Gemeinderatsprotokoll vom 29. Dezember 1928

Präliminare, das keinen wie immer gearteten Sachaufwand vorsieht, ergibt einen Geldabgang pro 31. Dezember 1928 von S 236.822.- das heisst der Gemeinde fehlt am 31. Dezember 1928 dieser Betrag. Auf die Konsequenzen dieses Ergebnisses werde ich noch zu sprechen kommen. Ich halte mich verpflichtet, über die Ausgaben der letzten vier Monate die genaueste Rechenschaft zu geben. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass nur Pflichtausgaben eingestellt sind, sodass das Wort "Ersparen" für dieses Präliminare überhaupt nicht anwendbar ist. Die Hauptausgaben verursacht der Schuldendienst, der für die letzten vier Monate d.J. allein S 117.978.- ausmacht. Der Schuldendienst ist die drückendste Sorge der Verwaltung. Ich brauche die Zeit der Inflation nicht zu schildern, ich brauche nicht zu schildern, wie die Gemeinde mit ihren starren aus der Vorkriegszeit stammenden Einnahmen den sprunghaft erhöhten Ausgaben nicht mehr nachkommen konnte. Der Gemeinde stand nicht die Notenpresse zur Verfügung und so mussten Darlehen auf Darlehen aufgenommen werden, die natürlich auch verzinst werden müssen. Ueber die Zinsen- und Kapitalsabzahlung gibt nachstehende Zusammenstellung Aufschluss: % der Gesamtausgaben 1922 1.200.- 5.7 1923 26.000.- 1.8 1924 130.000.- 5.1 1925 240.000.- 7.1. 1926 276.000.- 12.3 1927 192.000.- 17.5 1928 (bis 1.9.) 254.000.- -- Die Gemeinde hat also in den letzten acht Jahren ungefähr 1 1/2 Million Schilling allein an Zinsen- und Kapitalsrückzahlungen geleistet, eine geradezu ungeheure Summe, die fast ausschliesslich dem Bankkapital abgestattet wurde.

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