Steyrer Tagebuch Nummer 14, Oktober 1983

wäre sinnlos, irgendwo Kunstbauwerke zu errich– ten, nur weil da jemand für zwei Jahre Arbeit hat. Trotzdem kann ich mich dem Gedanken Kraftwerk im Hintergebirge nicht verschließen. Wenn ich mit Sorge sehe, daß die Wälder kaputt werden und man weiß, daß das zum Teil von kalorischen Kraftwerken kommt, die sehr teuer, teils aus Kohle, teils aus Öl Ener– gie erzeugen, wobei man mit Öl sicherlich vernünf– tigeres anfangen kön~te als es zu verbrennen: dann muß ich anerkennen, daß Wasserkraft die billigste und trotz der Sekundärfolgen umwelt– freundlichste Energie– form ist. Das ist ein Kompromiß und darf nicht dazu führen, daß das letzte Graberl zubeto– niert wird. Für das Hin– terg e birge spricht, daß noch genug übrigbleibt. Das Weiterbetreiben der alten kalorischen Kraft– werke scheint mir der größere Nachteil. Ob der Strom gebraucht wird, kann ich wegen der gegen– läu figen Statistiken bei– d e r Sei t e n nicht nachv~ll– ziehen . TB: Nach•träglich hat sich oft gezeigt, daß die Annahmm der E-Wirtschaft nicht realistischer waren als jene radikaler Grüner. H: Ich habe gegen radikal von jeder Seite etwas. Aber sicher muß man Ex– tremziele haben, damit man realistische Erfolge erreichen kann. ~vEHRGRABEN TB: Im Wehrgraben hat sich gezeigt, daß oft eine Gruppe außerhalb der eta– blierten Parteien notwen– dig ist, um wichtige Fra– gen auf die Tagesordnung zu bringen und gute Lösun– gen durchzusetzen. 5 H: Die Bewegung war schon · en. Ich kann mir vorstel- in der Partei auch. len, das wird eine ausge- Als 1973 Herbert Schwarz sprachen lebens- und woh– und ich in den Gemeinde- nenswerte Gegend, wenn rat kamen, sagten wir: man die Leute dort nicht So geht es mit dem Wehr- zwangsbeglückt. graben nicht. Im Rahmen der Jungen ÖVP entstand eine recht engagierte Be – wegung zum Schutz des Wehrgrabens . Das hängt vielleicht auch mit einem Generationswe~hsel in den Parteien zusammen. Die noch die Aufbauarbeit nach dem Krieg geleistet haben, setzten fort unter geringer Rücksichtnahme auf natürliche und histo– rische Gegebenheiten, während die Jüngeren von einem Rückbesinnen erfaßt werden: nicht alles rui- .nieren, sondern Werte er– halten und bewahren. Das sieht man nicht nur im Wehrgraben und auch in fast allen Parteien. Natürlich haben die Par– teien nicht genug zuwege gebracht. Die breite Bür– gerbewegung, das muß ich zugeben, ist durch das Engagement der Leute im Verein "Rettet den Wehrgraben" entstanden. Das beweist mir, daß man die Bürgerdemokratie för– dern muß. Weil das ein g e sundes Regulativ ist. TB: Können Sie sich neue Institutionen im Stadtrecht vorstellen? H. Ich könnte mir lebhaft vorstellen, daß man um die Problematik im Wehr– graben einen Beirat macht in dem neben den politi– schen Parteien auch die dort engagierten Leute mitreden. TB: Wie geht es nach ih– rer Vorstellung wei– ter im Wehrgraben? H: Die Ergebnisse des Ar- chitektenwettbewerbes sind zum Teil befriedi– gend, zum Teil nicht. Aus all dem müßte man gemein– sam mit den engagierten und den betroffenen Bür– gern einen Kompromiß bau- SOZIALER hüHNßl\U TB: Manche sehen die Ge- fahr, daß eine neue Nobelwohngegend entste– hen könnte. H: Ich glaube nicht, daß in Steyr ein so großer Bedarf an Luxuswohnungen besteht. Resthof, WAG und Bergerweg zeigen, daß ganz einfach finanzielle Gren– zen gesetzt sind. Das wird dazu führen, daß der kommunale Wohnbau wie– der Wohnungen baut, die sich der Durchschnitts– bürger leisten kann • TB: Wie kann man das er- H: reichen? Darüber wird vie l dis– kutiert. Wenn der sozi· ale Wohnbau sozial sein will, muß e r aufhör e n, Paläste zu bauen, d e m ein– zelnen ein e Chanc e lass e n, ein bißl selber zu machen . Dann wird auch di e Frage der Subventionierung nicht mehr so akut sein . TB: Wie ist es eigentlich dazu gekommen, daß das, was als sozialer Wohnbau gedacht war; so teuer wurde, daß sich's viele nicht mehr leisten können? H: Ein Grund kann sein, daß in Steyr 80 bis 85 % des sozialen Wohn– baus in der Hand der GWG, also der Gemeinde sind. 1n anderen Städten gibt es zwischen mehreren Trä- gern so etwas wie einen Wettbewerb, die mußten schon früher trachten, erschwinglichere Wohnun– gen zu bauen. TB: Was würde die ÖVP an- ders machen? H: Auf alJe Fälle klei- nere Wohnungen bauen. Zum Vergleich: ich würde sicher gern ein ko~for– tableres Auto fahren. als

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