Oberösterreich, 32. Jahrgang, Heft 4, 1982

SBBI diesem Form zu geben, Ist eine normale An lage beim Kind. Belm Erwachsenen jedoch verkümmerte diese Anlage, weswegen dem Schlagwort vom ,degenerlerten Künstler' heute eine tiefere Bedeutung zukäme. In mei ner Arbeltsschule geht es daher nicht um die Erlernung technischer Geschicklichkeit, nicht um fotografische Naturnachahmung und nicht um abstrakte Kunst. Ich will meine Schüler die Kunst des Sehens lehren, die der heutigen Gesellschaft weltgehend verlorengegangen Ist." Die Bezeichnung der Malklasse Oskar Ko koschkas ,,Schule des Sehens" wurde bald bekannter, signifikanter und werbewirksamer als der eigentliche Akademietitel. Rückblickend verlangt In dieser Anfangs phase neben der verdienstvollen und uner müdlichen Promotortätigkeit von Friedrich Welz auch der Einsatz des Landes Salzburg In einer Zelt fundamentaler Probleme des Wie deraufbaus (Salzburg war damals noch ame rikanische Besatzungszone) höchste Aner kennung. Nach dem ersten Sommer war Kokoschka wohl mit dem Anfangserfolg zufrieden, wollte die künstlerische Leitung aber mit folgender Begründung niederlegen: ,,Meine schöpferi sche Arbelt erlaubt mir nicht, mich als Leiter oder Lehrer an eine Sommerakademie zu ver geuden, die die gleichen Zielsetzungen und Zusammensetzungen wie Irgendeine ,mo derne Akademie' aufweist."'* Kurze Zelt später ließ er sich aber umstimmen und leitete dann alljährlich im Sommer bis 1963 die Akademie. Er blieb seinem Prinzip treu, keine Tellnahmebedlngungen, wie künstlerische Vorbildung, von seinen Studenten zu verlangen, und be vorzugte sogar unverbildete Laien, ausge hend von folgendem Prinzip: ,,. . . liegt ein fundamentaler Unterschied meiner Lehrme thode zu jener an den Akademien vor... Ich erziehe meine Schüler dazu, die eigenen Au gen aufzumachen .. . Meine Schüler werden, gleichgültig ob jung oder alt, mit oder ohne künstlerische Vorbildung, dazu verhalten, den Menschen In Bewegung, nackt oder bekleidet, den Menschen In Tätigkeit, ein Erlebnis, das sich Im Freien abspielt, zu malen. In Wasser farben, welche man nicht korrigieren kann, sollen sie nicht Ihre Natur verlleren . . . Meine 45

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