80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

An die Schweißarbeit! Fachlehr,er Pick! hat al,les bereitgestellt. Der neue ELIN-Schwcißumformer s ummt, die Elektrod e in der rechten Hand des Schülers s prüht funken. U nter -der strengen Auf.~icht des Lehrers und mit viel Hilfe wird Raupe um Raupe gelegt. 120 m Schweißnaht ist eine schöne Strecke. Ein Schüler meint: ,,Da sind ungefähr 600 Elektroden notwendig. Das Geld dafür hätt' .ich gerne." Mancherlei Schwierigkeiten sind zu überwinden. U nter dem Einfluß de r Wärme treten Spannungen a uf und bewirken ein Verziehen der Bleche, das durch verschiedene Kunstgriffe bese-itigt werden muß. Vorric htun gen werden improvisiert. Endlich ist die A;e-ett~ g.em, acht. Die Säulen und Träger liegen für _5l1e Mo nti"ge bereit , aber das Schuljahr ist auch beendet und die Gedanken der Schüler weilen schon irg6ndwo an e/nem Urlaubsort oder bei der inter- essanten Feria~praxis. Ferien I f m Hofe wuchert üppig das Gras. Schulwart Ra1r merstorfer rodet während der ruhigen Zeit den Plat~, ebnet ihn, hebt di e Fundamentgru- ben aus, zim ert die Schalung, holt a us unsere r eigenen Scho ergrube, schon wieder von Schülern unterstützt, d s Material, mischt und stampft und mißt immer ieder nach, denn Richtung und Höhen müssen genau eingehalten werden, damit das Dach sein bes timm es Gefälle erhält, um das Wasser zur Mitte abfließrn ZU lassen. Nun wird der ganze Hof gepflastert. /An freien Nachmittagen, besonders Samstag, ~rden die Granitwi.irfel, ei n Geschenk der Stadtg meinde, hereingeschafft. Eine lange Kette bildend, s ehen die Schüler, und durch ihre Hände wandern einige tausend Wi.irfel oft 40 bis 50 m weit. Es .geht nicht immer ohne Murren. ab. Bis di e Steine gelegit, eingeschlemmt und mit Ze- ment vergossen sind, kommen die ersten Vorboten des Winters. Eilig muß die Tragkonstruktion aufge- s tellt werden, bevor zu strenge Kälte die Arbeit im Freien unmöglich macht. Die unangenehmste Tätig- keit steht den Unermüdlichen bevor. Die Säulen sind mit Lot und Schnur genau auszurichten, mit vorbe- reiteten Latten und Brettern gegenseitig zu versprei- zen und die verbindenden Längsträger einzuschwei- ßen. Auf dem Papier stimmte es auf den Millimeter, jetzt aber gab es Differenzen. Gottlob wa r beim Ent- wurf darauf Rücksicht genommen worden, Die auf den Sockeln ruhenden Lagerschal,en fi.ir die Kug1eln s ind verschiebbar, und mit unterdrüc k- ten Flüchen wird so lange gerichtet und gemessen, bis unse r Fachlehrer zufrieden ist und di e Längsträger ein - geschweißt werden können. 'Ni eder summt der Schweißumformer, die fun- ken spritzen, den Schutzschirm vor den Aug,en,' werden die letzten vier- undsechzig Nähte herges tellt. Auch die Spenglerei muß ihren Teil zum Werk beitragen. Unter der Lei- tung von Fachlehrer Panholzer we r- den zwei Dachrinnen aus verzinktem Blech' von je 18 m Län ge und die dazu erforderlichen Fallrohre ange- fertigt. An Ort und Stell.e werden s ie an die Träger angepaßt und be- fostigt. Es fehlt nur mehr die Eindeckung. Letzte Schweiß- und Bohrarbeiten Das vorgesehene Holzdach braucht von uns nicht hergestellt zu werden. Das Landesbauamt läßt aus Baugeldern durch eine Linzer Firma eine schöne Deckung aus Welleternit ,durchführen. Dazu s ind aber Holzlatten auf den Längsträgern zu befes ti gen und es ergeht der letzte A uftrag an die Werkstätte: ,, In die Obergurte sind noch 160 Löcher zu bohren." Grimmige Kälte herrscht, Schnee sinkt in feinen, glitzernden Flocken vom Himmel. Aber die Arbeit muß schnellstens beendet werden, obwohl sie unter diesen Umständen wahrlich kein Ve rgnügen ist. Das Metall der Handbohrmaschine macht die Kälte noch stärker fühlbar. Doch die Schüler wissen sich zu hel - fen; mit Handschuhen ausgerüstet, gehen s ie ans Werk. Für alle daran Beteiligten ist es Ehrensache, bis abends so weit mit der Arbeit fertig zu sein , um die G leichenfeier noch vor der Internats-vVeihnachts- fe ier durchführen zu können. Diese r alte Brauch muß auch bei uns gepflegt werden. So ziert ein kleines Tannenbäumchen das noch leere Tragstahlgerüst, und zu den im nächthchen Hof versammelten, am Bau tätig gewesenen Schül ern und Lehrern spricht unser verehrter Herr Direktor vVortc voll des Stolzes und der Genugtuung über das voll- brachte Werk. Ein Fachschül er leitet die Fe ier durch ein selbstverfaßtes Gedicht ein , das beim A rbeiten entstand und in uns bei 10 Grad unter Nu ll nochmals die Erinnerung an die in allen vVetterlagen ,ge lei- stete Arbeit wachrief: 55

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