OÖ. Heimatblätter 1947, 1. Jahrgang, Heft 4

Oberösterreichische Heimatblätter zu dem Zuge der Anbetung. Pracht und Hauch der Fremde machen diese Gruppe zu einer Schaustellung, einer neuen, großartigen Biblia Pauperum des schau¬ lustigen, theaterfreudigen Volkes, die die Gegenreformation bewußt in ihr Pro¬ gramm einbaut. Dieser Gruppe gehört nicht die Liebe, aber die Bewunderung des Volkes, denn nur in den Hirten sehen sie sich selbst, sie ziehen gleich ihnen zur Krippe und bringen ihre Gaben. Heute heißt die Dreikönigsgruppe oft nur die „Komödi“. Niemand denkt mehr daran, daß einst die Magier den Lauf des Jahres eröffneten und nur die volkskundlichen Sammlungen unserer Heimat lassen uns erkennen, in welchem Grade „Königswasser“ und „Königsbreverl“ in der Volksmedizin unserer barocken Bauernwelt eine wichtige Rolle spielten. Auch die Altmünsterer Gruppe ist so reich an Figuren, daß sie fast den Rahmen sprengen. Ganz wie in den heimatlichen Hirten- und Weihnachtsliedern steht nun das Kindlein auf dem Schoß der Mutter und neigt sich dem alten König zu, der barhaupt vor ihm kniet und es grüßt. Sein gelbfarbener Mantel hermelinverbrämt und grau gefüttert. Zarteste goldene Streifen lassen Felder frei, die mit winzigen, roten Blümchen bemalt sind. Das Unterkleid ist himbeerfarben. Rechts von ihm steht der Mohr in goldverbrämtem, scharlachrotem Mantel. Sein Kleid ist weiß mit zarten, grünen Streifen und geschwungenen Rautenfeldern mit roten Bourbonlilien. Neben ihm steht sein Page mit einem roten Polster, auf dem das Szepter liegt. Goldene Ohrgehänge glänzen aus dem Dunkel seines Hauptes, das wie alle aus dem Gefolge des Mohrenkönigs rote Backen hat. Sein Kleid ist dunkelrosafarben mit dunkelblauer Schärpe, Halskragen- und Armel¬ verbrämung. Die prächtigste Figur in diesem Kreis ist der auf dem Standbrettl als „Obatl“ bezeichnete Fahnenträger; er steht seiner Würde bewußt und schwingt seine weiße, mit breiten grünen und schmalen weinroten Streifen gewirkte Fahne. Sein grasgrüner Mantel hat eine scharlachrote Unterseite. Auch die anderen Könige wollen nicht zurückbleiben mit der Pracht ihres Gefolges und da ist ja auch noch der dritte König dem Neger gegenüber, mit seinem Barte und einem lichteren Antlitz unter dem Turban aus Gold und meerblauem Tuch. Auch sein Mantel ist von dieser Farbe, nur lichter, sein rosenfarbenes Unterkleid reicht bis auf die silbernen Schuhe und zeigt zwischen zartem Lilagestreif winzige Blumen¬ muster mit blauem Geblüh. Sein Page steht barhaupt mit seinem Polster vor uns, trägt einen grünen Mantel, ein rosadunkelrotgestreiftes Unterkleid, auch ge¬ blümt, von grüner Schärpe gehalten. Einen dritten Pagen sehen wir nicht. Oder ist es doch jener blühende, ewig¬ schöne Knabe voll Schwung und Bewegung, den der Mesner zu Altmünster als Archelaus in der Szene des bethlehemitischen Kindermordes aufstellt? Jener nur kurz in der Bibel erwähnte Sohn des Herodes, der in jugendlichem Protest auf die Stufen des Thrones springt, um seinen Vater vor dem schrecklichen Befehl zurückzuhalten. Sollen wir darin die Bildung einer neuen Legende sehen oder erinnert sich der über achtzigjährige Greis an das Gmundner Hirtenspiel, das er in seiner Jugend noch gesehen haben mag? In keiner zweiten Krippe bin ich diesem 324

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