OÖ. Heimatblätter 1947, 1. Jahrgang, Heft 4

Oberösterreichische Heimatblätter Doch die interessanteste Theatergründung, die künstlerisch hochstehende Darstellung dieses nämlich die der am 18. Februar 1946 ins Spieles zum wahren Erleben der religiösen Leben gerufenen „Jungen Bühne“, die späten Handlung in der heiligen Messe geführt. 1947 den Namen „Künstlertheater Bad Aussee“ waren es schon 92 Orte (68 in Oberösterreich, 19 in Salzburg, 5 in Tirol), in denen vor führte und die jetzt unter dem Namen „Öster¬ reichisches Ländertheater“ einen guten Ruf er¬ rungen hat, ging von dem jungen Zdealisten Otto Ander aus Das Ziel dieser „Jungen Bühne“ war und ist es, „jungem, geistvollem, dichterischem Schaffen oder auch solchem, das in den vergangenen Jahren zum Schweigen verurteilt war als auch ewig jungen Werken der klassischen Weltliteratur in liebevoller Pflege Gehör zu verschaffen". Mit wenigen jungen und talentierten Kräften hat Otto Ander unter Mithilfe bewährter Fachleute (Regisseur Dr. Adolf Rott und Bühnenbildner Fritz Judtmann vom Wiener Burgtheater, Film¬ schauspieler Robert Lindner) dieses Programm in die Tat umgesetzt. Er hat neben einigen Unterhaltungsstück-Autoren Paul Raynal, Anton Tschechow, Bernard Shaw, Georges Courteline, Grillparzer, Schönherr, Nestroy und Klabund aufgeführt. Seit 18. Februar 1946 („Das Grabmal des unbekannten Soldaten“ von Paul Naynal) spielte er nicht nur in 58 oberösterrei chischen Orten (auch in Linz gastierte er wieder¬ holt), sondern auch in Salzburg, Tirol, Vorarl¬ berg, Steiermark und Kärnten bis 30. Juni 1947 insgesamt 13 Stücke mit künstlerischem, aber nicht immer mit finanziellem Erfolg in un¬ gefähr 280 Aufführungen mit einer durchschnitt¬ lichen Besucherzahl von 200 Personen. Den Namen „Österreichisches Ländertheater“ hat Anders Truppe redlich verdient. Es besteht die begrüßenswerte Absicht, den Sitz dieses Thea ters nach Bad Ischl zu verlegen und dieses jede Förderung verdienende wertvolle künstlerische Unternehmen dauernd mit dem oberösterrei¬ chischen Kulturleben zu verknüpfen. Mysterienspiele Im Jahre 1946 rief der Schauspieler und Regisseur des Linzer Landestheaters Gustav Dieffenbacher die Linzer Mysterienspiele ins Leben, die das geistliche Spiel „Die Geheim¬ nisse der heiligen Messe“ des großen spanischen Dichters Pedro Calderon zur Aufführung brach¬ ten. 34.120 Zuschauer wurden im ersten Spiel¬ jahr in 61 Orten und in 121 Aufführungen durch 366 40.491 Zuschauern gespielt wurde (152 Auf¬ führungen). Die hohen Besucherzahlen und der tiefe Ein¬ druck, den die Aufführungen bei den meist ländlichen Besuchern hinterließen, beweisen, daß diese geistlichen Festspiele, die unter dem Ehrenschutz des Linzer Diözesanbischofs stehen, ein künstlerischer Aktivposten sind, der aus dem oberösterreichischen Kultur¬ leben nur schwer wegzudenken ist. Aus vielen Orten ist der Wunsch nach Aufführung ähn¬ licher Stücke durch Dieffenbachers Spielerschar laut geworden. Bauernbühnen Es ist charakteristisch für die nach dem Kriegsende auch in den kleineren Orten Ober¬ österreichs einsetzende Theaterkonjunktur, daß allenthalben Bauernbühnen auftauchten, durch die von zahlreichen berufsfremden und jedes künstlerischen Wollens baren Elemente, die nur auf Gelderwerb ausgingen, den „gelernten Berufsschauspielern Konkurrenz gemacht wurde. Nur ganz wenige von diesen „Bauernschau¬ spielern" könnten in einem nach rein künst¬ lerischen Gesichtspunkten geleiteten Ensemble dieser Art, wie z. B. der Exlbühne, eine be¬ scheidene Rolle spielen. Von den derzeit noch bestehenden Bauern¬ bühnen scheint, besonders was Spielplan und Besucherzahlen betrifft, die „Traunseer Volks¬ bühne“ des Sepp Müller in Traunkirchen, die leistungsfähigste zu sein. Die „Mühlviertler Volksbühne“ des Karl Lamprecht in Urfahr, die „Steyrer Bauernbühne“ des Karl Hunds¬ berger in Sierning, das Bauernstück-Ensemble Golger-Czech des Stadttheaters in Wels und die „Oberösterreichische Volksbühne“ des Hans Mayerhofer in Wels können auf ziemlich hohe Besucherziffern hinweisen. Diese Bauernbühnen gaben fast durchwegs Stücke ohne jeden literarischen Wert. Daß sie aber in zwei Jahren vor ungefähr 400.000 (!) Zuschauern spielen konnten, ist eine Tatsache, die zu denken gibt, besonders wenn man sie

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