OÖ. Heimatblätter 2011 Heft 1/2

122 das Publikum der „Bauernstadt“ Linz sei weitaus kunstsinniger als die Salzburger.105 Lediglich das Tagblatt bemerkt bitter, dass die Verantwortlichen wohl „jedem biederen Zeichenlehrer ermöglichten, seine harmlosen, dafür aber bodenständigen Pinseleien zu zeigen“ und bemängelt, dass die gezeigten Künstler fernab von zeitgenössischen Strömungen in altmodischer Manier arbeiten.106 Hans Franta nahm mit der stolzen Anzahl von 42 Bildern teil, was von einer sehr produktiven künstlerischen Phase zeugt. Nur Leo Adler (48) und Franz-XaverWeidinger (107) waren noch prominenter vertreten. Franta stellte Ölbilder zu je 200 Schilling, Aquarelle, Zeichnungen, Bisterzeichnungen zu 60 bzw. 100 Schilling, eine Kreidezeichnung zu 60 Schilling, Holzschnitte und einen Linolschnitt zu je 10 Schilling aus. Hier zeigte er weniger sibirische Themen (Ostjakenhütte, Sibirische Straße, Nordlicht, Betrunkene Russen in zwei Techniken) als heimische Landschaften – darunter Ansichten aus der Wiener Umgebung. Erstmals stellte er (wie Franz Glaubacker oder Richard Diller) auch Impressionen aus, die er auf einer Reise nach Dalmatien gesammelt hatte.107 Es war dies der erste von vielen Urlauben, die er von nun an in unzähligen Bildern verarbeiten sollte. Auch die ersten Gebirgsbilder waren zu sehen, die ihm in späteren Jahren den Ruf des „Wolkerlemalers“ Hayd hatte inzwischen Frantas vorherige Assistentenstelle für Zeichnen inne.102 Im Frühjahr 1931 fand die monumentale Jubiläumsausstellung des oberösterreichischen Kunstvereins statt, bei der insgesamt ca. 700 Arbeiten von über 139 zeitgenössischen und verstorbenen lokalen Künstlern und Gästen gezeigt wurden. Die „größte und umfassendste Kunstausstellung, die Linz je gesehen“ hatte, wurde außerhalb der Stadt in der Volksfesthalle auf den Gründen des Südbahnhofs organisiert, sodass spezielle öffentliche Linien für die Besucher eingerichtet werden mussten.103 Dennoch folgten über 4.000 Interessierte dem Ruf der enthusiastischen Presse.104 Auch die Sammler waren offenbar begeistert, denn sie erstanden „über vierzig Bilder, darunter große, kostspielige Gemälde“, und brachten die salzburgische Presse somit zu dem neidvollen Schluss, 102 „80. Jahresbericht des Bundes-Gymnasiums Linz über das Schuljahr 1930/31“, S. 26 103 Tages-Post Nr. 113, 18. 5. 1931, S. 2; Tagblatt Nr. 118, 23. 5. 1931, S. 6 104 Tageszeitung Nr. 137, 17. 6. 1931, S. 9 105 Salzburger Volksblatt Nr. 141, 23. 6. 1931, S. 5 106 Tagblatt Nr. 116, 21. 5. 1931, S. 9–10 107 Otto Jungmair, „Oberösterreichisches Kunstleben 1851–1931“, S. 113 Weibliches Porträt, Öl, undatiert (Privatbesitz).

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