Das Land ob der Enns

■ i .-■JC.K-.'-ii 42 I. Kelten und Römer. Der Name der Enns, *An-esu-s, 8. Jahrh. Anisus, Anasus, Anisa^), ist wohl keltisch (vgl. den britannischen Flußnamen Ansa = the little Ouse im Itin. Ant.) und von einer idg. W. an .fließen' herzuleiten^). Gleichen Ursprungs dürfte auch der Name Rotel sein, der im Haus ruckviertel und im Mühlviertel vorkommt, dort als Redl, urk. Rötl®), mundartl. R§dl, hier als Rotel, 8. Jahrh. Raotula, Rotala, Rotila*), mundartl. Rödl. Er wird also von der idg. W. rat, rot .laufen' gebildet sein, *Rot-el-a®). Die Mühlviertler Rotel, ein größerer Fluß, durchzieht in ihrem Unterlaufe ein früh besiedeltes Gebiet. In Ottensheim, wo sie in die Donau mündet, sind Römerfunde®) gemacht worden, und in karolingischer Zeit ist Weinbau an ihren Uferhängen bezeugt, der wohl römischen Ursprungs ist. Eine Strecke weit begleitet sie die alte via regia, die nach Böhmen führte. Für den kleineren ihrer Quellflüsse begegnet einmal die urk. Form Rotilich'), die als Versuch einer Slawisierung des Namens durch die einstigen windischen Anwohner aufzufassen ist. Im unteren Mühlviertel, dort wo die große Ebene jenseits von Enns beginnt, nimmt die Donau einen Fluß Alst auf, der aus der Feld- und Wald-Aist®), der weißen, schwarzen®) und herben (= unwilligen, zornigen) Aist entsteht. Er heißt urk., zuerst 853, Ageste, Agista, Agasta*®), mund artl. Oüst. Gewöhnlich erinnern die Erklärer an den Namen der Ager, urk. Agira, -ara, und fassen Agista als Steigerüngsform dazu auf**). Da aber dem Flußnamen der Name einer früh*^) bezeugten, am Flusse lie genden curtis Agesta (Aisthofen) cum colonis et pertinentiis urkundlich gegenübersteht, so ist entweder an einen römischen Latifimdienbesitzer namens Agestes zu denken, wie wir solche in Matuc und Antesmo kennen 1) Ebd. I, 118, 471; F0.= I, 162. ^) Vgl. Müllenhoff 222. Andere denken an rätische oder ligurische Herkunft, ä) In einer Qrenzbeschreibung des 16. Jahrb., Archiv f. österr. Gesch. 102. Bd., S. 672. *) Oö. UB. II, 4, 6 f., 75. FO.^ II, 613. Racotulu ist Schreibfehler, das u der Endung natürlich nicht, wie Kämmel 105 f., Anm. 4 meint, keltisch, son dern die ahd. Dativendung. '') Esser a. a. O., S. 14 hält die W. für idg. ard wallen, netzen, strömen. Vgl. auch ebd., S. 115. — Mit Riezier, Festgabe III, an Benennung nach den Saiblingen zu denken, die im Volksmunde Redl (Rötel) heißen, geht nicht an, weil dann eine Form Rotilaha (vgl. Fischaha, Sprenzalaha) zu erwarten wäre. 8) Mitt. d. ZK- 1889, S. 228. ') Oö. UB. II, 92 (1110). ®) Beide so schoa im 12. Jahrh. beurkundet. ®) Als weiße und schwarze im 16. Jahrh. nachweisbar (Archiv f. österr. Gesch. 94, 288, 295). 1») Oö. UB. II, 16 (853). F0.8 I, 24. *1) Vgl. F0.8 1, 33, der zu Exterstein eine *Agistra stellt. ^2) Vielleicht schon in der Urk. von 853, jedenfalls aber in der Zehent ordnung des Bischofs Pilgrim von c. 985 (Oö. UB. 1, 472, n. 57).

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