80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

Ing. Paul Knischka liegende Säle mit einer Fläche von 170 m" zur Verfügung. lm ersten Stockwerk wird von einer großen marmor- nen Schalttafel aus - einem Werk früherer Schülergenerationen - zu jedem der acht Ar- beitsplätze die für die jeweilige Übung not- w.endige Stromart und Spannung geleitet. Auf dem einen Arbeits- platz stellt eine Schülergruppe z. B. an einem elektrischen Kocher fost, wieviel er von der zugeführ- ten elektrischen Ener- gie in nutzbare vVär- me umsetzt und wie- viel er nutzlos ab- strahlt; eine wertvolle Prüfung auf Wirt- schaftlichkeit. Eine ande,re Gruppe führt beispielsweise eine Zählereichung durch, die in jedem Elektri- zitätswerk vorgenom- men wer.den muß und wichtig ist, :damit weder der Verbraucher noch da,s Elcktrizitiitswerk gcsch::idigt wird. Auf einem anderen Platz wird eine Lcistungsfaktorbestim- mung gemacht. Zu ebener Erde befindet sich das Ma,schinenlaboratorium. Die Stromverteilung erfolgt durch elektromagneti,sche Schalter von einer drei- teiligen Stahlblech-Schalttafel ,aus. Hier werden \Virkungsgra:dprüfungen, Parallel1schaltübungen usw. durc.hgeführt. Es ist selhstverständlich, daß die Erge,bnisse aller Übungen sauber ausgewertet wer- den . Ebenso selbstverständlich ist es, daß der Schüler in der Werkstätte und auf Baustellen die Möglich- keit findet, das Gelernte und Gesehene auch prak- tisch anzuwenden. Das eigene Haus mit seinem weit- läufigen Starkstromnetz und seinen weit über 100 Elektromotoren bildet dazu e,ine ausgezeichnete Möglic)tkeit. Ein aus drei Schülern bestehender Ent- störung.sdienst hält Tag und Nacht Bereitschaft und hilft in jedem Schadensfall prompt. Wir können mit Stolz sagen, daß der üb'erwiegende Teil unserer elek- trischen Einrichtung in allen unseren Gebäuden und Werkstätten, in den Laboratorien und in der Elek- tromechanikerei von unseren Schülern zeichnerisch gepl,ant und nach diesen Plänen gebaut wurde. Vom tiefen Kabelschacht auf den hohen Leitungsmast, vom Transformator zum Motor, vom Schaltbrett zur Blitzschutzeinrichtung, vom g.ewöhnlichen Druck- knopf zum automatischen Läutewerk mit Selbstauf- zug führt sie schon hier an der Schule ,der Weg, den sie in der Praxis als gesuchte und verläßliche Elek- triker weitergehen werden. DIE OBERWINDUNG DES ·RAUMES (Hochfrequenztechnik) Die Ausbildungswünsche, die von den Schulentlas.- senen bei der Anmeldung zur Eignungsuntersuchung g,eäußert werden, kommen oft nicht aus fester Über- zeugung. Will einer aber Radiomechaniker werden, so geht der Wunsch me,ist tiefer. Der Bub hat bereits von dem „Rauschg.ift" ,gekostet, ,dem jeder Amateur auf ,dem Gebiet der Hochfrequenz verfallen ist: Zu beliebiger Zeit mit einem beliebigen Ort, ohne sicht- bare oder greifbare Mittel Verbindung aufzunehmen, mit „totem" Mater.ial Schwingungen zartester Art zu erfassen und so zu beleben, daß sie dem Menschen in aUer Schönhe,it und Fülle hörbar - ja sichtbar werden. Freilich fällt ke,inem Hochfrequenztechniker der Erfolg mühelos in ,den Schoß. Der Schüler bekommt sehr bald den Unterschied w fühlen .zwischen dem Nachbau eine,r Schaltung alllS einer R,adiozeitun:g und der Erlernung des Gewerbes mit all seinem unum- gänglich notwendigen theoretischen Rüstzeug. Seit der Schaffung der Fachschule für Hoch- frequenz- und Radiotechnik hahen sechs Jahrgänge die Schule ver1as,sen und biJ.den einen wertvollen Stamm bestens brauchbarer Fachkräfte. Ist es doch Auf,gabe dieser Schule, sowohl praktisch als ,auch be- sonders theoretisch ,gut ,gebildete Leute den öster- reichischen Rundfunkmechanikern als neuen Stamm 24 zur V,erfügung zu stellen. Der Aus,bildung,s.gang ge- stattet es dem Absolventen, auch als Techniker bei Radiogroßfirmen unt,erzukomrnen, ganz zu schwei- gen von ,sämtlichen Elektrofachbr.apchen, die ihm natürlich auch offenstehen. Darüber hinaus wer,den unsere A!bsol1venten aber einen .ganz bedeutenden und äuße,rst wichtigen Grundstock der künftig,en Fernsehtechniker bilden. Einig1e unserer ehemaligen Schüler haben schon ,solche ,erstklassige Posten in über,seegebieten, so z. B. in Kanada, inne. Aber auch in Rundfunksendern, Studios und auf anderen Gebie- ten der Hochfrequenztechnik, in Ultraschall- und elek- tro-medizinischen Laboratorien ist ein schnelles Ein- arbeiten mit der an unserer Anstalt ,gewonnenen grundlegenden und besonders vielseitigen Hochfre- quenzausbildung ,gewährleistet. Eine,s je,doch muß jeder Bewerber be,achten: ,,Baist- ler", die vermeinen, hier sehr riasch die Möglichkeit ,:;u finden, irg.endeinem Radioapparat mit Zinn und Lötkolben an ,den Leib rücken zu dürfen, sind hier fehl am Platz. Die praktische Arbeit am Apparat ist im Ausbildun:g1sprogramm v011gesehen, doch er,st dann„ wenn der damit beauftragte Schüler clie theo- retischen Grundlagen einwandfrei beher,r.scht. Und dies aus .dem Grunde, weil man sfoh doch bei keinem der zahllosen und verschiedenen Hochfrequen~geräte

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