Zwanglose Blätter, Nr. 68, vom 8. November 1848

Roß abgeworfen, und er war ein gewaltiger Reiter der kluge Louis Philipp mußte in den Sand — seine weisen Sprüchlein schienen doch keine Gewalt zu haben, und der König von Preußen spricht auch gut — wir werden noch sehen wie er reitet. Numa Pompilius war ein weiser König, vorzüglich aber darum, weil er der Stimme der göttlichen Nymphe Egeria Gehör schenkte und ihren Rath befolgte. Ich weiß nicht, ob in den beschnittenen, altfränkischen Laubwänden Hetzendorfs eine Egeria wohnt, aber jenseits dieser steifen Ueberreste einer verlebten Herrlichkeit spricht eine göttliche Stimme, zu der die Gewaltigen ihr Ohr neigen sollten — ich meine die Stimme des Volkes. Volkes Stimme Gottes Stimme! Volkes Gericht, Gottes Gericht! Verschließt nicht länger eure Ohren der Stimme des deutschen Volkes! Nachstehende Proklamation des Fürsten an die Nie¬ der= und Oberösterreicher beweist, wie sehr sich unsere Lage von den schönen Märztagen bis in diese trüben November¬ nächte verändert hat. Damals erwarteten wir gesetzliche Feststellung und Verbürgung unserer Freiheit, und jetzt erwartet der Fürst Feldmarschall von uns, daß unser Geist seinen Erwartungen entsprechen werde widrigen¬ falls er uns in Belagerungszustand versetzt. Einst so viel grünes Laub und Rosen, und jetzt nur dürre Zweige und aristokratisch= kalter Schnee. Husch! wir wärmen uns an der erwähnten Prokla¬ mation: An die Bewohner von Nieder= und Ober¬ Oesterreich. Der verlängerte Widerstand, den die in offener Em¬ pörung begriffene Stadt Wien meinen Truppen entgegen¬ gesetzt hat, bemüßigte mich, nachdem ich alle Mittel zur gütlichen Unterwerfung derselben erforglos versucht, und selbst die schon angebotene Kapitulation treulos und wort¬ brüchig von derselben umgangen wurde, die strengste Waf¬ fengewalt eintreten zu lassen, welche deren vollkommene Bezwingung zur Folge hatte. Die Stadt Wien und deren Umgehung auf zwei Meilen Zur Geschich Der Hofadel namentlich ist es, mit seinen Wurzeln und Ausläufern die er in den Offiziersstellen der Armee findet dem die allgemeine Stimme die Schuld gibt, den Kaiser vermocht zu haben, statt möglicher Friedensvermit¬ telung, sogleich die blutige, nie überzeugende Ge¬ walt der Waffen anzuwenden, die ihn (diesen Adel) schneller und sicherer zu seinem Ziele zu führen schien. Wir wollen hier nicht zu Gerichte sitzen über den betheiligten Adel und überlassen dieses traurige Amt mit voller Beruhigung jenem höheren Richter, dessen himmlische Residenz nie in Belage¬ rungszustand gesetzt werden kann. Wir erinnern hier nur im Umkreise befindet sich von heute an im Belagerungs¬ zustande, wodurch sämmtliche innerhalb der gedachten Aus¬ dehnung bestehenden Ortsbehörden unter die Autorität der Militärgewalt gestellt werden. Indem ich dieses hiermit allgemein bekannt gebe, spreche ich die zuversichtliche Erwartung aus, daß die Provinzen Oesterreich ob und unter der Enns in ihrer bisherigen Treue an das Kaiserhaus und die konstitutionelle Mo¬ narchie unerschütterlich verharren, alle bösen Einflüsterungen von sich rntfernt halten und mir die Nothwendigkeit er¬ sparen werden, den Belagerungszustand noch weiter auf einzelne Ortschaften oder Gemeinden ausdehnen zu müssen, in denen sich wider mein Erwarten ein gleicher übler Geist zeigen sollte. Ich warne somit die Bewohner dieser Provinzen auf das Eindringlichste vor jenen Aufwieglern welche unter täuschenden Vorspiegelungen nur die Auflösung aller Bande der Ordnung und Gesetzlichkeit beabsichtigen, unabsehbares Verderben verbreiten, und der fortschreitenden Entwickelung jeder wahren Freiheit nur entgegen wirken können. Hetzendorf am 1. November 1848. Fürst zu Windischgrätz, k. k. Feldmarschall. Der Schluß dieser Proklamation befriedigt mich voll¬ kommen, und ich wünschte ich hätte die Macht, alle jene Aufwiegler ihrer gerechten Strafe zuzuführen, welche unter täuschenden Vorspiegelungen nur die Auflösung aller Bande der Ordnung und Gesetzlichkeit beabsichtigen und unabseh¬ bares Verderben verbreiten, um der fortschreitenden Ent¬ wickelung jeder wahren Freiheit entgegen wirken zu können. Ich habe immer für das Recht gekämpft und für das Recht stehe ich bis an's Ende. Daher fühle ich mich auch gedrungen, es offen zu tadeln, wenn die Stadt Wien nach einmal geschlossener Kapitulation — ohne daß das Belagerungsheer vertragsbrüchig wurde — von Neuem die Waffen ergriff. Man muß sein gegebenes Wort halten. Der Sturm, der Wien niederwarf, kann sich über Nacht umwenden, und die stolze Feste deutscher Freiheit wieder neu und herrlich aufrichten. Aler. Jul. Schindler. e des Tages. an diesen Antrag des Frankfurter Abgeordneten Moritz Mohl, den er am 24. Mai d. J. in Druck legte: „Vorrechte sind gegen die Natur. Alles aber, was nicht natürlich ist, ist auch nicht gerecht. Darum Aufhebung des Adels, seiner Titel und Vorrechte. Als einen weiteren und großen Vortheil der Annahme dieses Antrages aber würde ich glauben es noch betrachten zu dürfen, daß mit der Aufhebung des Adels auch die Höfe einfacher und bürgerlicher, also wohlfeiler und dem Volke näher gerückt werden würden, daß eine Verminde¬

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