Gemeinderatsprotokoll vom 29. Dezember 1931

Verminderung der Funktionsgebühren seine Stimme zu geben. Gemeinderat Josef Urban (Kommunist) stellt den Voranschlag als Spiegelbild einer Bankrotten Gesellschaftsordnung hin und erklärt, dass die Bedeckungsfrage nicht befriedigend ist. Er fordert unter anderem eine progressive Besteuerung der Reichen, die Streichung des Beitrages für das Bundespolizei-Kommissariat. Er verweist auf das Barackenelend und bemängelt ferners, dass für die Wohnbautätigkeit im Voranschlage nichts ausgewiesen ist und dass die geringen Beträge, die für die Fürsorge aufscheinen, geradezu lächerlich wirken. Er kritisiert weiters das Verhalten der massgebenden Regierungsstellen, die wohl der Bankenspekulanten und Schwerverdiener, aber nicht der Arbeiterstädte gedenken. Redner erklärt dann, dass seine Fraktion den vorliegenden Jammerentwurf ablehnt. Gemeinderat Dr. Camillo Peyrer-Angermann (grossdeutsche Volkspartei) erklärt, dass wohl im ganzen Hause kein einziger sitze, der mit diesem Voranschlage eine Freude hätte oder befriedigt wäre. Ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände und auch begangene Fehler in den letzten Jahren wirken sich in diesem Voranschlage aus. Der Zahlenrausch und das Schuldenmachen der Inflationszeit hat eben auch die Gemeinde Steyr erfasst und blieb nicht ohne Auswirkung. Der derzeitige Verwaltungsapparat macht das dreifache der Vorkriegszeit aus. Es muss ein Weg gefunden werden, um eine Neuregelung in dieser Richtung zu erlangen. 60 % des Gesamterfordernisses für Gehälter aufzuwenden, ist unertragbar. Ueber den Lösungsvorschlag des Abganges ist Redner entsetzt; Arbeiter aufs Pflaster zu setzen, die weniger kosten, als der Verwaltungsapparat und dass nur der Apparat für die Aufrechterhaltung der kommunalen Tätigkeit erhalten bleibt, findet Redner nicht gangbar. Er spricht sich dann für die Abgabe von Verwaltungsagenden an den Bund und für die Auflassung der Autonomie aus und vermeint dadurch, einen Abbau des hohen Beamtenstandes zu erzielen. Als Beispiel führt Redner die Stadt Wels ohne Autonomie und ihrer günstigen Geldgebarung an: Ferners bespricht Redner noch die sich immer wieder ergebenden Schwierigkeiten parteipolitischer Natur in der Abgabenteilung und bringt zum Ausdrucke, dass eine Hilfe aus diesem Titel nicht zu versprechen ist. Bezüglich des Zinsendienstes vermeint auch Redner, dass sich

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