OÖ. Heimatblätter 1950, 4. Jahrgang, Heft 2

Oberösterreichische Heimatblätter Stellung der letzteren Grenze ausschließlich auf dem Autobus- und Schiffsverkehr (Wolfgangsee) beruht, denn hier stehen den 42 Autobuspaaren der Salzburger Grenze nur 16 gegenüber, während die Donau unterhalb Linz gegenwärtig über haupt keinen Personenverkehr besitzt. Allerdings ist die Einführung eines Schiffs¬ kurses Wien — Urfahr geplant. So kommt es, daß die niederösterreichische Grenze eine fast nur halb so große Verkehrshäufigkeit (28,4) besitzt und daher auch einen viel geringeren Verkehrswert (335,1), der aber absolut betrachtet durchaus beacht¬ lich ist, zumal wenn wir das leichte Übergewicht bedenken, das die niederöster¬ reichische Grenze im Zugsverkehr besitzt. Mit den Landschaftsunterschieden ist es auch hier schlecht bestellt, da ja die Grenze wieder alle drei Großlandschaften Oberösterreichs schneidet: Der Greiner Wald bildet beiderseits der Grenze einen breiten Saum und läßt keinen größeren Verkehr aufkommen, die Vierkanthöfe reichen weit ins Amstettner Gebiet hinein und die Kleineisenindustrie ist sowohl für Enns- wie Ybbstal kennzeichnend. Zusammenfassung Die Gesamtgrenzlänge beträgt 865 Kilometer, davon sind 308 Kilo¬ meter Bundesgrenze gegen die Tschechoslowakei und Bayern. Vergleicht man die im Anhang gebrachten Tabellenwerte miteinander, ergeben sich bemerkenswerte Unterschiede zwischen den einzelnen Teilgrenzen bereits bei der Grenzgliederung, dem Verhältnis zwischen der tatsächlichen Grenzlänge und der Luftlinie: Während die niederösterreichische in der Geraden nicht länger als die steirische Grenze ist, ist sie der tatsächlichen Länge nach vor allem infolge des von Sieger „Seitenstettner Vorsprung“ genannten Winkels zwischen Steyr und Saxmingstein die längste aller Teilgrenzen. Die tschechische Grenze ist dagegen in jeder Beziehung die kürzeste, die geringste Gliederung aber hat die bayrische Grenze infolge ihres großen Anteils an Stromgrenzen, die die Kleingliederung vermindern und in diesem Fall auch keine allzustarke Gro߬ gliederung verursachen. Die stärkste Gliederung hat begreiflicherweise die Salz¬ burger Grenze. Die durchschnittliche Gliederung beträgt 1,95, welcher Wert von der salzburgischen und niederösterreichischen Grenze übertroffen wird. Die Märkung kann mit 68,9 Prozent als reichlich angesehen werden, doch seltsamerweise haben nicht die Gebirgs-, sondern die Alpenvorlandsgrenzen die Höchstwerte, was auf die im Stromstrich von Donau, Inn und Enns verlaufenden Grenzabschnitte zurückzuführen ist. Diese Art von Grenzen nimmt in der Gesamt¬ wertung hinter den Bachgrenzen den zweiten Platz ein. Die Kammgrenzen schneiden dagegen mit nur 12,7 Prozent schlecht ab, woran die über die Kalkstöcke verlaufenden Abschnitte schuld sind, da dort keine günstigen Märkungsmöglichkeiten bestehen. Die Seengrenzen sind eine Eigenart der durch das Zungenbeckengebiet der einstigen Salzach- und Traungletscher führenden Salzburger Grenze, während andere Märkungsmöglichkeiten wie Verkehrswege und Waldränder nur eine ganz untergeordnete Beachtung finden. 150

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