Oberösterreich, 19. Jahrgang, Heft 1, 1969

Der erste große Einbruch erfolgte, als 1889 die wesentlichen Altbestände an die damalige Preußische Staatsbibliothek in Berlin verkauft wurden. Über ihre weiteren Geschicke, z. B. im und nach dem zweiten Weltkrieg, bedarf es neuerlicher Nachforschungen. Ein zweiter für unseren heimatlichen Kul turbesitz nicht minder schmerzlicher Akt erfolgte vor 13 Jah ren, als die in ihrem Bestände wesentlich jüngere, aber nicht weniger wertvolle Eferdinger Bibliothek der Starhemberge in Köln unter den Hammer kam. Diese Bestände gingen vor allem auf die Fürsten Georg Adam (1724—1804) und Ludwig Josef Max (1762—1833) zurück, bedeutende Diplomaten im Dienste des Kaiserhauses, die vorzugsweise in England und Frankreich tätig gewesen waren. Sie hatten es verstanden, die kostbare Bibliothek im Kleide ihrer Zeit auszustatten. Die Einbände der Eferdinger Bibliothek hatten in diesem Rah men kaum ihresgleichen, enthielt sie doch von den berühm testen Buchbindern am englischen Hofe nicht nur Beispiele, sondern ganze Serien. Hier sind vor allem Charles Hering (etwa 1793—1812 in London tätig) und Christian Samuel Kalthoeber zu nennen. Das gleiche gilt für die österreichi sche, d. h. die Wiener Buchbinderei im frühen 19. Jahr hundert, von der die wichtigsten Meister vertreten waren. Statt dieser einzigartigen Kostbarkeiten muß man jetzt mit dem gut gearbeiteten Versteigerungskataloge sein Auslangen fin den. Die Zusammensetzung der Bibliothek zeigt in ihren älteren Teilen die Herkunft aus der frühneuzeitlichen Adels welt. Der Hauptbestand aber betrifft die Zeit ihrer Samm ler, die Literatur in fremden Sprachen; vorzüglich Englisch und Französisch, daneben auch noch Latein gewinnen das Übergewicht. Schon kündigt auch die neue Zeit sich an. Zahlreiche französische galante Romane, 360 Bände Gothic Stories, englische Geister-, Schauer- und Schreckensromane, in ihrer Zahl einer gesamten Adelsbibliothek des 16. Jahr hunderts gleichend, nehmen einen bedeutenden Anteil ein. Die Hintertreppen-, Rühr- und Sittengeschichten, die illustrierten Skandalgeschichten scheinen, wie der Katalogbearbeiter leicht boshaft bemerkt, zu den meist gelesenen Teilen der Biblio thek gehört zu haben. Aber was findet der Bibliophile nicht alles in diesem Katalog! Von Goethes erster rechtmäßiger Gesamtausgabe zu Brüder Grimms Märchen mit den ErstilluJ» .j\cnA' ^ J A.\^. \ ^ ^ ^ ' j,r. ■ .fei"'-; --. I. ,^4'V PrrrAjif Jß % \ }f'P o üii'-' y ' i' H f . i / S» ^ iJ-r \ '-7' 'im .Au -'^ >r- «S ■L/m- ^ vVO _A. ß G 0 üüdvF'- 'ä; iLdSÄ? ' sinus f. " f ■ ' T MJejrr.'p/is, (^n/rrt-a. M/Cfrr.yl/rJ, c^nfcrp^a. -- Ä? ■' ^ X-.^ .. JLl Vi%sst.^ %xr-7 'Ay .... |'";i , I a«»ä ff ■ -fi'.IH -'kh O Ii ■ ■ - '--•-SÄ fi jr ■ ^ WL L A < o rj I c >' 5 ;. i ^ .'cj' - k-i'' ■ ■ O ■ "rnr"! T ■T'-X'"!""™." ; „X f:,;, : -..r--. ' • ''' f'' y

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