Die Landesfürstlichen Urbare Nieder- und Oberösterreichs

CXLVI Einleitung. werden abgeben können. Dabei wird insbesondere auch im Auge behalten werden müssen,daß manches vielleicht erst jünger, in der Zeit der Herrschaft Ottokars von Böhmen gebildet wurde,^ daß mindestens in den Grenzgebieten Nieder- und Oberösterreichs gegen Böhmen und Mähren hin früher und später rege Wechselbeziehungen auch an Grundbesitz bestanden. Gerade die Urbare dürften, wenn sie einmal in kritischen Editionen vorliegen werden, neues und wichtiges Material dafür bieten; denn abgesehen von allem anderen, ist hier auch eine Fülle abgekommener Orte verzeichnet, deren Studium mir besonders wichtig erscheint. Sollte das Verschwinden der selben in manchen Fällen vielleicht mit der Nationalität ihrer Bevölkerung zusammenhängen? So erhalten wir eben aus diesen Urbaren über einen größeren Ort der ßiedmark „Windischmarkt" Kunde,^ der bis heute nicht sicher nachgewiesen werden konnte, da er meines Erachtens nicht, wie Strnadt meint,''' mit Freistadt identisch sein kann. Auch auf das wieder holte Vorkommen von Ortsnamen mit —winden sei in diesem Zusammen hang besonders verwiesen.* Anderseits glaube ich für die neuerdings bestrittene Annahme einer Kontinuität romanischer Bevölkerung im Traunviertel aus diesen Quellen Belege nachweisen zu können. Ich lege dabei weniger auf das Vorkommen der Personennamen „Walch"," „Walcherinne'" u. dgl., als viel mehr auf die Ortsnamen, welche diese Zusammensetzung (mit Walch—)auf weisen, Gewicht. Sie kommen mehrfach in den Urbaren über die Hofmark Steyr vor® und sind, wie mir scheint, bis jetzt dort nicht beachtet worden. Von den deutschen Ortsnamen will ich nur einzelne Gruppen herausgreifen, die noch wenig gewürdigt sind, aber ganz interessante Hin weise zu bieten vermögen. Das sind einmal die auffallend große Reihe von Namen auf —ing in der Umgebung von Wels," sowie zahlreiche Namen ^ Vgl. dazu auch E. Müller, ßl. f. Lk. 24, 270. ® Vgl.im Text S. 91 Nr. 20 und S. 102 Nr.92, sowie S.151 Nr. 136. 'Mitt.d.Inst.23,Gölff. Der Name Freistadt kommt mindestensschon 1241 vor(OÖUB. 3, 102), während W.noch im ottokarischen Urbar, und zwar an einer nicht mit der älteren babenbergischen Aufzeichnung sich deckenden Stelle als villa Windischmarkt erscheint. ^ Vgl. im Text S. 144 Nr. 48 (Abwinden); S. 156 Nr. 193—195=231. ^ Gegenüber Kämmel, a. a. O. 127 ff. hat jüngst Strnadt, Archival. Zeitsohr. N.F. 8,43ff.angenommen, daß diese Kontinuität „wenigstens für das Flachland und die Donau ufer des Traungaues in keiner Weise von den Quellen" bestätigt werde. " Vgl. im Text S. 105 Nr-. 103 und die Note dazu. 'Ebd.S. 309 Nr.657(Amt Kniewas). Er kann auch von „walken" abgeleitet werden. ® Ebd. S. 289 Nr. 386 Walchenberg und in der Nähe (!) auch Walcheugraben ebd. Nr. 387 (Amt Groß-Eaming, also freilich im Gebirge); endlieh noch Walchenbach, S.307 Nr. 636 (im Amt Eamsau) und Walchgraben S. 310 Nr. 667 (Amt Hirt). ® Vgl.im Text S. 214 Nr. 420 (Grafing); Nr.423 (Würting); Nr.424 (Kropfing); Nr.425 (Glatzing); Nr.433 (Piesing oder Pfaffing); Nr. 438 (Eitzling); Nr. 467(Pürsting); Nr. 512 (Humpling); Nr.514 (Teising); Nr.548 (Wipfing); Nr. 562(Littring) u. a., die im Urbar selbst nicht erwähnt sind.

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