OÖ. Heimatblätter 1950, 4. Jahrgang, Heft 2

Oberösterreichische Heimatblätter bezeichnen. Darauf deuten die dazugesetzten Jahreszahlen, besonders aber die Formel IP (bezw. IPIP) und RF, hinter denen sich kaum etwas anderes verbirgt als die Abkürzung der Segensformel (Requiescas) In Pace bezw. Ruhe (in) Frieden. Sie lassen vermuten, daß wir uns an diesen Felsen an einer Stätte ehrfürchtigen Gedankens an teure Verstorbene befinden, die man dem Schutz und der Fürsprache des mächtigsten Helfers, Jesus Christus, anvertraut hat. So wohl dürfen wir die Verbindung mit dem häufig auftretenden Monogramm Christi auffassen, dem wir als „Süßem Namen Jesu“ auch an Gegenständen der heimischen Volkskunst und des Volksglaubens vielfach begegnen. Unsere Auffassung macht zur fast vollständigen Gewißheit ein Vergleich mit den ebenfalls im Wald ange¬ brachten Salzburger Totenbrettern, die Karl Adrian, Von Salzburger Sitt' und Brauch, Wien, 1924, S. 156 ff aus der Umgebung von Voggenberg anführt und wiedergibt. Sie zeigen uns auf den bekannten Totenladen ebenfalls nur die Initialen des Verstorbenen und das Todesjahr, zu denen häufig noch Sinnbilder gesetzt werden, wie die Abbildungen S. 160 beweisen, die gerade für unsere Traun¬ kirchner Inschriften aufschlußreich sind. Wir lesen auf ihnen „T. E. + 183 bezw. „H. L. IHS. 1881“ Außer den Intitialen findet sich eine Reihe von Buchstaben, denen weniger ein Laut-, denn ein Begriffswert zuzukommen scheint. Es sind dies Z,2, bezw. Zis/ Z5 und Z,, die sich zum Teil als Varianten eines vielfältig angewendeten 213 darstellen. Wir treffen sie auch auf anderen (ungefähr gleichzeitigen) Fels¬ und Holzritzungen, die in ihrem Inschriftenmaterial den Felsen von Traunkirchen entsprechen, z. B. an der sogenannten „Hundskirche“ bei Kreuzen, Kärnten (Carinthia I, 1940, S. 229 ff 5), wo sich neben der Darstellung einer Kirch¬ (a. a. O. Abb. 2) die Doppelzinke eines Z,4 befindet, an den Südtiroler Inschrift steinen (Der Schlern 1946, S. 145 f) und vor allem an den Dreschtennen des Schwarzwaldes, von denen K. Th. Weigel in „Nitzzeichnungen in Dreschtennen des Schwarzwaldes“ (Heidelberg 1942, S. 41, Abb. 6, 19, 32) einige wieder¬ gibt. Mit Z,4 scheint auch die Umkehrung Z16, Z5 in Wechselbeziehung zu stehen, denn auch ihr, die noch heute in Italien als Abkürzung für Evviva bei verschiedenen Anlässen gedruckt oder an die Wände geschrieben wird 6), begegnen wir in unseren Nitzungen wieder. Wir treffen sie auch in oberösterreichischen Dreschtennen, wie ich in dem besterhaltenen Rauchhaus der Mondseer Gegend, in dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gehöft Spiegeledt bei Zell am Moos, noch 1948 feststellen konnte 7). Der Begriffsinhalt dieser Zeichen ist m. W. bisher noch nirgends erörtert worden. Das Zeichen Z, (wohl zu unterscheiden von dem häufig verwendeten A findet sich nicht nur auf den schon genannten neuzeitlichen Südtiroler Felsbildern, 5) Für den Hinweis auf diese Parallele bin ich Herrn Professor Dr. A. Haberlandt, Wien, zu Dank verpflichtet. 6) Mitteilung Dr. E. Pilgerstorfer, Linz. *) Über die in der Tenne dieses Gebäudes eingeritzten altertümlichen Zeichnungen wird in einem eigenen Beitrag berichtet werden. 180

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