Oberösterreich, 12. Jahrgang, Heft 1/2, 1962

Wandern wir durch Oberösterreichs älteste Städte — ich denke da an Enns, Freistadt, Linz, Steyr und Wels —, so finden wir in jeder eine alte Burg, die eine Ecke der ehemaligen Stadt= Befestigung bildet. Allein Wels zeigt eine Ausnahme, denn es besitzt zwei Burgen, die zwei gegenüberliegende Ecken der mittelalterlichen Stadtmauer verstärken. Außerhalb Oberöster= reichs lassen sich in den Nachbargebieten mehrere ähnliche Anlagen feststellen. Nach allgemeiner Ansicht sind die ältesten Städte aus einer Burg, neben der sich eine Kaufmanns^ und Handwerkersied= lung ausbildete, und einem Markt entstanden. An die Stelle der Burg konnte auch ein Kloster oder ein Bischofssitz treten. Die oberösterreichischen Städte, die wir aufgezählt haben, sind alle der ersten Gruppe zuzuzählen, während zur zweiten z. B. aus Niederösterreich St. Pölten zu nennen wäre. Auch bei Neugründungen von Städten wahrte man in älterer Zeit diese Einheit. Burg, Markt und Siedlung gehörten stets zu= sammen. Freistadt und Wiener Neustadt sind gute Beispiele hiefür. Unterschiede ergeben sich bei den historischen Städten Ober= Österreichs aus dem Alter der Märkte. In Enns, Linz und Wels setzen sie römische Handelsmittelpunkte, die zum Teil auf keltische zurückgehen, fort. In Steyr ist der Markt neben der bedeutenden Stirapurch entstanden, und bei Freistadt handelt es sich um eine gelenkte und geplante Neugründung. Waren die Burgen zunächst Zuflucht der Siedler in Notzeiten, wurden sie, sobald man die Stadtsiedlungen mit Stadtmauern schützte, Schwerpunkte der Befestigung. Die Welser Burg be= findet sich in der Südostecke der Stadt. Ihre Lage ist wehr= technisch günstig, weil sich südlich und östlich von ihr Traun= arme und Sumpfgebiete befanden. Diese Situierung in der Südostecke der ehemaligen römischen Stadtbefestigung wird man aber auch als Hinweis dafür werten dürfen, daß sich hier eine Restsiedlung über die Wirren der Völkerwanderungszeit hinweg erhalten hat. Nahe der Burg befand sich auch der Platz, auf dem sich der Handel mit den Bewohnern der Umgebung und vielleicht auch ein bescheidener Fernhandel abspielte. Die Siedlung neben der Burg lag westlich von ihr bis zur Traungasse. Für dieses Ge= biet hat sich bis heute die Bezeichnung „Altstadt" erhalten. Der Markt blieb wohl zuerst auf einen Abschnitt des heutigen Stadtplatzes zwischen Traungasse und Burggasse beschränkt. Ostlich schloß sich der um die Pfarrkirche liegende Friedhof an. Als im 13. Jahrhundert die Stadt eine Befestigung mit Graben und Mauer erhielt, schloß diese ein Gebiet ein, das rund ein Sechstel des römischen befestigten Stadtgebietes be= trug. An oder auf die Stadtmauer, wie es dann oft vorkam, wurden ursprünglich keine bürgerlichen Häuser gebaut. Auch später finden wir an ihr mit Ausnahme der Bauwerke neben den Stadttoren nur Hinterhäuser und Stadeln oder im Bereich der heutigen Johannisgasse kleine Handwerkerwohnbauten. Wohl aber lagen schon vor 1300 das ehemalige Minoriten= kloster und der Pfarrhof an der Stadtmauer. Die Nordwest= ecke hingegen war durch das Schloß Polheim verstärkt, zu dem das Gebiet zwischen den Hinterhäusern des Stadtplatzes bis zur Stadtmauer und von deren Nordwestecke bis zur Häu= «•1 ■"-ir i., Ii II Ii ■ ,-«Ts.asäe-S^' 43

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