Schwestern und zwei Kandidatin¬ nen nach Linz. Unter vielen Entbehrungen und oft bitterer Not begannen die Schwe¬ stern in Linz das Klosterleben. Doch stellte es sich heraus, daß unter den gegebenen Verhältnissen ein Fortbestand und eine Entwicklung des Klosters nicht denkbar sei. Das Haus, in welches sie eingezogen waren, zeigte sich auch nach den vorgenommenen Adaptierungen so ungesund und feucht, daß 24
eine Sanitätskommission, welche von der k. k. Statthalterei angeordnet worden war, das Haus als gänzlich ungeeignet erklärte. Die Mutter Priorin war in Linz schwer er¬ krankt. Dr. Haller erklärte ihr, die Reise nach Gmunden in der Winterszeit sei für sie weniger gefährlich als ein längeres Verwei¬ len in dem neuen Kloster. Unter diesen Ver¬ haltnissen verließen die Schwestern am 10. Dezember 1858 in aller Stille die Stadt Linz und führen wieder nach Gmunden zu¬ ruck. War der Abschied im Vorjahre den Schwestern in Gmunden recht schwer gefal¬ len, so war die Freude jetzt um so großer, wenn auch die Priorin schwer krank zurück¬ kehrte. Ein lang gehegter Wunsch, dessen Erfül¬ lung menschlicherweise unmöglich schien, ging 1857 in Erfüllung. An das Kloster stößt unmittelbar das früher sogenannte Bader=Hausel (Traundorf Nr. 8) an, dessen damalige Besitzer Herr Ferdinand Krackowizer und seine Frau Maria Josepha waren. Am 11. Februar 1857 wurde der Kauf des Hauses um 6000 fl. K.=M. durch¬ geführt. Durch Vermittlung des Hochwur¬ digsten Herrn Bischofs Franz Joseph Rudi¬ gier in Linz wurde die Kaufsumme von einem hohen Gönner in Prag ausgezahlt, die Schwestern wären nicht in der Tage ge¬ wesen, dies Nachbarhaus, das für das Klo= ster, so wichtig war, zu kaufen. Ein Teil des Hauses wurde für das Kloster adaptiert, in dem entlegeneren Teil wurden einige not¬ wendige Gastzimmer eingerichtet. 25
Am 30. April 1859 wurde der Krieg mit Frankreich proklamiert. In der Kloster¬ tirche wurde das 40stündige Gebet unter großem Andrang des Volkes gehalten, bei der Abendandacht standen die Leute bis weit auf die Straße hinaus. Im Jahre 1860 erhielt der Hochaltar eine neue Mensa, die bisherige wurde zum neuen Seitenaltar zu Ehren der Immatu¬ lata, dem späteren Theresienaltar, verwen¬ det. Die beiden Bilder: Herz Jesu und Herz Maria wurden bei dem bekannten Künstler Professor Kupelwieser in Wien bestellt; jetzt sind diese Meisterwerke in der Nähe des Hochaltares aufgestellt. Die Kosten per 100 fl. K.=M. wurden von einem Wohl¬ tater des Klosters bestritten. Auch ein neues Hl. Grab wurde aufgerichtet, der Grab¬ christus war eine alte Holzplastit, die durch den Gmundner Bildhauer Neudecker kunst¬ gerecht renoviert worden war. Um die Kirche auch untertags offen lassen zu con¬ nen, wurde rückwärts ein einfaches Ab¬ schlußgitter angebracht. Am 18. Mai 1860 brach wieder Feuer in der Nähe des Klosters aus; die Gefahr für das Kloster war sehr groß. Die Schwestern beteten recht innig um Abwendung der Ge¬ fahr und das Feuer ließ schnell nach, so daß die Leute sagten: „Das haben die Kloster¬ frauen erbeten. Die Feuchtigkeit des Klosters, welche da¬ mals durch das oftere Austreten des Sees veranlaßt wurde, und die vielen Ertran¬ tungsfalle brachten die Schwestern auf den Gedanken, anderswohin zu übersiedeln. Die 26
Priorin und die alteren zwei Schwestern besichtigten mit Erlaubnis des Nuntius in Wien einige frühere Kloster, die unter Kai¬ ser Josef II. aufgehoben waren, doch tam man zu keinem Resultate. Die Erzherzogin Elisabeth spendete 1867 für einen neuen Theresienaltar 200 fl, sechs Jahre später wurde dieser Altar aufgestellt. Das Kloster hatte wiederholt hohe Be¬ suche. Die regierenden Häuser hatten das Privileg, das Kloster betreten zu dürfen, sie machten auch von dieser Erlaubnis Gebrauch. 1849 besuchten Kaiser Ferdinand und seine Gemahlin Kaiserin Maria Anna das Klo= ster, dem sie des öfteren ihre Gewogenheit bezeugten. Kaiserin Karolina Augusta tam fast alle Jahre auf der Durchreise nach Ischl ins Kloster. Erzherzog Maximilian tam wiederholt und besonders Erzherzogin Elisa¬ beth fand sich Jahre hindurch regelmäßig mit ihren Kindern ein. 1858 und 1870 betrat Erz¬ herzogin Sophie, die Mutter des Kaisers Franz Joseph, das Kloster zu einem längeren Besuch. Im Laufe der Jahre finden sich unter den Besuchern nebst mehreren Mit¬ gliedern der kaiserlichen Familie auch Prinz Ludwig von Bayern usw. Am 5. August 1868 tam König Georg von Hannover samt Gemahlin und drei Kindern auf Besuch. Die freundliche Aufnahme, wel¬ che die Hoheiten als Protestanten nicht er¬ wartet hatten, rührte sie tief. „Hier ist ja der Friede des Himmels“, außerte sich die Königin. Der König ließ bis kurz vor sei¬ nem Tode dem Kloster jährlich eine Spende von 300 Gulden zukommen und jährlich ein 27
Faß Olivenol aus Italien besorgen, damit die Schwestern am Freitag und in der Fa¬ stenzeit zum Kochen echtes Oel haben. Nach dem Ableben des Königs Georg versicherte sein Sohn Prinz Ernst August: Was mein Vater getan hat, werde ich fortsetzen. König Georg hatte eine große Hochschätzung vor der damaligen Priorin Mutter Emanuel, mit der er sich über verschiedene Fragen besprach. Einmal sagte er über ihre Antwort: So könne man nur sprechen, wenn man durch höhere Erleuchtung von Gott belehrt ist. Oft kam auch Bischof Rudiger, um sich über das Kloster zu informieren. Anfangs 1873 herrschten in Gmunden die Blattern. Die Schwestern es waren da¬ mals zwölf Chor= und zwei Laienschwestern hielten in der Fastenzeit eine Andacht ab, um Abwendung der Krankheit, das Kloster blieb ganz verschont. Im Jahre 1873 wurde die Kirche reno¬ viert. Der jetzige Hochaltar wurde durch den Gmundner Bildhauer Josef Untersver¬ ger angefertigt und das Bild Maria=Schnee daran angebracht. Dieses Bild war ein Ge¬ schenk vom Frauenkloster Nonnberg in Salz¬ burg. Am rechten Seitenaltar wurde das Bild der hl. Theresia aufgestellt, ein Geschenk der Ursulinen in Linz bei der Grundung des Klosters in Gmunden 1828. Der linke Seitenaltar erhielt das herrliche Bild des hl. Joseph mit dem Jesutinde, die Kopie eines berühmten Bildes, welches Fräulein Maria Jaquot aus Freiburg im Breisgau gemalt hatte. Die Weihe der drei Altare nahm Bi¬ schof Rudiger am 5. Oktober 1873 vor. 28
Am 17. September 1876 war das Schleier¬ fest der Schwester Maria Theresia im stillen Karmel, an dem sich viele Hoheiten beteilig¬ ten. Schwester Maria Theresia (Sartori), eine Großnichte der Priorin Mutter Elekta, kam in ihrer Jugend nach Wien und wurde bei Verwandten, die bei Hof angestellt wa¬ ren, erzogen. Mit 19 Jahren ehelichte sie den Akademie=Professor Trost, mit dem sie 30 Jahre in glücklicher Ehe lebte. Den Som¬ mer verbrachte sie öfter mit ihrem Gemahl in Gmunden, wo sie ihre Großtante näher kennen lernte. Nach dem Tode ihres Ge¬ mahls kam sie zur Erholung nach Gmunden. Hier fand sie bei den Schwestern auch reiche Betätigung im Schmucke der Kirche, die da¬ mals renoviert wurde. Sie zeigte immer mehr Vorliebe für das Klosterleben und bat schließlich um die Aufnahme, die ihr nach längerer Prüfung gewährt wurde. Am 31. Ottober 1871 wurde sie eingekleidet und er¬ hielt den Namen Maria Theresia von Jesus. Nachdem verschiedene Schwierigkeiten glück¬ lich gelöst waren, legte sie am 13. September 1876 die Gelübde ab. Zum Schleierfeste ka¬ men die höchsten Herrschaften, die damals in Gmunden weilten, weil ihnen die Schwester von früher bekannt war. Die Herzogin Maria Theresia von Württemberg übernahm die Stelle der Brautmutter, Prinzessin Chri¬ stine, die Tochter der Erzherzogin Elisabeth, war Kranzbraut. An der Feier nahmen teil. Erzherzogin Elisabeth mit dem Prin¬ zen Eugen, Großherzogin Marie Antoinette, ihr Sohn Erzherzog Karl Salvator, dessen Kinder Leopold und Franz, Theresia und 29
Karolina, die Prinzen Albert und Robert von Württemberg, die Prinzessinnen Marie Amelie und Isabella, die Königin von Han¬ nover und ihre Tochter Prinzessin Mary, alle mit ihrem Gefolge. Der Redemptorist Pater Zobel hielt die Festpredigt. Der An¬ - Schwester drang des Volkes war groß. Maria Theresia starb am 22. September 1890 nach langer Krankheit, wiederholt besucht von den Hoheiten. Am 26. September 1879 machte Erzherzo= gin Christine, die Braut des Königs Alphons XII. von Spanien, ihren Abschiedsbesuch. Bald nach ihrer Vermählung (29. November 1879) kamen aus Spanien zwei silberne Her¬ zen mit Inschrift für die Klosterkirche in Gmunden an. Weil 1883 der alte Friedhof aufgelassen wurde, brachte man die Gebeine der verstor¬ denen Schwestern in einen Sarge in die Klosterkirche, wo nochmals für die Berstor¬ benen gebetet wurde. Am nächsten Tag wurde der Sarg auf den neuen Friedhof überstellt. Im Jahre 1885 wurden im neuen Friedhof für die Karmeliterschwestern drei Grüfte unter der Friedhofkapelle angekauft, jede hatte sechs Nischen. So war einstweilen für ein gemeinsames Grab der Schwestern gesorgt. Am Donnerstag in der Karwoche 1887 wurde der Kreuzweg in der Kirche errichtet. Am 25. Oktober 1890 wurde Mutter Emanuel wieder als Priorin gewählt, zum zehnten Mal. Sie starb aber schon am 7. Jan¬ ner 1891, tief betrauert von den Schwestern, die sie stets als ihr Vorbild verehrt hatten. 30
Als Priorin wurde Schwester Maria Jose¬ pyä gewählt. Am 8. April 1891 kam Bischof Franz Ma¬ ria Doppelbauer nach Gmunden, um die Schwestern zu besuchen. Anfangs 1894 herrschte im Kloster die In¬ fluenza, bis auf zwei Schwestern waren alle krant; durch 14 Tage müßte das gemein¬ same Chorgebet unterbleiben. Ende Juli 1897 war Hochwasser. Der untere Teil von Traundorf bis herauf zum Klosterplatz war überschwemmt, so daß man nur mit Kähnen verkehren konnte. Es war Gefahr, daß das Wasser auch in das Kloster kommen könnte. Unter Tags mußten wah¬ rend des Hochwassers die beiden Tore im Garten offen bleiben, damit die Leute einen Verbindungsweg haben. Es machte sich in diesen Tagen auch der Mangel an Brot be¬ merkbar, weil die meisten Bäcker wegen der Ueberschwemmung nicht backen konnten. Der 8. November 1897 war ein Freuden¬ tag für das Kloster, es war der Ordens¬ General der Karmeliten Pater Bernardinis a. S. Theresia nach Gmunden gekommen; er zelebrierte in der Klosterkirche und besichtig¬ te das ganze Kloster und den Garten. Der Pater General sah auch, daß im Parterre des Klosters einige Räumlichkeiten ganz feucht waren; er gab den Schwestern den dringen¬ den Rat, Adaptierungen und einen Aufbau vorzunehmen, damit für die Gesundheit der Schwestern besser gesorgt sei. Bereits im nächsten Jahre wurden die Adaptierungen im Kloster vorgenommen, das Geld hatten die Schwestern durch Spen¬ — 31 -
den zusammengebracht. Am 21. April 1898 wurde damit begonnen. Es war schon hoch¬ ste Zeit; die Arbeiter fanden nämlich meh¬ ere Pfosten und Trambaume ganz ver¬ morscht und verfault, so daß ein Unglück durch Einsturz hatte erfolgen können. Das Gebäude erhielt die jetzige Gestalt, auch das Dach wurde erneuert und der Dachstuhl ein¬ heitlich gemacht, das Türmchen über der Kirche wurde umgestaltet. Im Jahre 1832 war es errichtet worden; 1886 wurde es re¬ noviert und mit verzinktem Eisenblech neu gedeckt. Bei dieser Gelegenheit fand man in der Kugel des Turmtreuzes nebst einigen Re¬ liquien folgende Denkschriften: „Gelobt sei die Allerheiligste Dreifaltigkeit! Dieses Kreuz ist geweiht und aufgesteckt worden am ersten Sonntag im Monate Oktober, als am Feste des hl. Rosenkranzes der allerseligsten Jung¬ frau Maria, des Jahres 1832. Zugegen wa¬ ren die hochwürdigen Herren Franz Warlig, Dechant in Gmunden, Pater Massaus, Kapu¬ Beichtvater ziner=Ordens=Priester, als Dann folgte das Verzeichnis der damaligen Am Schlusse stand „Die Klosterfrauen. Dieses finden, wollen unser in ihrem Gebete — Gott verleihe uns Allen ein gedenken. stetes Zunehmen in seiner göttlichen Liebe und die Gnade, seinen heiligsten Willen auf das Vollkommenste zu erfüllen, damit wir einst alle dahin gelangen, wo wir ihn in Ewigkeit loben und preisen mögen. Amen.“ Ferner fand sich ein Schriftstück mit fol¬ gendem Inhalte: „Im Jahre des Herrn 1886, den 27. August, als am Feste der Herz¬ 32
verwundung unserer hl. seraph. Mutter Theresia a Jesu, wurde das Dach des Turmes mit verzinktem Eisenblech neu gedeckt. Gott gebe den lebenden und verstorbenen Wohl¬ tatern, durch deren Hilfe es konnte zustande gebracht werden, den reichlichsten Anteil an unseren Gebeten und zugleich verleihe uns der Herr die große Gnade, daß jeder Klang der Glocke unsere Herzen mit neuer Freude Der Herr sei¬ zum Lobe Gottes stimme. — für alles gebenedeit, besonders für seine gött¬ - Auf einem bei¬ liche Vorsehung. Amen.“ gelegten Zettel waren die Namen der damals lebenden Schwestern verzeichnet. Bei diesen Arbeiten, die Ende Oktober fertig wurden, hatte Herr Gurtlermeister Franz Födinger in Gmunden, dessen Toch¬ ter (Schwester Salesia) im Kloster war, die Oberaufsicht übernommen; er kam täglich einigemale nachzuschauen. Am 11. Juni 1898 feierte Mutter Josepha ihr goldenes Profeß=Jubiläum. Pater Adolf Hausbauer aus Kremsmünster hielt die Fest¬ predigt, das Hochamt zelebrierte der Stadt¬ pfarrer von Gmunden, Georg Mayer, unter Assistenz der beiden Neffen der Jubilarin, Karl und August Handloß. Schon seit mehr als 40 Jahren war das Streben der Schwestern darauf gerichtet, ge¬ maß den Satzungen des Ordens eine eigene Gruft zu erhalten. Bereits 1857 wurden die ersten Versuche gemacht, es fand eine Kommission statt, doch wurde das Projekt abgelehnt. Verschiedene spätere Eingaben hatten keinen Erfolg. Die Schwestern ließen sich aber nicht entmutigen, sie empfahlen die¬ 33
ses Anliegen dem hl. Joseph. Auf eine neue Eingabe erfolgten wieder Kommissionen; die Nachbarschaft und die Stadtgemeinde Gmun¬ den sprachen sich gegen eine Gruft aus. Un¬ term 22. Februar 1900 wurde vom Ministe¬ rium die Zustimmung zum Bau einer Gruft im Klostergarten ausgesprochen. Die Stadt¬ gemeinde Gmunden wollte gegen diese Be¬ willigung den Rekurs ergreifen, doch stand sie schließlich davon ab. — So konnte mit dem Gruftbau auf dem von der Kommission be¬ zeichneten Platze in der Mitte des Gartens begonnen werden. Es wurden 20 Nischen zur Aufnahme der Sarge in die Gruft ein¬ gebaut; über der Gruft selbst wurde eine Kapelle errichtet. Nach Vollendung des Baues wurde das ausgegrabene Material zur Planierung des Gartens unter fachmän¬ nischer Anleitung verwendet. Herr Fabri¬ kant Johann Jax aus Linz, dessen Tochter ins Kloster eingetreten war, ließ den Gar¬ ten auf seine Kosten sehr zweckdienlich her¬ richten. Die Einweihung der Gruft und der Ka¬ pelle nahm der Hochwürdigste Herr Bischof Franz Maria Doppelbauer am 24. November 1900 vor. Am 5. Februar 1901 wurden die Ueberreste der verstorbenen Schwestern aus der Friedhofgruft erhoben und in die neue Gruft übertragen unter Aufsicht des Bezirks¬ arztes, der sich nach der Beisetzung vom vor¬ schriftsmäßigen Verschluß der Nischen über¬ zeugte. Im Jahre 1907 wurde die Gruft nach den Plänen der damaligen Priorin Mutter Seraphine mit verschiedenen Mu¬ schein mosattartig geziert und mit Symbolen 34
geschmückt. Die ganze Dekoration besorgten die Schwestern selbst. Eine wichtige Frage für das Kloster wur¬ de im Oktober 1903 günstig gelöst: es wurde das Wasser aus der städtischen Wasserleitung in das Kloster eingeleitet. Bisher hatte das Kloster das Wasser aus dem sogenannten Heiligen Brunnen bezogen, das aber an Qualität und Quantität häufig nicht ent¬ — Im nächsten Jahre wurde die Kir¬ sprach. che durch den Gmundner Maler Engellachner renoviert und im Dezember 1905 konnte das elektrische Licht in das Kloster und die Kirche eingeleitet werden. Eine einzigartige Feierfand anfangs Februar 1914 statt, die Priorin Mutter Sera¬ phine begann das 20. Jahr ihres Priorates. So sehr hatte Mutter Seraphine durch ihre mütterliche Vorsorge und durch ihren erbau¬ lichen Lebenswandel das Vertrauen der Schwestern erworben, daß sie immer wieder nach Ablauf der dreijährigen Funktionsdauer zur Priorin gewählt und von Rom aus be¬ stätigt wurde. „Großer Jubel unterbrach in den Tagen des 3., 4. und 5. Februar 1914 die ruhige Stille unseres Klosters," heißt es in der Chronik. „Was diese ausgezeichnete Mut¬ ter Priorin in den 20 Jahren ihres ausge¬ zeichneten Priorates geleistet, das steht nicht nur im Himmel aufgezeichnet, auch das Sicht¬ bare auf Erden verkundet ihren unermüd¬ lichen Fleiß, ihre unbesiegbare Energie, ihre immerwährende Sorge um das Wohl und Gedeihen des Hauses, ihre Umsicht und 35
Treue. Wer unser Haus und Garten vor 20 Jahren kannte und mit dem jetzigen Stan¬ de desselben vergleicht, der kann nicht um¬ hin, Gott zu preisen, der so Großes durch diese gute Mutter getan. Die Tage der Unruhe, die Mobilisierung zum Weltkrieg 1914 fanden die Schwestern im Gebete. Es wird der Tod des Hl. Vaters Pius X. gemeldet. — Die Priorin Mutter Seraphine hatte ihre Krafte überschätzt, sie erkrankte und legte am 12. Jänner 1915 ihr Amt nieder. Es wurde Schw. Alexia zur Vikarin ernannt. Bischof Rudolf Hittmair von Linz starb an Flecktyphus. Ihm folgte Bischof Johannes Maria Gollner, ernannt am 16. Juli, konserriert am 18. Oktober 1915. Bereits am 11. Jänner 1916 erschien der Hochwürdigste Herr Bischof im Kloster; er leitete die Wahl der Priorin, Mutter M. Alexia, die bisherige Vitarin, wurde zur Priorin gewählt. Während die ganze Welt Krieg führte, herrschte im Karmel zu Gmunden die Stille des Friedens; es wurde viel gebetet um Frieden, um Abwendung des entsetzlichen Blutvergießens. Zu den schrecklichen Folgen des Krieges gehörte die allgemeine Not, die Teuerung, der Mangel an Lebensmitteln und damit die Einführung der Brotkarten usw. Gerade die beschaulichen Orden hatten darunter am mei¬ ten zu leiden. Es waren harte Tage. Kein Geld, keine Lebensmittel, keine Kohlen. Am 26. September 1917 mußte eine Glocke abge¬ liefert werden... Trotz aller Bitternisse ver¬ zagten die Schwestern nicht: die gottliche 36
Vorsehung waltete sichtlich über dem Klo= ster. Zur Zeit der größten Nor stellten sich immer wieder Almosen ein. Es kam der Umsturz mit seinen Schreck¬ nissen, die Folgen des verlorenen Krieges machten sich geltend; die Teuerung stieg, die Entwertung des Geldes, die Inflationszeit spurte das Kloster gar sehr. Die Schwestern hatten den hl. Joseph zum Hausvater bestellt und der hl. Nahrvater Christi erwies sich in diesen so schweren Zeiten immer noch als mächtiger Schützer und Helfer. Eines Tages tam ein Herr ins Sprechzim¬ mer und übergab 1000 Kronen als Almosen und noch 5 Flaschen Wein, 2 Flaschen Oel und 1 Kilogramm Butter, was damals auf 350 Kronen kam. Dieser Herr hatte mit dem Kloster keine Beziehungen; die Schwestern waren ganz erstaunt, daß sich Gott dieser Person als Werkzeug der Nächstenliebe be¬ diente. „Am Schlusse dieses in der Geschichte ein¬ zig dastehenden Jahres (1919) voll Wirren, Unruhen und Gefahren jeder Art (heißt es in der Chronik) können wir nur aus dem Grunde unserer Herzen dem himmlischen Vater unsere innigsten Dank= und Bittge¬ bete stammeln beim Rückblick auf all die va¬ terliche Fürsorge, die wir das ganze Jahr so augenscheinlich genossen, trotz der zunehmen¬ den außergewöhnlichen Teuerung, so daß wir immer durch Gottes stets sorgende Vatergute das Notwendige hatten. Man sah klar, daß diejenigen, die auf die Vorsehung Gottes vertrauen, nicht zuschanden werden. Immer wieder ließ uns der Herr neue hilfsbereite 37
Wohltäter kennen lernen, deren Opfersinn und Freigebigkeit in dieser doch so egoisti¬ schen Zeit nur zum Anstaunen war. Anfangs September 1920 war Hochwasser in Gmunden. Bis zur zweiten Stufe der Klosterpforte ging das Wasser. Die electri¬ Lichtleitung versagte, die stadt. Wasserleitung funktionierte nicht mehr. Man hörte nur das Rauschen des Wassers und das Aufklät¬ schen der Wellen an den Hausermauern. Man mußte fast befürchten, daß das Wasser noch in die Kirche komme. Als am Feste Maria Geburt, am 8. September, zum erstenmal wieder die Sonne sich zeigte, atmete man er¬ leichtert auf, die Gefahr war beseitigt. Am 22. Dezember 1921 wurden die zwei neuen Turmglocken geweiht, die größere er¬ hielt den Namen Maria Immaculata, die kleinere Josepha Theresia. Da aber die klei¬ nere nicht ganz zur großeren stimmte, wur¬ de die frühere Glocke, die noch in Linz sich befand, wieder zuruckgebracht und gegen die neue vertauscht. Vom 14. bis 17. Oktober 1923 wurde in der der Klosterkirche die Seligsprechungsfeier kleinen Theresia vom Kinde Jesu unter gro¬ der Beteiligung der Bevölkerung abgehalten, zwei Jahre darauf, am 24. bis 26. September 1925, schon die Heiligsprechungsfeier. Im nächsten Jahre wurde auf einem kleinen Al¬ tare bei der Kirchenture eine Statue der Heiligen aufgestellt. Die Auslagen wurden von Verehrern der lieben Heiligen bestritten, dem Kloster wurde eines Tages die saldierte Rechnung übergeben. 38
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