Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 34, November 1796

gewöhnlich, die biographischen Schlüsse daraus sind nicht zwingend. Im Gegenteil: Obwohl im Bestallungskonzept von 1614 (BR 9) das Dienstjahr per Georgi vorgesehen war (wobei nicht feststeht, ob es dabei blieb, vgl. oben), scheint man nämlich wieder deri Dienstschluß per 31. Oktober (entweder entsprechend dem Dienstantritt vom 1. November oder indem man zu Georgi von der vereinbarten „halbjerige Auffsag" [Kündigungsfrist] Gebrauch machte), eingehalten zu haben, d. h. die neue katholische Ver– waltung hat einem alten bekannten Protestanten betont korrekt Abschied gegeben. Ja, die einmaligen Formulierungen „Organist und Orgelmacher" könnten wie gesagt sogar die Art und Weise andeuten, wie man in Hin– kunft sein Auskommen ermöglichen wollte (indem man ihm wenigstens Orgelreparaturen erlaubte, was vielleicht auch außerhalb der Zunft ge– schehen konnte). Im übrigen ist ja bekannt, daß nur auswanderte, wer es sich leisten konnte, und daß man noch 1627 in Steyr gegen Protestanten vorging,80 ) daß also in den Jahren vorher durchaus nicht alle vertrieben wurden. Jedenfalls findet sich Peuerls Name nicht in der Steyrer Auswan– derer-Liste von 1629.81 ) Daß Peuerl nicht in Steyr geblieben und hier gestorben sein könne, weil er nicht in den Totenprotokollen der Stadt– pfarre Steyr aufscheint, ist aus mehreren Gründen ohne Beweiskraft: 1. sind diese unvollständig, 2. sind sie in dieser Zeit weitgehend als Geläutbücher geführt, d. h. es wurde aufgezeichnet, welches Glocken-Geläut zum Kondukt verwendet wurde, und es spricht viel für die Wahrscheinlichkeit, daß man einen (inzwischen vielleicht sogar verarmten) ehemals exponierten Pro– testanten in aller Stille begraben und/oder ihn keiner Eintragung in (katho– lische) Kirchenprotokolle mehr gewürdigt hat. Damit wäre auch hier als Lexikon-Formulierung zu wählen : ,,t nach 1625, vermutlich in Steyr" . Mit der Tatsache, daß es offenbar schon vor der Übersiedlung Paul Peuerls nach Steyr daselbst Träger dieses Namens gab (vgl. oben) , hängt zusam– men, daß deren etwaige Nachkommen schwer auseinanderzuhalten sind. Mit einiger Sicherheit nicht unmittelbar in Zusammenhang dürfte sein der bereits geannte, 1612 in den evangelischen Matrikeln als Vater einer Tochter aufscheinende Georg Peurl Tagewerckher, der wahrscheinlich auch wieder einen Sohn mit gleichem Vornamen hatte (er könnte z. B. 1613 geboren sein, da in den Matrikeln dieser Jahrgang fehlt), weil am 29. No– vember 1648 ebenfalls ein Georg Peuerl als Vater einer Tochter Barbara belegt ist. Dieser dürfte auch identisch sein mit jenem Georg Peueri, der 1652 in Steyrer Kommunikantenlisten aufscheint und für einen „ Sohn unse– res Organisten " gehalten wurde. Wie lückenhaft diese Matrikeln sind, zeigt u. a., daß das genannte Kind Barbara offenbar eine Zwillingsgeburt war, denn am 6. Dezember 1648 wird „Georg Peuerl, Khindt, gestorben an der frais mit 8 degen ohn gleidt" begraben. Als Vater von zwei weiteren Kindern (2. Oktober 1643 Johannes, 4. November 1646 Johann Adam) be– gegnet ein Hans Peurl, der ebensogut ein Bruder des genannten Georg Peuerl wie das in Horn geborene Kind von Paul Peuerl (dessen Vorname ja nicht bekannt ist) sein könnte. (Hier würden nur neue Dokumentenfunde weiterhelfen). 22

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