OÖ. Heimatblätter 1950, 4. Jahrgang, Heft 2

Oberösterreichische Heimatblätter im Nordwesten Niederösterreichs während der späten Gotik zweischiffig gewölbten romanischen Langhäuser werden damit wohl nur eine Umsetzung ihrer früheren Unterteilung in Stein erfahren haben. Das Vierstützenquadrat, für welches etwa westlich unseres Gebietes mit St. Leonhard zu Regensburg ein Beleg aus der Zeit um 1150 erbracht werden kann, hatte auch östlich der Enns einen, wie es scheint, wichtigen und ehrwürdigen Vertreter: die älteste Klosterkirche zu Melk. Ihr quadratischer Vierstützenraum wurde zwar, wie der uns erhalten gebliebene vorbarocke Grundriß erkennen läßt, schon während der gotischen Zeit zur Erreichung eines Langchores abgeteilt, doch blieb er, nachdem die übrigen Schiffe des Stützenquadrats als Nebenkapellen irgendwie behelfsmäßig eingerichtet worden waren, bis zum Neubau unter Prandtauer erhalten. Wenn sich also die Zweischiffigkeit und das quadratische, durch vier Freipfeiler in neun Joche zerlegte Langhaus während der späten Gotik in Oberösterreich einer so ausschließlichen Beliebtheit erfreuten, darf wohl mit vollem Recht auf ihre romanische Pflege zurückgeschlossen werden. Wenn wir nun in die Besprechung unserer romanischen Kirchen eintreten, dann müßte das auf das alte Blockquadrat zurückgehende Raumquadrat der ehemaligen Pfarrhofkapelle in der Wim bei Wimsbach an die Spitze der Ausführungen gestellt werden, jedoch ist es nicht sicher, ob dieser von Johann Geistberger als romanisch angesprochene Bau 10) mit Recht in so frühe Zeit gerückt werden darf. So tritt uns erst eine ausgesprochene Quadratreihung mit der einstigen Nikolauskirche zu Oberperwend entgegen. Urkundlich wissen wir von ihr, daß sie in dem 1125 erstmalig genannten Ort durch Abt Alram II. von Kremsmünster (1165 —73) um 1167, wie Pillwein angibt 11) erbaut wurde, nachdem dieses Landgut 1160 durch eine Adelige namens Wilbirch seinem Stift geschenkt worden war 12). Die Kirche verfiel 1785, wie Gielge 13) und Pillwein andeuten, der josephinischen Profanierung, was F. X. Pritz zu dem Irrtum verleitet, daß sie in diesem Jahre abgebrochen worden wäre 14). Sie steht jedoch, wie Dorn mit Recht vertritt 15), noch heute mitten in dem kleinen Dorfe nördlich des Mayrgutes, zu dem es gehört, nur wurde ihr Langhaus später für Wohnzwecke umgestaltet, waagrecht und entlang der Mittelachse unterteilt und ihr Chorraum als Schuppen für landwirtschaftliches Gerät in Verwendung genommen. Der sockellose, vielfach verputzte Bau, vermutlich ein Feldsteingefüge, besteht aus einem 6.15 Meter breiten und 12.66 Meter langen Schiff, in dessen unveränderter 10) Frrtümliche Angaben über alte kirchliche Bauwerke, Christliche Kunstblätter Ig 55 (Linz 1914) S. 46. 11) Pillwein, Bd 3 S. 411. 12) Urkundenbuch für die Geschichte des Benediktinerstiftes Kremsmünster (Wien 1852) S. 376. 13) J. Gielge, Topographisch-historische Beschreibung aller Städte, Märkte, Schlösser... des Landes Österreich ob der Enns (Wels 1814) Bd 1 S. 72. 12) F. K. Pritz, Geschichte der ehemaligen Benediktiner-Klöster Garsten und Gleink im Lande ob der Enns und der dazugehörigen Pfarren (Linz 1841) S. 9. 15) Th. Dorn, Abriß der Baugeschichte Kremsmünsters (Linz 1931) S. 7. 102

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