St. Bertholdi Büchlein

9 ganze Umgebung, als ein liebes glückliches Heim für Tausende seiner Bewohner emporwachsen konnte. Die reichen Schenkungen des Markgrafen Ottokar von Steyr und dessen Gemahlin Elisabeth, eine der Schwestern des hl. Markgrafen und Landespatrones Leopold, setzten Berthold in den Stand, im Sinne und Geiste der Benediktinerregel reiche Gastfreundschaft zu üben und den Armen und Notleidenden zu jeder Zeit mit frei¬ gebiger Hand zu Hilfe zu kommen. Man nannte ihn den Vater der Armen. Sein Herz hing ja nicht an Geld und Gut; als einst sein Kämmerer einen fremden Bettler abgewiesen hatte, weil kein Geld im Kasten sei, ließ Berthold den Kasten öffnen und als er in dem¬ selben noch einiges Geld vorfand, befahl er, dasselbe sogleich in die vorbeifließende Enns zu werfen; denn" agte er, „auf dem Gelde, das der Geiz dem Armen verweigert hat, ruht kein Segen mehr." Der Arme wurde mit Speis und Trank erquickt. Seine Frei¬ gebigkeit war so groß, daß mehr als einmal die Mönche selbst in Not und Bedrängnis kamen. Berthold beruhigte sie, verwies sie auf die göttliche Vorsehung und jedesmal kam rechtzeitig Hilfe, oft auf ganz wunderbare Weise. Ebenso groß wie Berthold's Freigebigkeit war seine Demut. Trotz seiner erhabenen Würde und großen Verdienste um das Kloster und bei all dem hohen Ansehen, in welchem er überall weit über die Landesgrenzen hinaus bei hoch und niedrig stand be¬ trachtete er sich doch immer als den geringsten und unwürdigsten unter den Brüdern. In den Sommer¬

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