Österreichs Eisen in Vergangenheit und Zukunft

Wenn aud1 in der Edelstahlindustrie die Qualitätstechnik im Vor- <iergrund steht und man bis ungefähr 1920 stark auf der empirischen Erfahrung fußte, so setzte mit dem Übergang vom 80- bis 500-Kilo- gramm-Block zum 500- bis 3000-Kilogramm-Block eine Vergrößerung der Schmelzöfen, der Walzwerke, und letzten Endes der Betriebe selbst ein. Die weitere Entwicklungsstufe war die Spezialisierung und der Zusammen- schluß mehrerer Werke, um der Forderung einer wirtschaftlichen Pro- duktion gerecht zu werden. Als markantes Beispiel sei auf die schwedische Edelstahlindustrie verwiesen, wo eine ausgesprochene Spezialisierung Platz gegriffen hat, und zwar in der Weise, daß bestimmte Werke nur mehr bestimmte Stähle erzeugen. Noch weiter sind die deutschen Edel- stahlwerke gegangen, die durch den Zusammenschluß von 7 Edelstahl- werken seit Jahren eine der stärksten Edelstahlorganisationen darstellen. Was die Frage des Standortes der österreichischen Hüttenindustrie anlangt, so findet man in der Vergangenheit und in der Entwicklung der Welt eine große Zahl von Beispielen, die nicht unberücksichtigt bleiben dürfen, will man bei der jetzigen Ausbauplanung auf längere Sicht wirken. In erster Linie sind es das Erz und der Brennstoff, ferner -die Antriebskraft und der Absatz, die den Standort bestimmen. Wenn auch in dieser Beziehung durch Dampf und Elektrizität im Laufe der Zeit Lockerungen eingetreten sind und die Hüttenwerke nicht mehr in dem Maße an die Erz- und Kohlevorkommen gebunden sind wie ehe- dem, so hat die bisherige Entwicklung doch gezeigt, daß der Ideal- fall dann gegeben ist, wenn das Hüttenwerk unmittelbar auf Kohle und Erz errichtet werden kann. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß dieser Fall nicht allzu häufig in der Welt vorkommt. Den nächsten Rang hat jener Betrieb, der entweder am Erz oder auf der Kohle liegt, wobei selbstverständlich durch die Lage der Absatzgebiete gewisse Verschie- bungen eintreten können. Die Ansicht, das Hüttenwerk liege besser auf der Kohle als am Erz, ist nur bedingt richtig. So wird beispielsweise das Roheisen, welches mit Ruhrkohle in Linz oder Donawitz erzeugt wird, billiger sein, als das Roheisen, das man mit Eisenerzer Erz im Ruhrgebiet erbläst, wobei Gleichheit der übrigen Kosten und der Ofen- größen angenommen wurde; denn bei diesem Vergleich darf nicht über- sehen werden, daß für 1 Tonne Roheisen etwa 1 Tonne Ruhrkohle und 2.2 Tonnen Rösterz benötigt werden. Liegt beispielsweise ein Hüttenwerk am Meer oder an einer Wasserstraße, dann ist man in ·bezug auf die Beschaffung von Erz und Kohle besser gestellt. Kommt in einem solchen Fall noch der Vorteil dazu, daß in der Nähe des Meeres oder der Wasserstraße Erz oder Kohle liegen, dann gestaltet sich die Lage für ein Massenwerk bedeutend günstiger. Wenn man die sechsmalige Verlagerung der österreichischen Eisenindustrie innerhalb von ungefähr 500 Jahren - bedingt durch Erz-, Brennstoff- und Ernäh- rungsfragen, durch Erfindungen und politische Entwicklungen - ins Auge faßt, so wird man die Frage, ob es richtig war, in Linz ein großes Hüttenwerk zu bauen, bejahen müssen; denn es treffen Voraussetzungen zu, die erforderlich sind, um auf weite Sicht stabile Verhältnisse zu schaffen. Die Lage der Hüttenwerke in der Steiermark ist zum Teil 27

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