Josef Ofner - Die Eisenstadt Steyr

144 Bühne die Puppen in Bewegung. In volkstümlicher Art werden die religiösen Geschehnisse der Weih- nachtszeit und Szenen aus dem Leben der Handwerker in bunter Folge dar- gestellt. Lustige Gestalten, wie der „Bäcker-Nazl“, der „Liachtlanzünder“, der Nachtwächter und andere begeistern besonders die jugendlichen Besucher. Das „Kripperl“ erwarb im Jahre 1915 der Verein „Heimatpflege“. An- fänglich in verschiedenen Gasthäusern untergebracht, erhielt es einen dau- ernden Platz im Steyrer Heimathaus, wo an den Nachmittagen der Sonn- und Feiertage zwischen Allerheiligen und Maria Lichtmess die Vorstellungen stattfinden. Der gute Besuch derselben beweist, dass das alte Krippen-Thea- ter auch in unserer hasterfüllten Zeit seinen Zauber nicht verloren hat. Stadtgeschichte und Dichtung Die reiche Geschichte der Eisenstadt war in den Jahrzehnten vor und nach dem großen Kriegsgeschehen Gegenstand der Forschung und der Dichtung. Eine zusammenfassende Geschichte des Stadt- und Landbezirkes Steyr gab unter Mitwirkung der Lehrerschaft 1894 Regierungsrat Anton Rolleder (1855 bis 1912) heraus. Der Verfasser stammte aus Odrau in Schlesien, stu- dierte in Troppau und in Wien und war seit 1886 Professor an der Realschule in Steyr. Von 1889 bis 1905 versah er im Stadt- und Landbezirk Steyr das Amt des Bezirksschulinspektors, 1905 übernahm er die Direktion der Realschule. 1903 veröffentlichte er auch eine „Geschichte der Stadt und des Gerichtsbe- zirkes Odrau“. Die Illustrationen in Rolleders „Heimatkunde“ stammen größtenteils von dem bekannten Zeichenprofessor Franz Kulstrunk, der von 1886 bis 1893 an der Steyrer Knaben-Bürgerschule tätig war. Auch andere Künstler, wie der Schriftsteller, Musiker und Maler Franz Hölzlhuber (1826 bis 1898), Anton August Stern (1827 bis 1924), akad. Maler Josef Diltsch (1863 bis 1931), Pro- fessor Hermann Schmid, Professor Jörg Reiter und Hauptschuldirektor Alois Lebeda hielten die anmutigen Motive der Eisenstadt im Bild fest. Von 1905 bis 1911 wohnte in Steyr Österreichs größte Dichterin Enrica v. Handel-Mazzetti. Hier schrieb sie die wirkungsvolle Steyrer Ballade „Deut-

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