Oberösterreich, 12. Jahrgang, Heft 1/2, 1962

. . 1 ^ /r' -.j /m Schloß Neuwartenburg,erbaut 1730—1732,konnte das Decken fresko im Prunksaal von BartolomeoAltomonte in denleizten Jah ren vor dem Verfall gerettet werden. Foto Widder orgen gelangen, welch letztere dem jüngeren Geschlecht den Namen gegeben hat. Wir wären geneigt, in diesem lieblichen Gebiet eine ununterbrochene Siedlungskontinuität seit der baierischen Landnahme anzunehmen. Bisher hat zwar die Archäologie ihre beweisenden Funde vorzugsweise in den um= rahmenden Flußlandschaften gemacht, doch ist sicherlich in diesem ganzen Gebiet schon sehr früh eine bäuerliche Sied= lung anzunehmen. Unvermittelt treten aus dieser Schicht die Pollheimer ins Licht der Geschichte, deren vermutlicher ursprünglicher Sitz Pollham, nordöstlich von Grieskirchen, heute ein bäuer= lieber Weiler ist. Schon im 12. Jahrhundert, dann unter den letzten Babenber= gern und unter dem Böhmenkönig Ottokar und späterhin unter den Habsburgern spielten sie in unserem Lande eine bedeutende Rolle. In dem Zwist zwischen Kaiser Friedrich II. und dem letzten Babenbergerherzog Friedrich dem Streitbaren hat Albero von Pollheim im Bereich von Wels wichtige Funktionen ausgeübt. Seine Bedeutung für die Stadt= werdung dieses Zentrums im mittleren Oberösterreich und für das Zusammenwachsen unseres Landes scheint noch nicht hin= reichend geklärt. Wir finden die Pollheimer weiterhin als Prälaten von Krems= münster, als Domherren, als Bischöfe von Passau und auf dem Erzstuhl von Salzburg. Im Land südlich der Traun, im Bereich ihrer Sitze und Schlösser von Steinhaus, dem abgekom= menen Rechberg,der Seisenburg und um Scharn= stein dürfte ihre kolonisatorische Tätigkeit beträchtlich ge= Wesen sein. Ein bauliches Erbe haben sie dort nicht hinterlas= sen, wenn nicht Teile der Ruine von Scharnstein noch auf ihre Zeit zurückgehen sollten. Seit dem 14. Jahrhundert konzen= trierte sich ihr Einflußbereich, der die südlichen Positionen allmählich aufgab, im Gebiet nördlich der Traun: Zunächst um Wels, wo sie ihr Stadtschloß hatten und im 16. Jahr= hundert einen Besitz in Lichtenegg zu einem Edelsitz erheben ließen und zu einem Wasserschloß ausbauten; dann um Wartenburg nächst Vöcklabruck und vor allem auch bei Grieskirchen, in ihrer Stammheimat, wo sie ab 1570 anstelle von Tegernbach das Landschloß P a r z in gewaltigen Ausmaßen neu erbauten. Ihre religiöse Stiftungstätigkeit war ebenso bedeutend wie ihr Einfluß auf Patronatspfarren. In Wels zeugen die Barbarakapelle (heute Sigmarkapelle) und die ehedem daselbst befindlichen bedeutenden Grabdenkmäler (jetzt in der Vorhalle der Stadtpfarrkirche) von ihrer Kunst= liebe. In Niederthalheim bei Wartenburg, wo sie außer den Welser Minoriten eine zweite Klostergründung ver= anlaßten, haben sich ebenso bedeutende Grabdenkmäler er= halten. Daß sich ihre geistlichen Vogteien und Patronate in der Reformationszeit am Lande sehr fühlbar machten, darf am Rande erwähnt werden. Im Gegensatz zu den Jörgen fehlt der Entwickltmg dieser reich verzweigten Familie der jähe Aufstieg und der plötzliche Sturz in die Tiefe. Nach der ersten angedeuteten Blütezeit ent= hält ihre Geschichte keine dramatischen Perioden. Das 15. und 16. Jahrhundert sieht einige im Kriege gegen die Türken, andere in engster Umgebung des Kaisers Maximilian L; später stellten sie mehrfach die Landeshauptleute von Oberösterreich, wobei sie sich als alte Mitglieder des Herren= Standes scharf gegen den aus dem Ritterstand emporgestie= genen Wolfgang Jörger wendeten. Ihren drei Hauptsitzen ist die Doppelung der Anlagen eigen= tümlich: Wels mit Lichtenegg, die beiden Baukörper von Wartenburg und Land= und Wasserschloß Parz. Im ganzen genommen scheinen uns die Schlösser der Pollheimer erschüt= ternde Denkmäler menschlicher Vergänglichkeit. Die gewaltige Anlage von Parz bei Grieskirchen mit den Fluchten von Arkadengängen als Kontrapost zu dem im 19. Jahrhundert endgültig ausgeformten Wasserschloß erhält ihren höchsten Reiz in versponnenen Spätherbsttagen, wenn die dunstverhüllte Landschaft zur Wehmut stimmt und der Verfall im weichen Licht gemildert erscheint. Zu hart ist sonst auf Schritt und Tritt die Unangemessenheit, das Unzeit gemäße von Anlage und Erhaltung dieses großen Baues. Wer etwas Phantasie hat, mag in der Weitläufigkeit der zu Füßen des Tores im Tal sich erstreckenden Wirtschaftsanlagen die ehemalige Bedeutung erahnen. Noch erschütternder wirkt der Verfall in den großzügig ange legten Komplexen von Wartenburg auf der Höhe ober halb der Vöckla, wenn sie sich nach waldigem Aufstieg dem Besucher darbietet. Das Schloß ist heute kaum mehr mit einem Fahrzeug zu erreichen. Etwas besser ist der Zustand der ehemaligen Welser Stadtburg, des Schlosses Pollheim an der ehemaligen Nordwestecke der Stadtbefestigung, obwohl auch diese Anlage in den letzten hundert Jahren starke Ein= büßen erlitten hat. Im südlichen Bereich, im eigentlichen Traunviertel, ist kaum mehr ein Pollheimer=Bau erhalten. Schloß Scharnstein ist Ruine, die von den Besitznachfolgern 36

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