Josef Ofner - Die Eisenstadt Steyr

64 katholischer Gottesdienst statt. Aber die protestantischen Bürger besuchten auch weiterhin die Adelskirchen in Losensteinleiten und Stadlkirchen, wo noch immer Prädikanten predigten. Die mit protestantischen Lehrern besetz- ten deutschen Schulen wurden im Jahre 1604 aufgehoben. Renaissance-Bauten Das Antlitz der Stadt um 1584 zeigt uns ein vom Goldschmied Wolf- gang Hauser ausgeführter Kupferstich. Diese älteste Ansicht führt uns das mauerumgürtete Steyr, flankiert von der Stadtpfarrkirche im Süden und der mächtigen Burg im Norden, vor Augen. Die Bauten, die in der Reformationszeit aufgeführt wurden, sind nicht sehr zahlreich, aber markant und noch heute charakteristisch für das Stadt- bild. Neben dem wuchtigen Neutor, dem Schnallentor und der Friedhofan- lage entstanden in diesem Zeitraum noch drei typische Renaissance-Bauten: Schloss Engelhof in der Vorstadt Ennsdorf und im inneren Stadtgebiet das Gebäude der heutigen Bezirkshauptmannschaft und der zweigiebelige Inner- bergerstadel. Das Haus Pfarrgasse Nr. 1 (Bezirkshauptmannschaft) war ursprünglich gotisch, wurde 1522 vom Brand vernichtet und von Elisabeth Händl, verwit- wete Grueber, nach ihrer Angabe im Testament aus dem Jahre 1582 von Grund auf neu erbaut und von ihrem Sohn Georg Grueber vollendet. In ar- chitektonischer Hinsicht löste der bis in die Gegenwart unversehrt geblie- bene Renaissance-Bau seine Aufgabe in vorzüglicher Weise. Er bildet einen harmonischen Abschluss des Stadtplatzes und leitet zwanglos über in die Pfarrgasse und in den Grünmarkt. Das Gebäude gehörte verschiedenen Be- sitzern. Im Jahre 1735 erwarb es die k. k. Hofkammer als Amtsgebäude für den Eisenobmann (1735 bis 1782). Um die Mitte des 16. Jahrhunderts planten die Stadtväter den Bau eines Getreidekastens, in dem auch Fleischbänke untergebracht werden sollten. Hierfür schien ihnen der Platz unterhalb des Pfarrhofes besonders geeignet. Da ein Teil des Pfarrhofgartens für diesen Zweck benötigt wurde, kam es zwischen der Stadt und dem Kloster Garsten, das über diesen Grund verfügte, zu langwierigen Verhandlungen, die sich mit längeren Unterbre-

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