Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1917

9 4 4 171 * Das Waisenkind. Von Karl frank. „Der Kaiser ruft! die Fahnen weh'n! So sprach der brave Landsturm¬ du und mein Bub auf Wiederseh'n. mann, Und rücken tausend feinde an Es ging das Leben seine Bahn Sie schrecken nicht den Landsturm¬ Von Zeit zu Zeit kam an ein Brief mann. Vom Mann, der bottes Segen rief Doch sollt' ich nimmer wiederkehr'n, Auf Weib und Kind. Die Zeit So halt' mein Vaterland in Ehr'n! verrann Mein Oesterreich, das sorgt für euch, Und wieder kam ein Briestein an, Wenn mich gefällt des feindes beschrieben stand von fremder hand: Streich. „Ihr Mann fiel für das Vaterland!“ Ich dank' dir, Weib, für Lieb' und die Mutter weint. des Vaters Treu', Stolz, Du gabst ein blück mir ohne Keu' Sein Bub, geschnitzt aus gleichem holz, Wenn ich dich nimmer wiederfind' Eilt auf die Mutter zu geschwind: Erzieh' schwarz=gelb das Waisenbind! „Sag, bin ich jetzt ein Waisentind? Da richtet sich die Mutter auf: „Was immer kommt im Zeitenlauf, Wir wollen Oesterreicher sein, 5o brav und treu wie die vom Khein. Dein Vater ist im ew'gen Licht! Ein Waisenkind? das bist du nicht! dein gutes Mutterl sorgt für dich, Die heimat läßt uns nicht im Stich! Viel Waisenkinder schafft der Krieg, Doch Opfermut bringt uns den Sieg! Es glänzt die Zukunft sonnengleich dem Waisenkind von Oesterreich! 2 28

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