Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 30, April 1972

Mit dem Hofdekret vom 15. Juni 1816, in dem der Kaiser die damalige Organisation der Stadt bestätigte, wurde neuerdings die Einsetzung eines ökonomischen Senates anbefohlen; gleichzeitig wurde angeordnet, daß der Magistrat eine Instruktion für den Okonomierat zu entwerfen hätte. Wegen Arbeitsüberlastung sah sich der Magistrat nicht in der Lage, eine solche zu verfassen. Es unterblieb daher die Wahl des Wirtschaftsrates. Um sich jedoch einer eventuellen künftigen Verantwortung wegen Nichtbefolgung einer Hofverordnung zu entziehen, fragte von Berenberg beim Kreisamt an, ob die Einsetzung des Okonomierates auch ohne die Vorlage einer Instruktion erfolgen könne. Das Amt entschied, daß auf jeden Fall Durch– führungsbestimmungen im Einverständnis zwischen Magistrat und Bürger– ausschuß vorzulegen wären. Inzwischen wurde bei den Sitzungen in wirtschaftlichen Belangen vorläufig der Justizmagistrat beigezogen. Am 2. Jänner 1824 wurde dem Magistrat durch ein Dekret des Kreisamtes bekanntgegeben, daß über Auftrag der Regierung drei bürgerliche Räte gewählt werden müßten, die unter Vorsitz des Bürgermeisters und im Beisein der geprüften Magistratsräte, die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Stadt zur Beratung und Entscheidung vorzubringen hätten. Am 20. Jänner 1824 bildete sich eine Kommission, die aus 19 der 20 Wahlmänner bestand. Wahlmann Johann Georg Gaffl war gestorben und noch nicht ersetzt worden. Von jenen wurden die früheren Mitglieder des Bürgerausschusses Postmeister Anton Mayrhofer, Eisenhändler Joseph von Koller und bürgerlicher Silberarbeiter Anton Gemböck jun. zu bürgerlichen Okonomieräten gewählt und von der Regierung bestätigt. Ihre Amtszeit begann am 1. Jänner 1825. Die ihnen beigegebenen sechs Mitglieder des Bürgerausschusses sollten ihnen durch Auskünfte und Anregungen ihre Aufgabe erleichtern helfen. Eine Reihe von Katastrophen brachte viel Leid über die Stadt. Heftige Regengüsse ließen Mitte September 1821 Enns und Steyr zu reißenden Strömen werden. Die Steyr schwoll so an, daß sie bei einigen Häusern bis zum ersten Stockwerk reichte, die Enns überflutete die Stadt– mauer. Auch viele an den Flüssen gelegene Werksanlagen wurden vernichtet. Eine Schiffsmühle, die sich in Garsten losgerissen hatte, schwamm die Enns herunter und zerstörte Joche der Steyrer Neubrücke. Auch die Ennsbrücke wurde durch losgerissene Flöße, entwurzelte Bäume und abgetriebenes Holz schwer beschädigt und unpassierbar. Schließlich wurden auch noch Zwischenbrücken, die Enge und ein Teil des Stadtplatzes überflutet, die Stadt war von Wasser umgeben und der Verkehr mit den Vorstädten unterbrochen. Nur langsam, nach mehr als acht Tagen, sank das Wasser wieder. Am 22. September fuhr ein Postwagen nach Linz, der seinen Weg über Christkindl, die Neuzeuger Brücke und Neuhofen nehmen mußte, da die Brücken beschädigt waren. 25

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