Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1982

blaute ein See, aus dem stille Wasserrosen stiegen. Ein silberhelles Bächlein schlängelte sich durch blumige Auen. Baum und Strauch waren wie Blüten übersät, daneben leuchteten reife Früchte aus dunklem Laub . Ein Lied klang auf, hell und weich, ein Jubeln und Jauchzen aus tausend kleinen Vogelkehlen. Das Lamm schlummerte neben dem Tiger, der Weih spielte mit der Taube. Alles atmete Freude und Frieden und wunschloses Glück. Entzückt rief der Pater aus: ,,0, könnt ich doch immer hier weilen!" Eine Stimme antwortete ihm: ,,Gedulde dich, bald wird dieser Garten dir ewige Heimat sein!" Im gleichen Augenblick riß ihn ein h eftiges Klopfen aus dem Schlummer und das liebe Traumbild entschwand. Fast wollte Unwille in ihm aufsteigen, doch er ermannte sich, eilte zur Türe und öffnete sie. Da kauerte auf der Schwelle ein armes Weib mit verweinten Augen, es rang die Hände und beschwor den Pater, mit ihm ins Ennsdorf zu kommen, sein Mann und sein Sohn seien von der Pest befallen. Der Pater war sogleich bereit; mit dem heiligen Sakrament eilte er zu ' den Kranken und versah sie mit der Himmelsspeise. Dann versuchte er, mit bewährten Mitteln die Armen dem Tode zu entreißen. Seiner Mühe gelang es, den Sohn zu retten, der Vater verschied. Die Sterne standen am Himmel, als Anselmus nach schwerem Tagwerk heimging. Er bat den Mesner, ihn frühzeitig zu wekken, danri sank er angekleidet auf seine ärmliche Ruhestatt. Frühmorgens klopfte der Mesner an seine Tür, nichts regte sich. Er erneute das Klopfen - vergeblich! Nun wurde die Türe mit Gewalt geöffnet; man drang ein und fand den Pater kalt und starr auf seinem Lager, die Pest hatte ihm den Todeskuß aufgedrückt. Sein Traum war wahr geworden. Seine Seele weilte im Paradies und sang das ewige Lied der Auserwählten. Ein schlichtes Steinkreuz auf der Festwiese von St. Anna erzählt h eute noch von dem Opfermut des Priesters, der sein Leben hingab im Dienste des Nächsten. H. Kematmüller, Stadt Steyrer Volkssagen. Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1908 ~,,,,____,.,.....__,,.._,.---..,...,-..~~,.---..,...,-..~~~~~7 l (5~~Ji:::,g:.:;, naclj <:IgriztkinOL ! ~ Berg- und Wiesenpfad l ~ am Saum der Ackerflur. i Haselstrauch im Frühlingshauch. W eidenkätzchen im silberner, Flausch. ) Und dort, unter den grünenden Büschen und Hecken ( ) in ihren falben den, duftenden Versted<en: ~ ~ di e ersten, duftenden Veilchen. - l ~ Doch dort, in der Ferne schon, siebe das Ziel! i Die Gnadenkirche im Sonnenspiel , l10chthronend über dem Steyrtal , ) mit dem wächsernen Christkind auf güldnem Altar ~ ~ im heiligen, waldumstandenen Himmelssaal. - l < SIEGFRIED TORGGLER i l..._,___,.___,.-.__,,,...,,_,,..-._,,~.__,..____,.___,,.___,,....._,._.,_,......_,.-._,,,...........,.__....._,._.,_,___,.._,__,~......._,,,.___ 42

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