Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1917

neten gewählt, daher die, bisher so viel als gar nicht vertretene Stadt Steyr nun sozusagen eine dreifache Vertretung besitzt. Dieselbe scheint überhaupt nun ihre Verfallskrisis überstanden zu haben, und auch höchsten Orts wieder in guten Ruf gekommen zu sein, indem unser Bürger¬ meister Josef Pöltl durch den Franz Joseforden und unser Bürgerkorps und gesamte Bürgerschaft durch Allerhöchste Anerkennungen ausgezeichnet wurden. Am 20. Februar ist Herr Anton Hal¬ ler, Lebzelter Nr. 112, vormaliger Bür¬ germeister und Landtagsabgeordneter, abends halb 6 Uhr in seinem Zimmer in Gegenwart des Eisenbahningenieurs Rodler vom Schlage getroffen worden und gleich darauf gestorben. — Großer Leichenkondukt. Am 7. März kam der k. k. Eisenbahn¬ Generalinspektor Hofmann von dem k. k. Handelsministerium, dann der Ingenieurvorstand der Bahnzentraldirek¬ tion Kazda und der Bauunternehmer Schwarz hier an, hielten am 8. und 9. Augenschein bezüglich des Baues des Steindammes bei der Loder¬ leiten und der Ramingbach=Eisen¬ bahnbrücke. Mit gemeindeämtlichem Beschluß vom 15. März wurden aus Dankbarkeit für die Förderung des Eisenbahnprojektes und den Staatsvorschuß von 5 Milli¬ onen fl. samt Zinsengarantie der k. k. Handelsminister Baron v. Wüllerstorf, der k. k. Finanzminister Baron Becke und der Fürst Josef von Collerado¬ Mannsfeld, als Präses des Eisenbahn¬ Zentralkomitees zu Ehrenbürgern unserer Stadt ernannt. Am 1. April erfolgte auf den Seidl¬ und Hallerfeldern auf der Ennsleiten der erste Spatenstich zur Bahn¬ hofplanierung und Aufdammung, jedoch gehen die ganzen Bahnbauten sowohl wegen des fortwährenden Re¬ gens, als auch wegen der ertremen Oekonomie der Bauunternehmung, sehr langsam, denn es arbeiteten am Bahn¬ 151 hofe nur 100 Menschen, und überdies steht, infolge gewaltiger Agitationen der Welser und Linzer, welche die Bahn von Rottemann über Spital und Kirch¬ dorf nach Wels und von Linz nach Bud¬ weis bauen möchten, nur noch in Frage: ob die Ennslinie Steyr, Hieflau, Rot¬ tenmann auch wirklich ausgeführt werden wird? — Jedenfalls werden vorderhand die Bahnhofbauten hier nur in bedürf¬ tigstem Maßstabe provisor. ausgeführt über die vom größten Objekte, näm¬ lich den Bahnbau an der Loderleiten und die große Brücke über das Ra¬ mingbachtal fehlt sogar noch die Mini¬ sterialentscheidung Am 13. April kam das Telegramm aus Wien, daß das von dem Josef Werndlschen Maschinisten Karl Holub erfundene Hinterladungsgewehr von der k. k. Prüfungskommission unter vielen vorgelegenen in= und auslän¬ dischen Systemen nach jahrelangen Pro¬ ben und Schwankungen endlich einstimmig als das einfachste und dauerhafteste an¬ erkannt und dessen Anschaffung für die k. k. Armee beschlossen worden ist; jedoch konnte bis zum Monatsschluße über die ziemlich hoch gespannten Preise noch keine Einigung erzielt werden. Am 23. April wurde von Arbeitern aus der Riedingerschen Fabrik in Augs¬ burg mit der Einsetzung der Gas¬ röhren in den Privathäusern begonnen. Der Armaturfabrikant Josef Werndl vergrößert das ihm eigentümliche vor¬ mals Müllnersche Hammerwerk um mehr als das Doppelte, bei wel¬ chem von unserem Baumeister Anton Pichler geführten Bau viele Italiener arbeiten. Am 13. Mai begannen die Arbeiter der L. A. Riedingerschen Gasfabrik hier am Schul= und Spitalberge mit der Legung der Gasröhren und mit der Anbringung der Laternenstützen. Am 13. Mai begann auch der Baumeister Pichler mit dem Baue des Bahnhofstationsgebäudes.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2