Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 20, April 1960

und hielt am 24. 3. 1611 seinen Einzug in Prag. Rudolf mußte die Stände des Treueides entbinden und in die Krönung Matthias' zum König von Böhmen einwilligen. Das Passauer Kriegsvolk hatte in Oberösterreich beträchtlichen Schaden angerichtet. Es wurde beschlossen, diesen feststellen zu lassen.7» Auch die anläßlich der Rameeschen Bedrohung von der Stadt aufgenommenen 100 Kriegsknechte wurden entlassen,20 lediglich zwei bis drei Befehlshaber wurden gegen „reichung des Lifergelt" weiter im Dienste der Stadt behaltener Eine Aufstellung der Kosten, die der Einfall der „Passauer" verursachte, wurde den Ständen überreicht.22 Weil die Stadtväter aber der Ruhe nicht trauten, beauftragten sie den Stadtobersten Andre Giesing die „Wehren vnd Püxen" reinigen und instandsetzen zu taffen.23 Als der Stadt „verordnter Artillerieoberst" hatte Ratsherr Khürner Pulver einzukaufen und die Kanonen säubern zu lassen, damit sie im Ernstfälle zu gebrauchen toärm.24 Zu den Bürden und der Verantwortung, die das Bürgermeisteramt in dieser, von Leidenschaften zerwühlten Zeit dem Stadtoberhaupte auferlegte, kamen die Erfordernisse des Alltags, die zwar im großen Geschehen unwichtig erscheinen, aber dennoch der Stadtverwaltung viele Sorgen bereiteten. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit sah sich Jahn veranlaßt, den Räten Mitteilen zu lassen, daß sie die Ratstage „mit merern Fleiß" besuchen sollten.2^ Das Ratsprotokoll vom 2. 9. 1605 berichtet, daß wieder ein Hochwasser den für die Zufuhr von Eisen und die Versorgung der Innerberger Bergleute mit Lebensmitteln so wichtigen Schtsfweg an der Enns an vielen Orten unterbrochen hatte. Matthias Hämbl und Peter Tribmer aus Ennsdorf mußten ihn, mit Hilfe der Bauern, die in der Nähe der zerstörten Stellen ihre Höfe hatten, sofort instandsetzen.2« Die Schäden ennsabwärts beheben zu lassen, wurde dem Ratsherren Wolf Schopper und dem Bürger Andre Khober aufgetragen.27 Zahlreiche „gurtende" Landsknechte, die die Bauern der Umgebung um Hab und Gut erleichterten, bet den Wirten in Steyrdorf und Ennsdorf Unterkunft gesunden hatten und bei ihnen das gestohlene Gut verpraßten, waren 1606 in der Stadt unliebsame (Säfte.28 Den Wirten wurde aufgetragen, sie nur eine einzige Nacht zu beherbergen und ihre Namen dem Städtrichter bekanntzugeben. Diese Plage dauerte bis 1611 an, so daß Bürgermeister Jahn den Städtrichter beauftragen mußte, in den Vorstädten und innerhalb des Burgfriedes der Stadt Streifen auszusenden und alle verdächtigen „Gardtkhnecht" fortzuschaffen.2» 1608 scheinen in der Stadt viele Gebäude, ebenso die Stadtmauer und das Pflaster ausbesserungsbedürftig gewesen zu sein. Deshalb, wurde in der Ratssitzung vom 21. 7. dieses Jahres der Stadtkämmerer Joachim Händl vom Rate ernsthaft gerügt, daß er seinen Aufgaben zu wenig Beachtung schenke und seine privaten Angelegenheiten denen der Stadt vorziehe. Der Rat trug wegen dieser „läßigkhait ein hoches mißfallen".8« Es wurde Händl aufgetragen, sein „Ambt in Acht" zu haben und künftig mit „mehrern Fleiß auch Ernst" zu versehen. Auch der Ramingsteg war reparaturbedürftig geworden. Doch war seine Instandhaltung eine Aufgabe des „Fischhubers", der deshalb vor den Rat geladen wurde.87 Im Jahre 1611 wurde auch mit dem Bau des Getreidekastens, dem heutigen Heimatmuseum am Grünmarkt begonnen.82 Seit mehr als zwei Jahrhunderten gab es wegen der Gerichtsbarkeit zwischen der Stadt und der Herrschaft Steyr häufig Streit. 1606 wurde im Rate beschlossen, sich mit der Herrschaft durch „billiche Mitl" zu vergleichen.88 1608 konnte endlich ein ordentlicher Vertrag über die strittigen Punkte der Jurisdiktion abgeschlossen werden.84 Dem weltbekannten Komponisten Orlando die Lasso und seinem Bruder ließen die Stadtväter am 10. 4. 1606 für „guette affection" zwei Taler überreichen. Di 51

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