80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

Ist somit uns ere Schule di e Ausbildungss tätte für Landmaschinenbau in Oberösterreich , so müssen auch ihre Einrichtungen dem entsprechen. Da die G rundausbildung, wie nicht anders erwartet werden kann, sowohl in theoretischer a ls auch in praktischer Beziehung mit de r für ,den Maschinenbau eingeführ - ten parallel läuft, steht dafür keine besondere Ein- ri chtun g zur. Verfügung; es ge lten die gleich en Lehr- gä nge. In d er spez iell en Fachrichtung alle rdin gs gehen di e W ege auseinander. \Vährend sich der Ma- schinen- und \Verkzeugbauer vor all em ,den Arbei ts- maschinen sowie der Werkzeugherstellung zuwen den muß und der Kraftfahrzeugbauer Wagen und Motor genauest kennenlernt , s ieht sich der Landmaschinen- bauer den zahllosen Gerä ten und Mechan ismen ge- Dipl.-Ing. Otto Charvat gen i.ih c r, di e diesen Zweig des Maschin enbaues so ab wec hs lun gs rei ch und vielse iti g gesta lten. Die gcriiumi gc Lehrwerkstätte fi.ir La ndmnse hin en - ba,u mit mehr a ls 200 m' Bodenf läch e und cin c i' Ga - le ri e, auf der Werkzeugmaschinen und vVerkbänke stehen, is t mit a ll em ausgcr i.i stet, was not tut, wie Laufkran für 3 t, Montagegrube, W,asser, Druckluft und Schwe ißs ta nd . Durch das 4 m breite Ein fa hrts- tor rollen die Ge räte here in : zu den jedem La ien be- kannten Bodcnbca rbci tun gsgcriiten, Pflug und Egge, gese ll en ich di e Kultivatoren, Walzen und Di.inger- st rcucr . Der Get rci,demäher mit Ablage ist schon ein se lt enerer Gas t gewo rd en, denn der Bindemäher her rscht vo r. Den Mä hdrescher mi.issen sich die Schi.i - lc r ,vohl draußen am Feld anschauen, aber die zuge- hörige St rohpresse wird hi er behand elt. Ei n dank- bares Objekt is t der Motormäher, da sein e Pfle_ge mechanisch und motorisch interessant ist . Einfach sind die Hcuwender und Heurechcn zu behandeln; Elevato ren und G rciferanl agen zu reparieren is t ein e lehrreich e Arbeit. Auch vom Bauernhof kommen Dinge herein: Häckselmasch in en , Schrotmi.ihl en, Gü ll e- und .fauche pumpen, Melkmaschin en und Zen- trifugen. Das g,rößte Interesse aber find en Traktoren aller Baujahre und Bauweisen. Fü r j eden braucht man besondere Kenntnisse, j eder verlangt eine eigene Behandlung. Lang ist daher die Reihe der Fer- ti gk eiten, di e s ich der Landmaschinenbauer anei_gnen muß. Mi t der U mstellung de r landwirtschaf tli chen Betriebe auf Maschinen muß Hand in Hand die Um- s tellun g der Gewerbe des Huf- und Wagenschmie- des, des Schl osse1~s und Wagners auf das Landma- schin enh andwe rk vor sich gehen, muß unsere h eimi- sche Indust ri e diese Gerä te gut un d billi g erzeugen . U nse re Schul e bild et die dazu nöti gen Fachkräf t e a ll er Kategorien aus und sich ert damit unse r tägliches Brot. LICHT UND KRAFT UND WÄRME (Elektrotechnik) Mit unerh ört hoh er Spannung fli eßt de r elektrische Strom, alle Widerstände Lib c rwind cnd, durch das europäisch e Verbundnetz, das in aller St ill e gewo r- den ist , ein beredtes Zeugnis der eini gend en länd er- und völkerverbindenclen Kraft der Technik. Obwohl wir der Elektri zität eigentliches Wesen nur schwer beg reifen , nicht fassen, nicht wägen können, ist _ge- rade ihre Diens tbarkeit so leicht herbeigeführt : Ein Schalthebel wird gekippt und Licht durchflutet den Raum oder wohlige ·wärme beginnt sich zu verbrei- ten, ein Handgriff un d tausende Pferdestärken be- ginnen zu arbeiten, ei n Eisenbahnzug se t zt sich in Bewegung. Dazu kommt, daß a ll e elektrischen Ma- schinen durch die A rt ih res Betriebsmittels ein e ganz besondere Note erhalten, dem Laien weitgehend un - ve rständlich bleiben, den jungen Menschen aber ge- rade deshalb magnetisch anziehen. Fachschul en für Elektrotechnik gibt es außer in Steyr noch zwölf in Österreich, die meistens mit einer Höheren Abteilung organisch verbunden s ind. Unsere selbständige dreijährige Fachschule macht es sich zur A ufgabe, den Schüler schon im ers ten Jahr in die G rundlagen der Elektrotechnik einzuführen , sodaß er schon bei d'en einfachen Lichtinstallations- arbeiten, zu denen e r s-ogleich herangezogen wird, mit Verständnis fi.ir den Zusammenhang der Dinge vo rgehen kann . Das ers t e Jahr, das wie in allen an- deren Abteilun gen ein Jahr der Probe und Bewäh- rung is t, so ll dem Neulin g Gelegenheit geben, zu zei- gen, daß er in prakti scher und theoretischer Hinsicht für den Be ruf taugt. Besonderes Gewicht wird auf den guten l~ortgang in Mathematik gelegt; nur wer s ie beherrscht , kann positiven Erfolg in den zwei fo lgenden Jahren haben, die weit mehr als in ande- ren Abteilun gen mit t heoretischen Fachgegenstä nden ausgefü llt s in d. Elektrische Maschinen und Gerä te, Leitungs- und Beleuchtungstechnik und elektro tech- n ische Meßkunde werden im zweiten Jahr gelehrt, elekt rische Anlagen un d Hochspannungstechnik, Fernrnelde- und Rad iotechnik im dr itten Jahr. Einen breiten Raum nehmen die elektrotechni- schen Übungen ein. Für sie stehen zwei übereinander- 23

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