Gemeinderatsprotokoll vom 29. Dezember 1931

Weiters wird das Fürsorgeamt auch noch von ca. 520 Personen beansprucht, die in verschiedenen Anliegen im Amte vorstellig werden. In den städtischen Heimen leben 328 Pfleglinge. Vergleichen sie damit die Landeshauptstadt Linz, die in der geschlossenen Armenfürsorge nur ca. 400 Pfleglinge zu betreuen hat. Wenn sie die Zahlen, die ich ihnen nannte, und die eher Begrenzungen nach unten als Abrundungen nach oben zeigen, summieren, erhalten sie die runde Summe von 11.750 Personen, die in Steyr auf irgendeine Art amtlich befürsorgt werden, Das heisst, bei einer Einwohnerzahl von rund 22.000 Menschen sind 53.4% der Bewohner gezwungen, öffentliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um nur vor dem Aergsten geschützt zu sein. Ich sage betont gezwungen, denn bei den Ziffern die unser Budget der Fürsorge widmet, wird es niemand wagen, von Fürsorgeinflation zu reden, wenn auch die Kosten für das Kapitel XI, XII und XIII den Betrag von 466.700 S oder 27.9 % des Gesamterfordernisses beanspruchen. Mehr als die Hälfte der Bewohner dieser Stadt sind also ausgeschaltet aus Arbeit und Verdienst, sind durch die Not ferngehalten von normalen Verbrauch und drücken so doppelt das Wirtschaftsleben: sie stehen in Fürsorge und der Verdienst, den sie vor kurzem noch hatten, entgeht dem Wirtschaftsleben. So fordert die Not immer neue Opfer, Opfer die schon weit über die Schicht des Industrieproletariats hinausreichen, dem ehemaligen Mittelstand angehören. Wenn man von den in Fürsorge stehenden Personen nur 3500 als ehemalige Arbeiter der Steyr-Werke ansieht und als Wochendurchschnittsverdienst einen solchen von 60 S einsetzt, macht das die kapitale Summe von 200.000 S aus, die in Steyr allwöchentlich dem Konsum entzogen werden. Kein Wunder, wenn die hiesige Geschäftswelt ebenso dem Ruin zu verfallen droht, wie die dem Arbeiterstand angehörende Bevölkerung. Vom dadurch bedingten Steuerentfall, der wieder die Gemeinde drückt, will ich nicht reden. Und ein Ende des Ansteigens des Elends ist noch immer nicht abzusehen. Dass es die Mehrheit des Gemeinderates nicht auf ihr Gewissen nahm,

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