Konrad Schiffmann - Das Land ob der Enns

18 I. Kelten und Römer. so hat an einem Punkte, der nach der Beschaffenheit des Terrains Straß bei Timelkam sein muß, ein Strang die Richtung nach Süden einge– schlagen. In den römischen Quellen kann nur dieser gemeint sein, da keine der für Tarnanto und Laciacus angegebenen Entfernungen auf Straßwalchen zutrifft, das doch als der bedeutendste natürliche Knoten– punkt auf der in Betracht kommenden Strecke unter den Stationen der Tabula nicht fehlen könnte. ' Laciacus liegt 18 mp von Tergolape entfernt. Um seine Lage er– mitteln zu können, dürfte es sich empfehlen, von Salzburg auszugehen. Von hier führte die c. 790 als via publica1 ), somit als alter römischer Verkehrsweg gekennzeichnete Straße mit 13 mp nach Talgau und von da, wahrscheinlich etwas über der damals wohl noch versumpften Tal– sohle, nach St. Lorenz im oder am Wasserlos. Das Patrozinium St. Lau– rentius ist für alte Römerorte charakteristisch. Wasserlos deutet auf künstliche Entwässerung durch Abzuggräben2 ), in römischer Zeit lag der Ort daher am See. Hier war also Tarnanto erreicht. Tarnanto3 ) macht den Eindruck eines Personennamens, und es kann sehr wohl einer sein. Unter den Stationen des Itinerars ist ja so manche Mansio als ,villa privata' bezeichnet. In St. Lorenz schieden sich die Wege. Einerseits führte von hier eine Straße über St. Gilgen nach Ischl, anderseits die von Salzburg kommende am See über Mondsee, das durch Inschriften und andere Funde als prähistorische Siedlung4 ) und als Römerort erwiesen ist, weiter nach Oberwang5 ) und St. Georgen im Atergau.• Hier war nach 14 mp die Mansio Laciacus erreicht. Der Name ist nach Holder vom PN. Lacius oder vielleicht ein älteres Alatiacum, sonach von einem PN. Alatius gebildet, hat also auf keinen Fall mit dem Etymon lacus etwas zu tun, woran man wegen der Nähe des Atersees denken könnte6 ). St. Georgen im Atergau tritt alc; ,Atergau' urkundlich schon im 8. Jahrh. auf?) und das Wort Gau in Ortsnamen ist für die Annahme, daß die deutsche Siedlung eine römische fortsetze, eine sichere Stütze, wie ich an anderer Stelle dieses Buches weiter ausführe. Dazu stimmt das Patrozinium. St. Georg an der bayerischen Traun, bei Teisendorf, bei Laufen, in Straßkirchen, in Wals, um nur einige Beispiele zu nennen , sind typische altchristliche Walchenkirchen8 ). 1 ) Salzb. UB. I, 26. 2 ) An wazzerlöst, d. i. Einkünfte aus dem Fischfang, ist nicht zu denken, da dem die Belege (821 Wazzarlosa) entgegenstehen. 3 ) Nach Holder ist Tarn-anto zu trennen. 4 ) Die in den Pfahlbauten unserer oberösterreichischen Alpenseen gefundene spätneolithische bzw. kupferzeitliche Keramik (etwa aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.) wird in ihrer Eigenart als Mondseegruppe bezeichnet. 5 ) Durch Waldgebiet, wie die Ortsnamen zeigen. 6 ) Auch die Gegend bei St. Georgen selbst macht den Eindruck eines ehemaligen Seebeckens und auf Lechners Generalkarte von Oberösterreich ist durch einen merkwürdigen Irrtum auch wirklich ein kleiner See hier einge– zeichnet. 7 ) Salzb. UB. I, 8, 42. Der Herausgeber denkt irrtümlich an den Ort Atersee. 1 ) Vgl. Fastlinger a. a. 0., S. 172.

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