Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 19, Februar 1959

150 Jahre Steyrer Stadttheater Zur Theotecgefdiidite Der Stabt Steyr Von Dr. Franz Pfeffer Gegenständliche Arbeit wurde im Jahre 1943 anläßlich des 150jährigen Bestandes des Steyrer Stadttheaters in einer Zeitung veröffentlicht. Der Verfasser erklärte im Vorwort, daß er auf Grund der Zeitumstände nicht in der Lage war, eine lückenlose Gesamtdarstellung der Steyrer Theatergeschichte zu geben. Im Hinblick auf die Eröffnung des Theaters im Volkskino ist die Darstellung von aktuellem Wert. Quellen und Literatur: D. Schiffmann „Drama und Theater in Österreich ob der Enns" (1905); R. Stumpfl „Das alte Schultheater in Steyr" (1933); E. K. Blümml und G. Gugitz „Alt-Wiener Thespiskarren" (1928); R. Latzke und O. Rommel „Ludwig Anzengrubers sämtliche Werke"; E. Castle „Ludwig Anzengrubers Werke u. a." — Ratsprotokolle und Theaterakten im Steyrer Stadtarchiv, Theaterakten des Linzer Landesarchivs, Theaterzettelsammlung des Steyrer Museums. — Bei der Bereitstellung des archivalischen Materials hat der Leiter des Steyrer Stadtarchivs O. I. Koller wertvolle Hilfe geleistet. Steyrs Theaterüberlieferung läßt sich an Hand der Quellen bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Lange vor dem Auftreten von Berufsschauspielern wurde auch in Steyr von Laien Theater gespielt. Von mittelalterlichen Bürgerspielen, wie sie nach dem Muster anderer Städte auch in der reichen Eisenstadt aufgeführt worden sein mögen, sind keine Überlieferungen erhalten. Dagegen nimmt Steyr eine hervorragende Ausnahmestellung im Raum des ehemaligen Österreich auf dem Gebiete der Schuldramatik ein. An der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begründeten Steyrer Lateinschule fanden insbesondere unter den Rektoren Thomas Brunner (1558—1571) und Georg Mauritius d. Ä. (1572—1600) jährlich zur Faschingszeit öffentliche Aufführungen deutscher und lateinischer Komödien durch die Steyrer Latetnschüler statt. Brunner und Mauritius haben die Dramen für diese Aufführungen zum Teil selbst verfaßt, beziehungsweise bearbeitet. Von Brunner sind drei Steyrer Schuldramen in seltenen Wittenberger Drucken erhalten: der dem Bürgermeister, Richter und Rat der Stadt Steyr gewidmete „Jacob", dessen Aufführung im Jahre 1566 die erste nachweisbare theatralische Vorstellung in Steyr ist, und zwei für eine Steyrer und eine Kremser Bürgerhochzeit geschriebene Stücke. Von Mauritius besitzen wir zehn Steyrer Bühnenbearbeitungen, die später in Leipzig gedruckt wurden. Auch unter Rektor Lindner (seit 1603) fanden Schülerausführungen (Weihnachts- und Passionsspiele) in Steyr und Garsten statt. Spätere Aufführungen veranstalteten die Steyrer Dominikaner, die u. a. 1628 einen Totentanz spielten, und die Steyrer Jesuiten, die 1669 zu Ehren des Steyrer Bürgermeisters Max Luckhmer die Komödie „Ansberta" aufführten. Diese Schulaufführungen fanden im Hof oder in einem Saal der Lateinschule, in der anschließenden Schulkirche (Dominikanerkirche), im Rathaus (Stadtsaal), in der Stadtpfarrkirche, in Garsten vor dem Kanzleigebüude des Stiftes statt. Neben den Schülern spielten auch die Steyrer Handwerker und Bürger. So hören wir 1576 37

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