Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 30, April 1972

Die Orgel war verstaubt und „gänzlich ruiniert". Für die Reparatur des alten Instruments erhielt Antony Richter, Orgelmacher zu Passau, am 21. April 1774 den Betrag von 28 Gulden81 ). Bereits im Jahre 1758 war von der Gründung einer zweiten Pfarre im Stadtgebiet Steyr die Rede82 ) . Verschiedene Umstände aber verzögerten dieses Vorhaben bis 1784. Erst in diesem Jahre wurde die Errichtung der Vorstadtpfarre vollzogen und am 15. November die Jesuitenkirche St. Michael zur Vorstadtpfarre erhoben83 ). Der Magistrat übernahm das Patronatsrecht84 ), Johann Michael Wessiken wurde zum Pfarrer ernannt. Drei Dominikaner, deren Kloster in Steyr 1785 aufgehoben wurde, kamen an Jie neue Pfarre85 ). Im Jahre 1788 wurde aus der Garstner Klosterkirche die berühmte Egedacher Orgel in die Michaelerkirche überstellt86 ). Da durch das mächtige Instrument die Fläche des Musikchores eine Einbuße erlitt, erging am 6. April an den Magistrat das Ersuchen, die Turmstiege ausbauen zu lassen, damit jene Kirchenbesucher, die bisher vom Musikchor zu den Oratorien auf der Evangelienseite gelangten, die Stiege benützen können87 ). Am 9 . Juni 1791 forderten die Kirchenväter die Beseitigung der durch den Tra:.1spor: und durch die Aufstellung entstandenen Schäden an dem um 1704 angefertigten Orgelgehäuse aus Garsten88 ): ,,Es haben bei gnädigst bewilligter und schon vor drei Jahren beschehener Übersetzung der Garstnerischen Orgel in der Skt. Michaels Pfarrkirche zu Steyr die ohnehin schon alt und stark abgenützt geweste Orgelkästen an einigen Teilen, sonderbar an den Gesimsen, nicht nur in ihrer alten schwarzen Fassung, sondern auch am Holzwerk großen Schaden gelitten und daher, wie auch wegen der nach dasiger Chorsituation erforderlichen Umsetzung der Blas– bälge, wieder mit frischen Holz ergänzet werden müssen, wodurch dann dieselbe noch mehr verunstaltet worden sind, so daß sie nicht nur dem sonst trefflich guten Orgelwerk, sondern auch dem sonst durchaus rein– lichen und ansehnlichen Gotteshause selbst eine große Unzierde geben." Im September bewilligte die Regierung die auf 546 Gulden veranschlagte Orgelinstandsetzung89 ). 81 ) Vorstadtpfarre St. Michael 1773-1795, K. VII, Fach 12, F. Nr. 350: Quittung vom 21. 4. 1774. 82 ) Ferihumer, Histor. Atlas, a. a. 0 ., S. 431 . 83 ) Lenzenweger, Pfarrnetz Garsten, zit. Vorstadtpfarr-Archiv, F. Pfarrgeschichte, Org. Brief des Dechants Zechetner an den Stadtpfarrer P. Andreas Meißlinger. 84 ) Ferihumer, Histor. Atlas, S. 431 f. 85 ) Hittmair, Klostersturm, S. 213 f. 86 ) Nach Garsten kam die alte Orgel der Michaelerkirche. Die Garstner waren darüber sehr empört und bezeichneten das Instrument als „Dudelsack". Pemdl, Stiftskirche Garsten, a. a. 0 ., S. 28. - J. Bayer, Die älteste Orgel von Steyr. Steyrer Zeitung v. 26. 1. 1967, S. 12. 87 ) Ansuchen der Kirchenväter der St-Michaels-Pfarrkirche an den Magistrat Steyr v. 6. 4. 1788. F. Nr. 350: Vorstadtpfarre St. Michael, 1773-1795, K. VII, Fach 12. 88 ) Pemdl, Stiftskirche Garsten, S. 53. 89 ) F. Nr. 350 : Vorstadtpfarre St. Michael 1773-1795, K. VII, Fach 12: Mitteilung des Kreiskommissärs v. 12. 9. 1791. 59

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