OÖ. Heimatblätter 1967, 21. Jahrgang, Heft 3/4

Sebastian und Florian geweihte größte Glocke der Stadtpfarrkirche, neu gegossen und vor dem Hause des damaligen Bürgermeisters und Handelsherrn Johann Adam Pruner vor dem Aufziehen zur Schau gestellt wurde. Die Sage knüpft an diese geschichtliche Tatsache folgende Liebesgeschichte: Der schwerreiche Handelsherr und gestrenge Herr Bürgermeister wies den jungen, armen Spielmann Fidel als Bewerber um die Hand seiner einzigen Tochter ab, weil er deren Hand einem alten, vermögenden Ratsfreunde zugesagt hatte. Als Fidel trotzdem wieder einmal seiner Angebeteten ein abendliches Ständchen brachte, drohte der wütende Vater sogar, er werde auf den unwillkommenen Freier durch den Stadtbüttel mit Bolzen schießen lassen, falls dieser es nochmals wagen sollte, ein Ständchen zu bringen. Ja er setzte in seiner Wut die Hand der Tochter zum Pfände, falls dem Spielmann ein solcher Versuch gelänge. Der kecke Freier versteckte sich aufden Rat seiner schlauen Geliebten nun unter der großen, auf Bohlen vor dem Hause aufgestellten neuen Pfarrglocke und brachte dort ungehindert und ungefährdet seine musikalische Werbung vor. So blieb dem Herrn Vater nichts anderes übrig, als gute Miene zum guten Spiel zu machen. Er hatte es übrigens nicht zu bereuen. So manches frische Enkelkind zauste dem gestrengen Herrn Bürgermeister noch den grauen Bart. 76, 6; 85, 244 Glockensagen Die Linzer waren stolz auf das schöne Geläut ihrer Kirchenglocken. Nun hatte aber auch Pfarrkirchen im Mühlkreis ein herrliches und ausgiebiges Geläut, das man viele Stunden im Umkreis vernahm. Das erregte den Neid der Linzer; sie ließen daher einen Nagel in die Pfarrkirchner Glocke schlagen, um ihren Schall zu schwächen. Seither vermeint man in deren Stimme die Klage zu hören: „Die Linzer Glock tat mich verklagen. Weil ich so hell geläutet han; Drum haben s' mir ein Nagel geschlagen. Daß ich nimmer so schön läuten kann!" Auch die Glocken von Leonding und Maria Scharten waren bis auf die Linzer Brücke zu vernehmen. Sie wurden daher ebenfalls durch die eifersüchtigen Linzer genagelt. Seither jammert die Leondinger Glocke beim Läuten: „Die Linzer Glock hat mich verklagt. Weil ich so hell geläutet hab..." 19, 390/161-164 Um die furchtbaren Gewitter, die nach der Volksmeinung oft durch Wetterhexen verursacht wurden, abzuwenden, läutete man mit einer oder mehreren Glocken; meist gab es auf den Türmen auch eigene Wetterglocken. Dieses Läuten mußte aber, um wirksam zu sein, noch „bei scheinender Sonne" einsetzen. 19, 178/118 Einst stand solch ein schweres Wetter über der Stadt Linz und verzog sich lange nicht, obwohl mit allen Glocken geläutet wurde. Aber diesmal hatte man des Guten eben zuviel getan. Das Wetter war zwischen den vielen geweihten Glocken eingefangen und konnte nicht mehr heraus. 19, 178/122 Wie das Prunerstift entstand Der schwerreiche Handelsherr Johann Adam Pruner, Bürgermeister von Linz und 1698 bis 1734 Besitzer des Hauses Hauptplatz Nr. 15, war nicht nur ein weitblickender Kaufmann,

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