80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

s tätte eingeteilt. Hier s tehen Rahmen und Chassis verschiedenster Größe und Konstruktion, Karosse- ri en, hoch und niedrig, von Personen- und Lastkraft- wagen. Aber leide r ist ll'irgcnds ein Motor zu sehen. Das ganze Jahr muß e r s ich damit zufrieden geben , den Wagen se lbst von G rund auf kennenzulernen oder bei der Beplankung eines Wagens mithelfen zu dürfen. E r führt Instandsetzun g§arbcit en an der Kraftübertragung, an der Lenkung und den Bremsen aus. Es ist keine erfreuliche Erkenntnis, daß der Kraftfahrzeugmechaniker öfter unter dem Wagen fjegcn muß , um seine A rbeiten verrichten w könn en, a ls daß er einen Wag,m lenkt. Im theoretischen U n- terricht vergeht auch das ganze zweite Jahr mit wei- terer Übung in zwei Sprachen, in Mathematik, Me- chanik und Zeichnen, in E lementen des Maschinen- baues und in Mechanischer Technologie. Im dritten Jahr lernt er den Fahrzcu rimotor a ls Otto- oder Di eselmotor, das Vier- und da; Zweitakt- ve rfahren kennen. ü bcrholungsa rbcikn werden ge- macht, an der Ventilsteuerung, am Kurbcltriebwerk:., an der Schmierungsanlagc und de r Zündcinrichtun~(; l'rof. Dipl.-Ing . Robe rt Hillisch das Hauptgewicht aber wird auf Störungssuche und Behebung der fes tges te llten Mängel geleg t. Daneben gehen Instandsetzungsa rbeiten an Motorrädern und die Bestimmung der Betriebsverschleißgrenzen. Der moderne Prüfstand mit seinen umfangreichen 1Vleßmöglichkeiten gibt dem Schüler einen richti gen Einblick in das Leben des Motors, in die Bedingun- gen, die ihn zu flotter Leistung bewegen, zum Ein- satz seiner vollen Kraft, die ihm Kühlung verschaffen und reibungslosen Lauf, ihm Sparsamkeit im Ver- brauch abzwingen und ruhi gen Gang. Nebenbei lernt e r Autoelektrik und kennt nun alle im \,Vagen befind - lichen elektrischen Einrichtungen. Im theo retischen Unterricht hat er nicht nur die wichtigs ten Teile des A utos zeichnen und berechnen gelernt, er erfährt auch viel über W erkstoffwahl, Serienfabrikation, wirtschaftliche Fertigung, Akkord- und Preisberech- nung. Er hat Achtung bekommen vor dem Wunderwerk, das ein modernes Kraftfahrzeug dars tellt und weiß, daß er als sein Hüter und Beschützer durch das Le- ben gehen wird, als sein Arz t , denn er hö rt wirklich am Lauf , was dem Motor fehlt, er kennt d ie Gefa hr , die erhöhte Temperatur mit sich bringt oder bcschii- digte Lagerung der Gelenke. Jetzt, da er en dlich den Wagen bes teigen darf, um dars:1uf di e Führerschein- prüfung abzulegen, ist in ihm ein ganz anderes G e- fühl e rwacht, als j enes, das ihn herführte. Der Traum ist ausget räumt , aber das E rwac hen bringt keine Entüiuschun g. Kraftfahrzeugmechaniker zu sein ist ,ein schöner Beruf und mit der steigenden Zahl der Kraftfahrzeuge sehr auss ichts reich . D em A bso lventen der fünfjähri gen Höheren Ab- te ilun g s teht der Weg zum Konstrukteur, zum Werk- stät tenleiter und die weitere Stufenleiter hinau f offen ... auch zur eigenen Luxuslimousine. BROT OHNE LANDARBEITER (Landmasch inenbau) Die Z unahme der 13evölkerung bei gleichbleiben- der A nbaufläche zwingt zur Erhöhung des Ernte- ertrages, wenn ohne Ei nfuhrerhöhung a ll e sa tt wer- den wolkn. \ i\f ic anders aber sollte der Landwirt diese Forderung crfi.illcn, wenn noch üa zu imme r mehr Landarbeiter in die Stadt abwandern , als durch den Einsatz von Maschinen an Stelle de r I-Iandwerk- zcugc und durch den E rsa t z der Zugtiere, di e -:inen Teil de r E rnte als Futter verzehren, durch die Zug- maschine, den Traktor. Die Mec hani sie rung de r Landwirtschaft in Öster- reich schreitet denn auch unaufha ltsam vorwärts. Die heimi sche Landmaschinenindustrie muß trach - ten, in A npass un g an di o besonderen Bedürfnisse, die in einem Bergland wie dem unseren auftreten, den Markt zu beliefern. Sie s teht dabei vo r großen Au f- ga ben, während un se re Landwirtschaft im Stey r- T raktor mit seinen dem Celändc angepaßten Typen eine Zugmasehinc besitzt, die ·ihren Verlüiltnissen entspricht und ihren Beclarf voll auf befriedigt. 22 Für den passenden Entwurf , di o faehgercchte }-ler- s tellung sowie die Durchführung der Reparaturen be - da rf es guter Fachkräfte. Der Gedanke, sie in un - se re r Schul e heranzubilden, die in einem an La11d - wirtschaft so reichen Gebiet wie Oberös.tcrreich liegt , noch dazu in näclts te r Nachbarschaft des gro - ßen Steyr-Traktorenwerkcs, war naheliegend und hat sich als fruchtbar erwi esen. So entstanden nach- einander die dreij ähri ge Fachschule fi.ir Landmaschi - nenbau, di e den einschl äg igen Fac harb eiter hervor- bringt, und spä ter eine fünfjähri ge Höhere A btei - lung, di e die A us bildung. der zukünftigen Ingeni eure zu übernehmen hat, die den österreichischen Land - maschinenbau zur Blüte führen so llen. Ocr Vollstän - d igkeit ha lber sei noch erwä hnt, daß seit 1950 jeder Landmaschinenlehrling aus Oberösterreich jedes J ahr s ieben Wochen als Zögling in unse rem Schülerinter- nat weilt und in unse ren Werkstätten als Berufsschü- ler seine praktischen Kenntnisse ausweitet und cr- giinzt.

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