Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1982

~ie 5o()r:= unb mod)en:= mörkle in etel)r Die erste geschichtliche Erwähnung der Stadt als Marktplatz gibt die älteste Stadturkunde im Archiv, die von Herzog Albrecht I. aus dem Jahre 1287 stammt. Durch dieses groß e Privileg wurde die freie Entwicklung der Stadt, besonders in Hinsicht auf Handel und Gewerbe, und die Rechte derselben gegenüber anderen Handelsstädten sichergestellt. Wir können uns heute die Straßen einer Stadt ohne Geschäftsladen mit Schaufenstern, in denen di e Waren ausges tellt sind, kaum denken . Früher kannte man das aber nicht. Wer etwas zum Kaufe auslegen wollte, tat es auf offenem Markte. Für Kauf und Verkauf war der Marktplatz der wichtigste Teil der Stadt. Hier war eine Unzahl von bedeckten und unbedeckten Ständen, Bänken und Buden errichtet, hier boten die versclliedenen Handwerker und die Verkäufer von Lebensmitteln ihre Waren an. Die gleichartigen Gewerbe hatten gewöhnlicl1 Stände und Buden neben - einander. Der den Steyrern wohlgesinnte Herzog Albrecht II. bedacl1te die Stadt bei jedem seiner Besuche mit wichtigen Vorrechten. Im Jahre 1347 verlieh er den Steyrern das Recl1t, einen Jahrmarkt abzuhalten, ein Recht, das die Stadt scl1on früher einmal besaß, aber aus unbekannten Ursachen aufgehoben war.1) Es wurde ein Frühj ahrsmarkt abgehalten , der am Donnerstag nacl1 Jubilate seinen Anfang n ahm und bis zum Fest Christi Himmelfahrt dauerte. Dieses .Verniächtnis des Mittelalters hat sich durch all die Jahrhunderte hindurcl1 ii1 Steyr ..-erhalten .. Waren _es vorerst Von Oberschulrat Josef Pfaffenwimmer nur die heimischen Kaufleute, denen das Recl1t zustand, am Jahrmarkt feilzubieten, so folgten Gauklern und anderem fahrenden Volke bald Handelstreibende aus den Nachbarländern, besonders Tucllhändler aus Böhmen und Mähren sowie Kaufleute aus Linz, Wien, Augsburg, Regensburg, Nürnberg und anderen Städten. Im Jahre 1422 bewilligte Herzog Albrecht V. die Errichtung hölzerner Markthütten, ferner die Erlaubnis, im Rathause Fleisch- und Brotbänke n ebst einer Stadtwaage zu errichten.2 ) 1572 stürzten durch das Hocl1wasser die Mauern an der Enns und der hintere Teil des Rathauses mit den Fleiscl1bänken ein. Alles wurde wieder hergestellt und das dazu benötigte Eichenholz in Aichet gefällt. Der Beginn des Jahrmarktes wurde vom Bafä:on des Rathauses unter Trompeten- und Paukenscliall angekündigt und eine Stunde lang, von elf bis zwölf Uhr, mit der großen Glocl<e der Stadtpfarrkirche feierlich eingeläutet. Das Symbol der „fürstlichen Freiung" , ein Gerichtsschwert h al tender Arm (heute im Heimathaus), wurde während der Marktzeit am Rathaus angebracht. Der Marktplatz stand nun unter einem besonderen 11Rechts- und Friedensschutz", jede Freveltat wurde vor einem besonderen Marktgericht abgeurteilt. Vor Beginn des Marktes besichtigten 11Bescl1aumeister" die Waren der Geimeister, die Stadtwacl1e hielt Ordnung, feuerpolizeiliche Maßnahmen wurden getroffen.3 ) Gegen Ende des 17. Jahrhimderts qewilligte Kaiser Leopold I. einen zweiten Jahrmarkt, der im· Herbst !13

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