Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1927

48 □ — Das alte Stadttor. Du altes Tor, wieviele hundert Jahre Versahst du wohl das Amt des Wächters schon? Um dein Gemäuer harft die wunderbare, Uralte Mär; und ihre weißen Haare Verwirrt der Wind der Zeit und trübt den Ton. Wo ruhen Geist und Hände, die den Bogen Dir einst gewölbt, wo mag dein Bildner sein? Wieviele hohe Feste sahst du wogen? Und wieviel helle Sonnenkinder zogen Durch deine Pforte singend aus und ein Der weiße Panther späht und lauscht im Wappen: Viel alter Kriegslärm summt in seinem Ohr. Er hört die fremden Kriegerscharen trappen Und sieht den Tod im Seuchennebel kappen ... Und Scheiterhaufen schwelen vor dem Tor ... Wieviele Große sind durch deine Mauern Zur Stadt herein — und wieviel zogen fort Wieviele Nächte standest du in Schauern Und sahst das graue Elend grinsend kauern Und wieviel Wand'rern warst du Glück und Hort! Die Sage schläft. Und dunkle Efeuhecken Umspinnen Tor und Mär seit langer Zeit ... Ihr altes Antlitz soll euch nicht erschrecken: Geht hin um ihre Schönheit aufzuwecken, Dann ist es Heimzu nimmermehr so weit. ... Albert Bachner. S S

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