OÖ. Heimatblätter 2011 Heft 1/2

100 in der Kinderbewahranstalt in der Steingasse unter, wo er von sieben Uhr morgens bis nach sechs Uhr abends blieb.10 Trotz der schwierigen finanziellen Situation konnte er nach dem Abschluss der Volksschule Baumbachstraße ab September 1904 das Linzer Staatsgymnasium an der Spittelwiese besuchen. Zu dieser Zeit existierten in Oberösterreich insgesamt drei Gymnasien, neben jenem in der Landeshauptstadt gab es je eines in Freistadt und in Ried. Um an das ehemals den Jesuiten zugehörige Linzer Staatsgymnasium aufgenommen zu werden, musste Franta zunächst eine Aufnahmsprüfung bestehen, die aus einem schriftlichen sowie einem mündlichen Teil bestand.11 Die Familienverhältnisse waren ärmlich. Antonia Franta war Arbeiterin in der Linzer Tabakfabrik, wo bereits die Großmutter beschäftigt gewesen war. Gemeinsam wohnten sie in der Flügelhofgasse 18 in einer winzigen Dachkammer.5 Nach Angaben Hans Frantas verlor der Großvater Joseph den Arbeitsplatz als Bahnhofsvorstand in Hörsching aufgrund seiner Trunksucht und fand zunächst dank Bitten der Großmutter Arbeit als Zugspacker. Später verließ er die Familie und soll dem Alkohol erlegen sein.6 Ein Jahr vor Hans’ Geburt war die ältere Schwester Friederica verstorben, 1894 und 1897 kamen die jüngeren Brüder Carl und Albert zur Welt. Auch sie starben noch im Kleinkindalter. So wuchs Hans Franta bis zum Tod der Großmutter 1896 in einem Frauenhaushalt auf, da Vater und Großvater die Familie verlassen hatten. Dann waren Mutter und Sohn auf sich allein gestellt, allerdings fungierte ein gewisser Josef Sperrer, Hausbesitzer aus Linz, als rechtlicher Vormund für den jugendlichen Franta.7 Franta fabulierte allerdings gerne über seine Herkunft. So führt z. B. sein Studienakt der Akademie der Bildenden Künste den Vater als im Krieg gefallenen Privatbeamten und die Mutter als Pensionsbesitzerin an.8 Antonia Franta wurde 1906 von der Stadt Linz das Heimatrecht zuerkannt, welches ihr ungestörten Aufenthalt und die Armenpflege im Fall der Not garantierte.9 In späteren Jahren wurde dieses Recht, das im Jahr 1939 abgeschafft werden sollte, auch auf Hans Franta übertragen. Zunächst brachte die Mutter, die stets darum bemüht war, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu sichern, Franta 15 Taufbuch der Pfarre St. Matthias Nr. IX, S. 3945; Interview mit Eva-Maria Oberlik, 14. April 2010; Hans Franta in: „Hans Franta zum 84. Geburtstag“ 16 Hans Franta in: „Hans Franta zum 84. Geburtstag“ 17 Obwohl aus mehreren Dokumenten hervorgeht, Josef Sperrer käme aus Linz, konnten ihm im Stadtarchiv Linz keine Meldeakten zugeordnet werden 18 Universitätsarchiv der Akademie der Bildenden Künste Wien, Nationale Hans Franta 19 Stadtarchiv Linz, Heimatkartei Antonia Franta; Wieland Mittmannsgruber, Bürger der Stadt Linz in: „Stadtarchiv und Stadtgeschichte“, S. 395–409 10 Hans Franta in: „Hans Franta zum 84. Geburtstag“ 11 Hier wurde „in der Religionslehre jenes Maß von Wissen, welches in den ersten vier Klassen der Volksschule erworben werden kann, in der deutschen Sprache Fertigkeit im Lesen und Schreiben der deutschen und lateinischen Schrift, Kenntnis der Elemente aus der Formenlehre, Fertigkeit im Analysieren einfacher bekleideter Sätze, Bekanntschaft mit den Regeln der Orthographie und richtige Anwendung derselben beim Diktandoschreiben, im Rechnen Übung in den vier Rechnungsarten mit ganzen Zahlen“ verlangt. „54. Jahresbericht des K.K. Staatsgymnasiums zu Linz über das Schuljahr 1905“, S. 79

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