(Kulturzeitschrift) Oberösterreich, 4. Jahrgang, Winter 1937, Heft 2

an , ein zi 0 · nur fii r den sfon– digen Anblick zu schaffen , er b etrachtete seine Arbeit neben dem Erwerb stets auch als ein Stück Gottesdi enst. Ein Teil der r i.ickwäJ:tigen Bild er ge hört noch unm ittelbar zur Ausstattung des Altares, das sind die Rückwände der bei– den feststehe nd en Schrein– flügel mit Bildern der he ili gen Bischöfe Wolfgang, N ikolaus, Rupert und Valentin . (Di e Id entität der letJtere n zwei ist ni cht ganz sicher zu erkennen.) Di e Mitte der Rückwand , iibee ein er von Bild ern der Apostelförsten flanki erten Dar– stelhrng des Schweil1t nd1es Christi, nimmt e in Gemä ld e ein , das mit den genannten erst 1515, also etwa zehn Jahre nach Fertigstelhmg des Altares entstanden ist und vielleicht sein en wei:tvollsten Schmuck darstellt: Das Jüngste Gericht.Auf denWollcen thront der Weltenrichter. Schwert und Lilie geh en nach ein em Isaias– Wort von se in em Munde aus. Zwe i Engel rufen mit ihren Posaunen zur Auferstehung, zum Ge1:icbte. Rechts und links in kni e nder Stellung Maria und der heilige Johann es der Täufer ; sie haben Christi erste Ankunft in die Welt be– gleitet, sie dürfen b e i seiner Wiederkehr di e nächsten sein . Darunter voll zieht sieb in breiter Ebene Auferstehung D ie Kreuzigun g Chri sti und Scheidung der schon Ge- riditeten . Nackt e ntsteigen die Menschen den Grä bern , links vom Beschauer sammeL1 die E ngel die Schar der Auserwählten , ein er hilft gerade ein em Mönch aus der Grube, St. P etrus begriiHt einen seiner Nachfolge r, an der Tiara erkenntlicb. Rechts aber tut sich der Höllenschlund mit se in em Feuerbrand auf. Sclrrecklich e Teufels– gestalten packen die ihn en Verfallenen und schleudern sie in die Glut. Ein er möchte so gerne nach der Seite der Seligen entkommen , aber er will den Geldsack , den er mit dem :eechten Arm tm1krampft hält, noch nicbt lassen , dafü:e hat ihn ein Teufel an der Linken , es gibt k ein e Rettung mehr. Das Mittelalter wae so stark in seinem Glauben verankert, daß es sid1 durch solche Bilder voll unbezähmtem Realismus in seinem Inn ersten heilsam erschüttern li eß. OH ge– nug waren diese Darstellungen außen ober dem Lid1tbilcl: Josef Voglma yr Kirchenportal angebracht, um den Eintretenden den Wert des Opfers, der Bulle und Sühne e indri nglich vor Auo-en zu führen. Hier in Gam– p ern ist das aufrüttelnde Bildwerk gegenüber dem Beichtstuhl auf besonders sinmeichem Pla~e. So b ewahrt die Pfarre Gampern und mit ihr un ser Land in dem Gamperner Flügelaltar ein kostbares Juwel spätgotischer religiöser Kunst. Es hat di e bedeutungsvolle Zeitenwende um 1_~00 zum Ausgangspunkt und hat alle Wechselfalle der folgend en Jahrhunderte Liberdauert und ist übeeraschend gut erhalten. Das darf freilich nicht d arüber hinwegfäuscben , dal1 der Holz– v11.mn auch in diesem Schni~werk sein Zer– stö rungsw-erk vollföJ1rt und das Rettungswerk nicht mehr lange aufgeschoben werden darf. 25

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