Rudolf Hittmair - Der josefinische Klostersturm

90 besichtigte der Papst die Kirche, insbesondere die schönen Gemälde von Sandrart an den Altären. Als er die Kirche verließ, stürmte das Volk auf ihn ein, Klerus und Volk such- ten sein Gewand zu berühren, alle abmahnenden Zurufe, den Papst zu schonen, waren erfolglos; er wurde gedrängt und gedrückt, schien sich aber dieser Gewalt der begeis- tertsten Liebe zu freuen, ließ sich hin und her ziehen, Hände und Füße küssen. Unter dem Liebes- und Freudenjubel der Überglücklichen und den Klagen derjenigen, die nicht so glücklich waren, zu ihm gekommen zu sein, bestieg der Papst den Wagen und setzte die Reise fort. Auch hier hatte der Papst den Klostergeistlichen den Sterbeablass gegeben und je- dem für dreimal wöchentlich, dem Abt für fünf Tage in der Woche das Altarprivilegium. Der poetische Chronist des Stiftes Lambach schrieb über den vom Volk umdrängten Papst: Nam virtus a Te exibat! Und so war es sicherlich! Dadurch, dass er zum Kaiser gekommen, hat er nichts ausgerichtet, dadurch, dass er zum österreichischen Volk ge- kommen... wie viel er da ausgerichtet, was er da Böses verhindert, wie viel Glaubens- kraft und Glaubenstreue er eingeflößt haben wird, das weiß Gott! In Ried kam der Papst an um 8 Uhr abends. Er nahm das Absteigquartier im Haus des Herrn v. Stiebar. 15.000 Menschen waren in Ried zusammengeströmt. Noch am Abend ließ der Hei- lige Vater Adelige, Beamte und Bürger zum Handkuss zu. Am 25. April um 7 Uhr früh wurde die Reise fortgesetzt, in Braunau Cobenzl verab- schiedet. Auf der Innbrücke überschritt der Papst die österreichische Grenze. Die Geschichte verzeichnet keinen Erfolg der Papstreise; die Erfolge werden aufge- zeichnet sein im Buch des Lebens. 21. Evakuierung des ehemaligen Karmeliterinnenklosters. Der Regierung galt es zunächst, die Linzer Exkarmeliterinnen auswandern zu machen. Mit dem Gesuch, in ein anderes Kloster in die Kost gehen zu dürfen ohne das Institut des Ordens anzunehmen (s. S. 75) abgewiesen (13. März. 1782), hatten die Exkarmelite- rinnen sich entschlossen, das Ursulinerinneninstitut anzunehmen in der Hoffnung, so in ihrem Kloster beisammen bleiben zu dürfen. Ihre Bitte darum schlug der Kaiser ab (19. April 1782). Ein neuerliches Ansuchen wurde von der Regierung befürwortet: In der Schule des Ursulinerinnenklosters genießen 250 Mägdlen den öffentlichen Unterricht und 30 bis 40 in dem Kloster selbst die Erziehung. Bei einer Population von 13—14.000 Seelen mit 993 schulpflichtigen Kindern würde sich die Vermehrung des Unterrichts als eine besondere Wohltat erweisen. Es erfolgte neuerlich Abweisung. So blieb den Karmeliterinnen nichts anderes übrig, als ihre endliche Erklärung abzuge- ben: 4 Chorfrauen, darunter die Priorin, gingen nach Wien und zwar 1 zu den Ursulinerin- nen, 3 zu den Himmelpfortnerinnen (Augustiner Chorfrauen, die am 19. November 1783 auch aufgehoben wurden), 4 traten ein bei den Elisabethinerinnen in Linz, 2 bei den Ursuli- nerinnen in Linz, ebenso die 3 Laienschwestern, 4 Chorfrauen in die Versammlung zu Wind- hag, eine ging zu ihren Verwandten nach Steiermark. Von diesen starb allerdings die älteste, Angela Ferenzin, die sich zu den Elisabethinerinnen gemeldet hatte, schon am 30. Juni. Der letzte Hoffnungsstrahl, im geliebten Kloster doch noch bleiben zu können,

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