OÖ. Heimatblätter 1955, 9. Jahrgang, Heft 2/3

Oberösterreichische Heimatblätter - Tergolape zweimal eintrug. Lauriacum wurde ja erst später eingefügt. Die Entfernungsangabe Ovilava-Juvavum stimmt bis auf eine Meile überein. Ungleiche Messungen oder eine Veränderung in der Straßenführung können dafür der Grund sein. Nach Erich Polaschek stammt die Tabula ja bereits aus der Zeit um 80 n. Chr., während das Itinerarium erst aus der Mitte des zweiten oder aus dem Beginn des dritten Jahrhunderts stammt. Ungeklärt ist die Lage von Tergolape. Diese Poststation ist entweder auf dem Grund einer älteren Siedlung angelegt worden oder in deren Nähe und hat ihren Namen übernommen. Der Name ist vorrömisch und zwar illyrisch. Terg- findet sich in Terg-este „Triest" wieder. Durch Vergleich mit altslawisch turgu, russisch torg „Markt, Handelsplatz, Markt" konnte für illyrisch tergdie gleiche Bedeutung erschlossen werden. -ol- steht wohl für das Verkleinerungssuffix -ul-, das lat. -ulus, griech. -alos, -ilos, -ylos, germ. -ila und -ula entspricht. Im letzten Bestandteil -ape suche ich illyrisch ap- Wasser, das sich auch in den griechischen Namen Messapia und Apidon findet. Eine Deutung würde den Sinn „Kleiner Markt am Wasser" ergeben. Sachlich ist diese Bedeutung durchaus zutreffend, denn, wie sofort auszuführen sein wird, liegt Tergolape an einer Wegkreuzung nahe am Wasser, nämlich in der Nähe der Ager. Die sachlichen Voraussetzungen sind bei Breitenschützing für die Namensdeutung günstiger als bei Schwanenstadt. Eine gewisse Schwierigkeit bei dieser Deutung liegt allerdings in dem Umstand, daß die als illyrisch erkannten Ortsnamen sonst nur zweiteilig sind. Allerdings ist dazu zu bemerken, daß das Vergleichsmaterial nicht so zahlreich ist, als daß man aus diesem Grunde vor einer Deutung, die mit einer dreifachen Zusammensetzung rechnet, zurückschrecken müßte. Außerdem ist ein Suffix nicht mit einer Stammsilbe im Wert gleichzusetzen, besonders wenn es notwendig war zur besseren Unterscheidung die Verkleinerung zu betonen. Dann ist es jedoch notwendig, daß man bei einem Ausgangspunkt der Deutung mit dem Sinn „kleiner Markt" in der Nähe einen größeren Markt sucht. Da die Entwicklung eines Ortes zu einem bedeutenderen Markt weitgehend von seiner Lage abhängt, ist zu vermuten, daß er in einem Ort, der auch späterhin als Marktplatz eine größere Rolle gespielt hat, wieder zu finden sein wird. Ein solcher Ort, der in römischer Zeit diese Rolle spielte und sie nachweisbar seit dem 8. Jahrhundert wieder hatte und heute noch hat, ist Wels. Andere Orte der näheren und weiteren Umgebung kommen m. E. nicht in Betracht 2 ). Um die Lage von Tergolape festzustellen, ist der Verlauf der Altstraße wichtig, der von Herbert Jandaurek 3 ) aufgezeigt wurde. Von Wels lief sie zunächst gleich mit der heutigen Bundesstraße, bog dann halb links ab und verlief neben der heutigen Trauseneckerstraße bis zum Wirt am Berg. Von dort führte sie durch das „Hochholz" nach Lambach. Eine zweite Linienführung ging von Wels bis Gunskirchen wie die heutige Bundesstraße und verlief dann über Straß nach Lambach. Von dort weicht die Römerstraße von der heutigen Bundesstraße ab. Sie ist durch einen Feldweg, den Mitterweg, gekennzeichnet. 160

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