Gemeinderatsprotokoll vom 3. Juli 1926

same Arbeit zum kulturellen Aufstiege und wirtschaftlichen Wiederaufbau dieser Stadt geleistet werden soll. Wir wollen daher die Taten und die Geschäftsführung des Herrn Bürgermeisters abwarten und darnach unser weiteres Verhalten einrichten. Im Interesse unserer Stadt geben wir der Hoffnung Ausdruck, dass es dem neuen Herrn Bürgermeister gelingen werde, die Geschicke der Stadt Steyr zum Besseren zu lenken. Vor allem erwarten wir, der von der Mehrheit gewählte Bürgermeister möge sich ständig vor Augen halten, dass er die berechtigten Interessen aller Stände zu wahren, die Freiheit aller Bewohner anzuerkennen und mit entschlossener Objektivität zu schützen hat, insbesonders auf religiösem Gebiete, denn diese Anerkennung und dieser Schutz sind der untrügliche Gradmesser des Kulturniveaus einer Gemeinde und die Grundbedingung kulturellen Aufstieges. Wir betrachten es aber auch als eine der wichtigsten Aufgaben des Herrn Bürgermeisters, zwischen den verschiedenen Ansprüchen ausgleichend zu wirken, denn ohne ein halbwegs vertrauensvolles Zusammenarbeiten aller Stände können wir uns eine Gesundung unseres Gemeinwesens nicht vorstellen. Die Belange der Arbeiterschaft, aus deren Reihen das neue Stadtoberhaupt genommen werden soll, dürfen gewiss nicht vernachlässigt werden; wir wünschen ebenso wie die Mehrheit, dass der Arbeiterstand wirtschaftlich wieder gestärkt und in seinen gesetzlichen Rechten nicht geschädigt werde; dabei erwarten wir, dass der neue Herr Bürgermeister den nicht sozialistisch gesinnten Arbeitern ebenso entgegenkomme, wie seinen engeren Gesinnungsgenossen und dass er jederzeit ihr Recht auf Arbeit und Freiheit der Gesinnung anerkenne und schütze. Wir hegen ferner die zuversichtliche Erwartung, der neue Herr Bürgermeister, der bisher nur für sozialdemokratische Parteigenossen tätig war, werde nicht ausseracht

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