OÖ. Heimatblätter 1967, 21. Jahrgang, Heft 3/4

Feder aufdem Hut, den Luchsfellmantel um die Schultern, stemmte seine riesige Armbrust auf den Boden. „Steh!" rief er dem Bauern zu. Dann trug er Helmon einen Pakt an. Der Bauer weigerte sich. „So nimm wenigstens dieses Pergamentblättchen", sprach der Jäger, „es ist durch mein Siegel verschlossen; händige es vor dem Linzer Stadttor dem ersten Edelknappen oder Stadttrabanten ein, den du triffst. Nenne auch deinen Namen und dein Haus. Tust du dies getreulich, so ist dir Glück in Geschäft und Wirtschaft sicher!" Der Hansbauer tat, wie ihm aufgetragen. Beim Schloß Hagen übergab er das Schreiben dem Hauptmann eines Fähnleins von Spießträgem. Kaum hatte der die Botschaft gelesen, rief er aus: „Er ist es; wir haben ihn also doch endlich ge funden!" Er schleuderte dem verdutzten Helmon eine wohlgefüllte Börse vor die Füße und eilte mit seinen Leuten davon. Nach einem Jahr hatte Hans alle Schulden getilgt und saß als behäbiger Müller auffreiem Gut. Glücklich war er dabei aber keineswegs. Seine Tochter fand keinen Freier, er selber war weit und breit verfemt und von Gewissensbissen gefoltert. Schuld an allem war die unheimliche Herkunft des ihm in den Schoß gefallenen Reichtums. So vertraute er sich denn einem Barfüßermönch an, der bei ihm übernachtete. Der riet ihm, barfuß und bar häuptig nach Prag zu pilgern und daselbst seinen Besitz der Kirche zu opfern. Der Müller entschloß sich schweren Herzens, diesem Rate zu folgen. Eine Woche später stand er auf der Karlsbrücke. Dort trat ihm plötzlich der vermeintliche Wilde Jäger entgegen und rief freudig: „Da bist du nun endlich, den ich so lange suchen ließ!" Damit zog er den Widerstrebenden mit sich fort. Als er schließlich auf der Burg in einem prächtigen Gemach vor seinem Begleiter stand, da machte der gute Oedmüller frei lich große Augen und traute seinen Ohren nicht, als der Fremde sprach: „Ich bin König Wenzeslaus von Böhmen. Du hast mir in der Thomasnacht des Vorjahres einen unbezahl baren Dienst geleistet, meine Botschaft nach Prag vermittelt und meine Befreiung bewirkt!" Nun war die ehrliche Herkunft des Geldes erwiesen und damit der Bann über den Müller und seine Familie gebrochen. 79 PFENNINGBERG Die weiße Frau von Windegg Von der einstigen Burg Windegg stehen nur mehr ein paar Mauerreste. Der Ort ist ver flucht, und das kam so: Ein Pilger, der aus dem Heiligen Land in die Heimat zurückkehrte, sprach dort vor vielen hundert Jahren am Abend vor. Er bat um einen Bissen Brot, einen Trunk Wein und ein bescheidenes Lager. Die geizige Schloßherrin verweigerte höhnisch alles und sagte dem Erschöpften nur: „Geh zum Brunnen und lösche dort deinen Durst, zur Bettstatt aber ist für deinesgleichen der nackte Erdboden gut genug!" Hungrig, durstig und todmüde schleppte sich der Abgewiesene wieder hinaus durch das Burgtor. Vorher aber sprach er über Burg und Herrin einen grimmigen Fluch aus. Die geizige Burgfrau starb noch in derselben Nacht an Schlagfluß. Sie fand im Grabe keine Ruhe, sondern geht nächtlicherweise als weiße Frau mit einem rotglühenden Pokal in der Hand im verfallenen Gemäuer ihres Schlosses um. 19, 159/112 Das Wappen der Weißenwolff Das uralte, heute ausgestorbene Geschlecht der Grafen von Weißenwolff zu Steyregg führte eine Mauerkrone im Wappenschild. Die erinnert, wie die Sage vermeldet, an eine Heldentat

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